Freitag, 25. Juli 2025

Was verbirgt sich hinter dem Rudolf-Fettweis-Werk in Forbach?

Murg-Hochdruckwerk Kirschbaumwasen

Das Rudolf-Fettweis-Werk der „EnBW Kraftwerk AG“, bekannt unter dem früheren Namen „Murg-Schwarzenbach-Werk“, ging in seiner ursprünglichen Planungen auf Prof Rehbock 1905 zurück. Allerdings konnten damals nicht das württembergische Murggebiet sondern nur das badische mit einbezogen werden.

 

Nach seinen Plänen wurde 1914 begonnen und bei Kirschbaumwasen die Murg durch ein 17 m hohes Wehr gestaut. Dadurch entstand ein 900 m langer See, der 359.000 m³ Wasser als Tagesausgleichsbecken fasst. Durch den 5,6 km langen unter der Raumünzach durchführenden Murgwerkstollen wird ein Gefälle von 140 m ausgenützt. In Raumünzach besteht die Möglichkeit über einen Einlassstollen das Wasser der Raumünzach und Schwarzenbach einzuleiten, wenn das Murgwasser unter 22 m³/sec unterschritten wird. Das Wasser fließt oberhalb Forbach über das Wasserschloss I in ein von der Murg aufgestauten Wasserbecken. Das Murg-Hochdruckwerk ging 1918/19 mit 22 MW ans Netz.

 

1922 wurde als Baukraftwerk zur Lieferung der für den Bau der Talsperre erforderlichen elektrischen Energie im Raumünzachtal gebaut. In einem bei Ebersbronn errichteten Becken von 20.000 m³ Nutzinhalt wird das Raumünzachwasser gefasst und durch einen 1,24 langen Hangstollen einer Turbine zugeleitet. Die Nutzfallhöhe von 62 m erzeugt 0,6 MW. Das Triebwasser des sog. Raumünzachwerk wird wie schon erwähnt, in den Murgstollen eingeleitet.

 

Der rasch steigende Energiebedarf zwang aber zum weiteren Ausbau des Kraftwerkes, die Schwarzenbachstaustufe. 1922 wurde mit dem Bau der Staumauer (67 m hoch und 380 m lang) im Schwarzenbachtal begonnen. Aus dem 247 km² großen Einzugsgebiet konnte ein 2,2 km langer und 600 m breiter See aufgestaut werden, der 1926 abgeschlossen war und 15 Mio m³ fasst. Durch den 1,7 km langen Druckstollen, der nach Forbach zum Wasserschloss II führt, wird im Schwarzenbachwerk eine maximale Fallhöhe von 362 m erreicht und dadurch 46.000 KW Strom erzeugt.

 

Das Ausgleichsbecken Forbach ist eine Talsperre mit 19 m Höhe in der Murg. Es dient als Ausgleichsbecken des Schwarzenbachwerks und des Laufkraftwerkes, Murg-Hochdruckwerk. Das Murg-Niederdruckwerk wurde 1914-18 errichte hat ein Fassungsvermögen von 230.000 m³  und erzeugt aus maximal 10 m Fallhöhe 2,5 MW Strom. Es kann wie das Hochdruckwerk in Raumünzach auch als Pumpspeicherwerk nachts eingesetzt werden.

 

Der weiter steigende Strombedarf verlangt nach Leistungssteigerungen. Mit einem Pumpspeicherbetrieb ist es möglich die Leistung des Schwarzenbachstaubeckens um 12 MW zu erhöhen. Seit Anfang 2024 wird im Berg vom Schwarzenbachstausee ein neues Kawernenkraftwerk mit Laufkraftwasserwerk und Pumpturbinen bis 2027 gebaut. Gleichzeitig ermöglicht ein Karwernenausgleichsbecken von 200.000 m³ neben dem bestehenden Ausgleichsbecken von 204.000 m³ einen durchgehenden 7 Stundenturbinenbetrieb. Der Schwarzenbachsee wird zum Oberbecken, das Ausgleichs- und Kavernenausgleichsbecken das Unterbecken im Pumpspeicherbetrieb.

 

Der weitere geplante Ausbau mit der Schwarzenbachtalsperre als Unterbecken mit einem zu bauenden Oberbecken auf dem Seekopf als Vorzugsalternative wird momentan nicht weiter verfolgt. Es kann aber jederzeit wieder aufgegriffen werden. Als Alternativen sind auch die Streitmannsköpfe oder der Nägeliskopf in der Diskussion.

Pumpspeicherkraftwerk Rudolf-Fettweis-Werk

 

Freitag, 18. Juli 2025

Was verbirgt sich hinter dem Kloster und Bad Kirnhalden?

Bad Kienhalden 1860

An der Grenze zwischen Breisgau und Ortenau liegt Herbolzheim. Bleichheim, ein Ortsteil, liegt am Ausgang des Bleibachs vom Schwarzwald, der früher auch die Grenze zwischen den Bistümer Konstanz und Straßburg war. In einem südlichen Seitental des Kirnbachs liegt Kirnhalden, Kloster, Bad und Hofgut.

Das Paulinerkloster Kirnhalden aber auch die „Brüder vom Heiligen Kreuz im Kürnbach“ genannt, wurde wohl 1352 von Heinrich IV von Hachberg gegründet und 1360 erstmals urkundlich erwähnt. Ab 1369 gehörte es zum vorderösterreichischen Breisgau. Das Kloster blieb klein, bescheiden und betreute ab 1424 die Pfarrkirche von Ottoschwanden.

Das Kloster erlitt im Laufe der Zeit erhebliche Schäden. Um 1485 wurde es von einem schweren Unwetter betroffen, und während des Bauernkrieges 1525 erlitt es durch Plünderungen und Brände weitere Zerstörungen. Nach dem Tod des letzten Mönchs im Jahr 1554, der als Pfarrer von Heimbach tätig war, gelangte das Kloster 1579 mit seinem Besitz an das „Schul Collegium Enisheim“ im Elsaß. Dieses verkaufte es 1585 an das Zisterzienserinnenkloster Wonnental für 1000 Gulden und ließ es durch einen Meier bewirtschaften. Die verfallenen Gebäude wurden wieder hergerichtet, 1669 wurde das Kirchlein wieder aufgerichtet.

Der Kirnhalder Kreuzbrunnen oder das „Bädle“ wurde seit jeher besucht. Die Leute mussten sich selber behelfen, da in der Nähe des Brunnens keine Unterkunft oder Verpflegung für sie vorhanden war. Um diesem Übelstande abzuhelfen, entschied das Kloster Wonnetal 1717 ein „Baadt- und Wirtshauß“ einzurichten. Es entstand auf dem Fundament des abgegangenen Klösterleins ein Badhaus mit 8 Badstuben und 10 Wohnzimmern nebst einem Wirtshaus mit 3 Stuben und 5 Kammern.

Nach der Säkularisierung 1806 wurde das Kloster und Bad zum Heiligen Kreuz veräußert und kam durch Kauf an die Familie Kageneck. Bald wurde das Anwesen geteilt: Bad mit Zubehör wurde an den Kenzinger Färber Bilharz verkauft, der 1832 Kirnhalden zur Badeanstalt ausbaute. Die Maiergüter blieben im kageneckschen Besitz.

Ab jetzt erlebte Kirnhalden seine Glanzzeit, denn es wurde ein schickes Kurbad. Eine Werbeschrift von 1895 rühmte: „Über 100 elegante Zimmer, Salons, Familienwohnungen, Konversations- und Spielräume“. Dazu gab es ein medizinisches Angebot mit einem Programm, wie die damalige Zeit vorgab. Angeboten wurden „abgeschreckte Halbbäder“, Begießungen und „Sturzbäder“, Kohlensäurebäder und das „hydroelectrische Bad“ zur Wirkung auf „Circulations- und Nervensystem“:

Zwischen den Weltkriegen machte die Pensionskasse der IG Farben Ludwigshafen Kirnhalden zum Erholungsheim. Nach 1945 war es kurzzeitig eine Unterkunft für Flüchtlinge. Ab 1965 wurde es als Quarantänestation betrieben. Ab 1968 bis 2017 war die Diakonie als Pächter für ein Alten- und Pflegeheim, in einem Neubau wurden Menschen mit psychischer Erkrankung behandelt.

Wie immer in solchen Fällen geht ein Objekt ohne konkretes Ergebnis durch mehrere Hände. Ab 2021 wurde von mehreren Personen ein Kultur- und Bildungsverein „Die Kleinstadt“ und im März 2022 die Genossenschaft „Wohn- und Kulturprojekt Kirnhalden“ gegründet, die auch 2023 das Anwesen kaufte.

Bad Kirnhalden 1896


Freitag, 11. Juli 2025

Was verbirgt sich hinter dem Historischen Kaufhaus in Freiburg?


Die hohen Schulden im 14. Jahrhundert zwangen die Stadt Freiburg zu einer strengeren Ordnung ihrer Finanzwirtschaft. Die Freiburger Bürgerschaft kaufte sich 1368 für 15.000 Mark Silber von der ungeliebten Herrschaft der Grafen von Freiburg los und unterstellten sich dem Schutz des Hauses Habsburg. Wichtigste Einnahmequelle und zugleich Mittel zur Wirtschaftslenkung war der Zoll für die Stadt. Dieser ging 1368 auf den städtischen Besitz über. Im Gegensatz zuvor war er in der Hand der Grafen von Freiburg. Zu den wichtigsten Zöllen zählte der Wein- und Kornzoll, die bei Ein- und Ausfuhr zu bezahlen waren. Dies war gerade bei den vielen Klöstern in Freiburg und gesamtem Umland der Fall, die Landwirtschaft im großen Stiel betrieben. So wurde 1481 ausdrücklich festgelegt, dass sie nur Korn verkaufen dürfen, wenn sie den Zoll entrichtet hatten.

Um die Zollformalitäten abwickeln zu können, war eine Lokalität notwendig. So wurde im Jahr 1378 erstmal urkundlich ein Kaufhaus in der heutigen Schustergasse erwähnt. Wahrschein existierte das Gebäude schon 10 Jahre früher und wurde 1368 mit dem Herrschaftswechsel eingerichtet. Ein Neubau war bei der schwierigen finanziellen Notlage der Stadt Freiburg nicht möglich sondern ein vorhandenes Gebäude wurde umgebaut.

Mit der Zeit aber genügten das alte Kaufhaus den gesteigerten Bedürfnissen nicht mehr. Zwar wurde im alten Kaufhaus ein Saal mit Kamin eingebaut. Aber im beginnenden 16. Jahrhundert wurde wie anderswo ein Prachtbau von größerem Ausmaß und stattlichem Aussehen verlangt. Dies vor allem, da der handwerkliche Fleiß und umfassender Handel auch mit den Bergbauschätzen, den aufkommenden Wohlstand Freiburgs begründeten. Die Pferdegespanne der Freiburger Handelsfamilien waren überall auf allen Habsburger Handelsstraßen unterwegs.

In der Zeit von 1520 um 1532 wurde nach und nach das neue Kaufhaus im Rücken des bisherigen Kaufhauses mit Blick auf das Münster erstellt. Die Abschaffung des Friedhofs um das Münster 1515 eröffnete neue Möglichkeiten. Der Architekt des Gebäudes ist nicht einwandfrei belegt. Vier  baldachingekrönte Skulpturen zwischen den Fenstern der Vorderfront stellen Kaiser Maximilian I, sein Sohn König Philipp den Schönen sowie dessen Söhne, den Römischen Kaiser Karl V und den späteren Kaiser Ferdinand I dar. Unter Fenstern des westlichen und östlichen Erkers zieren insgesamt je vier Wappenfelder mit Wappen der österreichischen Länder.

Die erste Veränderung erhielt das Gebäude 1550 durch den Anbau des Balkons mit seinen sechs Arkaden –davon zwei seitlich. Die Bedeutung und Dominanz des neuen Kaufhauses wird durch ein Nachvornerücken der Fassade aus der Flucht der Häuserreihe und durch den roten Anstrich dokumentiert. Zum Kaufhaus gehörte ein Brunnen von 1526, der heute noch in den städtischen Sammlungen steht.

Durch ein großes Tor gelangt man in eine zum Innenhof geöffnete 300 m² große Halle, wo einst Waren gelagert waren. An den Balkendecken ist noch ein großer Balken befestigt, an dem die Stadtwaage aufgehängt war. Neben dem großen Tor gibt es noch eine kleine Tür mit dem Wappen Freiburg und Österreich, die aber nur bei besonderen Gelegenheiten geöffnet wurde. Über eine Wendeltreppe der sog. „Kaiserstiege“ gelangt man vom Innenhof zum Kaminzimmer. Von dort nimmt das restliche Obergeschoss den Kaisersaal ein. Dieser bekam 1629/31 eine Stuckdecke mit ausgemalten Wappenfelder sowie zahlreiche Portraits von habsburgischen Herrschern an den Wänden –darunter Kaiser Franz I und seiner Gattin Maria Theresia, den Nachfolger Kaiser Joseph seine Gattin und Kaiser Franz II.

Im benachbarten Gebäude wurde der Rokokosaal erschlossen und im 2. Obergeschoss befindet sich die Historische Stube. Alle Räumlichkeiten einschließlich Innenhof stehen für alle möglichen Veranstaltungen zur Verfügung.



Freitag, 4. Juli 2025

Was verbirgt sich hinter der Gründung von Bad Rippoldsau?


Die Landstraße L 96 führt von Wolfach durch das zauberhafte Wolftal nördlich zum Mineralbad, Bad Rippoldsau. Die Ortskirche“ Mater Dolorosa“ mit den beiden Türmen wurde 1828/29 erbaut, während die teilweise neben an noch erhaltenen Gebäude vom ehemaligen Kloster stammen. 1179 wurde erstmalig durch eine Urkunde die Existenz der St Nikolaus Zelle nachgewiesen. 1802 wurde das Kloster säkularisiert.

Im Schwarzwald im wilden hinteren Wolftal muss vor vielen hundert Jahren andächtige Brüder in einem abgelegenen Klösterlein gehaust haben. Der frömmste und vielgelehrteste muss Bruder Rippold gewesen sein. Tagein, tagaus saß er in seiner Zelle und forschte in der Heiligen Schrift, um alles zu erfahren, was Gott, die Welt und die Menschheit betrifft. Er fraß die Bücher bis spät in die Nacht in sich hinein, bis der Schlaf ihm spät die Bücher aus der Hand nahm. Die immer gleiche Beschäftigung ließ ihn mit der Zeit kauzig werden. Schon Kleinigkeiten führten zur Einbildung von Krankheiten. Was nicht ausbleibt, das Verhalten von Bruder Rippold sorgte für immer mehr Verdruss und Ärger unter den Klosterbrüdern. So sprach die Versammlung der Klosterbrüder der Konvent, sich für den Ausschluss von Bruder Rippold, um den häuslichen Frieden zu retten und ein geregeltes, ruhiges Klosterleben zu gewährleisten. Mit Brevier und Brotsack ging der missverstandene Klosterbruder in die Wildnis, umgeben vom dunklen Tannenwald und wildem Getier. Völlig verstört, mit seinem Schicksal hadernd, zog er sich immer weiter in das Dickicht zurück und blies Trübsal. Denn nichts konnte ihn mehr erfreuen. So wartete er auf seinen Tod mit Verdruss.

Unter seinem Schwermut wurde er immer kränker, schrumpfte wie ein Greis und sehnte den Tod herbei. In seiner Todessehnsucht nahm er mit zitternder Hand einen Spaten und baute sich am Bach ein Grab als Totenschrein. Als er dies beendet hatte, empfahl er dem Herrn seine sündige Seele und legte sich zum Sterben in den finsteren Schacht. Wie er so lag, um auf den Tod zu warten, vernahm er mit Erstaunen ein tiefes Grollen und Rauschen. Ein mächtiger Wasserstrahl warf den Mönch Rippold jäh in hohem Bogen aus dem Grab hinaus. Triefend nass stand er da und konnte es kaum fassen, was er verspürte: neues Leben durchzuckte seine Glieder, als kehre die Kraft und die Jugend wieder. Munter sprudelte die Quelle weiter, und als er davon trank, schmeckte diese salzig und kohlensauer Mehr als feuriger Edelwein durchzuckte seine Glieder, Lebensmut und Kraft kehrten in den ausgelaugten Körper zurück, je mehr er trank. Ein stärkendes Bad brachte den Appetit und dann die Kraft zurück. Anstatt Trübsal zu blasen, begab er sich auf die Jagd und durchstreifte die Wälder. Auf einer seiner Streifzüge traf er auf eine junge Hirtin, die ihre Herde Ziegen und Schafe bei der Weide beaufsichtigte. Angetan von dem hübschen und unschuldigen Aussehen der Jungfrau, überkam den Mönch Rippold die Scham, da die unzüchtigen Gedanken seinem Gelübde der Enthaltsamkeit widersprachen.

Eines Tages erfuhr er von der gefährlichen Krankheit seiner heimlich verehrten Hirtin, die elend danieder lag. Alle Zweifel und Gewissensbisse beiseite schiebend begab er sich zur Hütte der jungen Hirten. Er erzählte ihr von der heilenden Kraft der entdeckten Quelle. Er nahm all seinen Mut zusammen, hob sie vom Krankenlager und führte sie zum von ihm entdeckten Lebensborn. Während die junge Maid von dem heilenden, Wasser genoss, hängte Mönch Rippold seine Mönchskutte an einen großen Tannenbaum. Nach der Genesung seiner Hirtin wallfahrte er mit ihr zum Kloster. Er wurde dort vom Abt und seinen Brüdern in vollem Ornat empfangen. Weil er der heilenden Quelle auf die Spur gekommen war, wurde dies als Zeichen des Himmels gewertet.

Er wurde von Gelübde und Zwang befreit, mit der Bitte Au und Quelle zu verwalten. Er solle Herberge, Bäder Trinkstuben und selbst Kegelbahn bauen. Zum Schluss sprach der Abt dem Paar den Segen, und sie verließen das Kloster als Mann und Frau und bauten auf das Bad Rippoldsau. Leider ist seit 2011 die Schwarzwaldklinik mit Bad geschlossen.

Thermalbad Bad Rippoldsau


 

Freitag, 27. Juni 2025

Was verbirgt sich hinter der Margarethen-Legende, eine alte Flößersage?

Margarethenkapelle Schlosskirche Pforzheim

Zu allen Zeiten gab es Judenverfolgungen und Judenprognomen. Diese wurden durch die Kreuzzüge und dem Vorwurf des Gottesmordes hervorgerufen. Denn schon zur Stauferzeit werden diese durch den angeblichen Vorwurf der Ritualmorde an Christenkinder erstmals hervorgerufen. Denn schon Kaiser Friedrich II, spricht nach eingehenden Untersuchungen, jüdische Konvertiten, Juden von dieser Blutbeschuldigung frei. Aber doch gibt es immer wieder Ausschreitungen. Neben religiösen Fanatismus und finsteren Aberglauben ist auch nackte Habgier verschiedentlich Anlass zu den Judenmorden, bei denen es nur auf die Vernichtung drückender Schuldscheine oder Raub auf jüdischen Guts ankommt. Da den Juden Grundbesitz ebenso wie Teilhabe an Gilden und Zünften versagt war, treten sie immer wieder als Geldverleiher auf, weil sie wegen des kanonischen Zinsverbots am ehesten in Frage kamen. Aber nun zur Margarethen-Legende:

Ein altes Weib verkauft in Pforzheim aus schnöder Gewinnsucht ein siebenjähriges Mädchen namens Margarethen an die Juden. Diese verstopfen ihm den Mund, öffnen die Adern und umwinden es, um Blut aufzufangen, mit Tüchern. Nachdem das Kind unter der Marter gestorben war, wird es von den Juden unterhalb des  Schleiftors in die Enz geworfen und mit einer Menge von Steinen beschwert. Nach etlichen Tagen reckt es die eine Hand in die Höhe. Die Schiffer eilen voll Schrecken herbei und zeigen das merkwürdige Ereignis bei der Stadt an. Der Markgraf kommt selbst herbei, und als das Kind aus dem Wasser gezogen wird, richtet es sich empor, bietet dem Fürsten die Hand und fordert ihn zur Rache auf. Dann sinkt es wieder tot zurück. Der Verdacht fällt auf die Juden und sie werden zusammengerufen. Wie sich dem Leichnam nähern, fangen die Wunden wieder an zu bluten. Darauf gestehen die Juden die Gräueltat,  das alte Weib ebenfalls. Sie werden allesamt gerädert oder gehängt. Der Leichnam des Kindes kommt in einen steinernen Sarg. Dieser wird in der Schloss- und späteren Stiftskirche St Michael beigesetzt und trägt in Latein die Aufschrift: „Margaretha, von den Juden umgebracht, starb seeliglich am Freitag den 1. Juli 1267“.

Wie kann diese Legende auf ihren wahren Gehalt zurückgeführt werden: Unstrittig ist, dass das Nürnberger Memorbuch von einer Judenverfolgung um diese Zeit aus Pforzheim berichtet. Zu Ehren des Mädchens wird an der Nordseite des Langhauses der Schlosskirche eine Kapelle, die „Margarethenkapelle“ angebaut, an deren Außenseite als Wasserspeier ein Judenkopf zu sehen ist. Auf der Spitze des Pfeilers befindet sich eine Sitzfigur, des Mädchen Margarethe mit Krone und langem, von einem Schnallengürtel zusammengehaltenen Gewand.

Die Geschichte des siebenjährigen Kindes Margaretha, das in Pforzheim ermordet worden sei, wurde erstmals durch den Predigermönch Thomas von Cantimpré (1201-1270) aus dem heutigen Belgien schriftlich erwähnt. Das von den Juden getötete Mägdelein fand als die Legende Margarethas in Jacob und Wilhelm Grimms 1816/18 erschienene Sammlung „Deutsche Sagen“ Eingang.

Mit der Einführung der Reformation in Pforzheim hatte der Margarethenverehrung ein Ende gesetzt. Baden war geteilt in die evangelische Markgrafschaft Baden-Durlach, zu der auch Pforzheim gehörte, und die katholische Markgrafschaft Baden-Baden. Gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges ließ der Baden-Badener Hof das als wertvoll angesehene sakrale Objekt aus dem besetzten Pforzheim schaffen, um es dem Zugriff der Lutheraner zu entziehen. Verantwortlich waren zwei Jesuitenpater, die 1647 den Sarkophag in der Schlosskirche öffneten, dokumentierten die darin vorgefundene mumifizierte Kinderleiche und ließen sie nach Baden-Baden überführen. Ab 1649 war die Reliquie in einem vergoldeten Schrein in der Kollegkirche in Baden-Baden aufbewahrt. 1689 ist die Reliquie im Pfälzischen Erbfolgekrieg bei der Zerstörung Baden-Badens durch französische Truppen vernichtet worden.

Freitag, 20. Juni 2025

Was verbirgt sich hinter den Wein-Kuriositäten am Schwarzwaldrand?


Im äußersten Süd-Westen Deutschlands liegt das Markgräflerland. Aber hier beginnt gleich die Schwierigkeit: Ursprünglich war dies die ehemaligen Herrschaften Sauseburg, Rötteln und Badenweiler, später war es das Gebiet, das zur Markgrafschaft Baden-Durlach gehörte und protestantisches Gebiet im katholischen Vorderösterreich war. Die Weinliebhaber bezeichnen aber es als das Gebiet vom Hochrhein bis südlich von Freiburg wo eben der Markgräfler-Wein angebaut wird.

Der typische Markgräfler-Wein ist der Gutedel, der in diesem rund 3000 Hektar großen Weingebiet angepflanzt und auch nur hier getrunken wird. Eine sehr alte Weinsorte, die 1780 vom Mark Karl Friedrich von Baden aus der Schweiz, vom Nordufer des Genfer Sees gelegenen Vevey, ins Markgräflerland gebracht worden sein soll. Dort ist er als Fendant und in Frankreich als Chasselas bekannt. Allerdings gibt es auch Weinexperten, die behaupten, dass die Römer die Weinrebe über die Alpen gebracht hätten und diese in der Badenweiler Gegend angebaut hätten.

Erstaunen gibt es, wenn Weintrinker in der mittleren Ortenau einen Riesling bestellen und einen Klingelberg serviert bekommen. Zumindest ist dies in den Weinorten Oberkirch, Ortenberg und Offenburg üblich. Der Schlossberg bei Durbach hat ein Gewann namens Klingelberg, den obersten Teil des Schlossbergs direkt bei Schloss Staufenburg. Der Markgraf Carl Friedrich von Baden hatte 1782 dort erstmals 2200 Rieslingreben gepflanzt. Da früher Eisenerz dort verhüttet wurde, stießen die Winzer mit ihren Hacken immer wieder auf Eisenerzklumpen, die einen klingenden Ton ergaben. Daher der Name für einen guten Riesling aus der mittleren Ortenau.

Im Weinbaugebiet der mittleren Ortenau liegt der bekannte Weinort Durbach, eingemeindet nach Offenburg. Hier werden 430 Hektar Rebflächen bewirtschaftet. Dominant im Anbau ist hier Savagnin Rose oder Roter Traminer, der hier als Clevner bezeichnet wird, sonst bekannt als Gewürztraminer, im Elsaß als Weißburgunder oder Pinot blanc auf dem Markt. Nicht zu verwechseln mit dem blauen Frühburgunder in Württemberg, der dort ebenfalls Clevner genannt wird. Der Name kommt von der Stadt Cleven –altdeutscher Name für Chiavenna, eine kleine Gemeinde in der Provinz Sondrio Lombardei.

Überraschend für auswärtige Weintrinker taucht außerhalb Mainfrankens im Vorland von Baden-Baden die Boxbeutelflasche auf. Sehr zum Unmut und Ärger der Franken werden bei den Winzergenossenschaften Neuweier, Varnhalt, Steinbach und Umweg die besseren Gewächse in der publikumswirksamen Bocksbeutelflasche abgefüllt. Dieser Unsitte –in fränkischen Augen- sollte endlich ein Riegel vorgeschoben werden.

 

Die gründliche, fränkische Recherche ergab: Franz-Philipp, Freiherr von Katzenellenbogen, gestorben im Jahre 1816, hatte als letzter seines Geschlechtes den gesamten Familienbesitz in Neuweier, Mainz und Würzburg in einer Hand. Gleichzeitig war er auch Bischof von Eichstätt in Mittelfranken. Er ließ sich den Wein aus seinen Neuweierischen Rebbergen in Bocksbeutelflaschen abfüllen und zusenden. So hat sich nachweislich der Bocksbeutel im Schlossgut Neuweier eingebürgert. Zähneknirschend mussten dies die Franken aus historischen Gründen zugestehen.

 

Seit dem Jahre 1923 hatten neben dem Schlossgut auch die Neuweierischen Winzer unangefochten, weil zunächst unbemerkt, ihre besten Gewächse auch in Bocksbeutel Flaschen abgefüllt. Diese Bocksbeutel Exklave am Oberrhein wurde 1960 um die Winzergenossenschaften Neuweier, Varnhalt, Steinbach und Umwegen legal erweitert.

 

Freitag, 6. Juni 2025

Was verbirgt sich hinter dem Sterben der Uhrmacherfabriken im Hochschwarzwald?

Lorenz Furtwängler 1807-1866 als Uhrenträger

In den Städten Triberg, Furtwangen, Neustadt und Lenzkirch und deren Umgebung gab es eine Vielzahl von Uhrmacher und Uhrmachermanufakturen, die ihre Uhren hinaus in die Welt tragen ließen. Produziert wurden Kuckucks- und Stockuhren, Regulatoren, Bodenstand-, Bürouhren und Wecker.

 

Bekannt, um nur einige zu nennen, waren Lorenz Furtwängler & Söhne (LFS) aus Furtwangen, Schöpperle & Hauser die spätere Aktiengesellschaft für Uhrenfabrikation in Lenzkirch, Uhrenfabrik Winterhalder & Hofmeier in Neustadt wie auch letztlich die Badische Uhrenfabrik (BadU) in Furtwangen. Am Beispiel von LFS wird die Problematik aufgezeigt.

 

Lorenz Furtwängler (1807-1866), ein tüchtiger Uhrmachermeister, begann 1836 in Gütenbach später im Schwefeldobel von Neukirch Uhren herzustellen, so wie viele Uhrmachermanufakturen begannen. Vier seiner Söhne führten das Unternehmen nach seinem Tode weiter und übersiedelten 1868 mit ihrem Betrieb nach Furtwangen, da die notwendige Wasserkraft vorhanden war. 1882 kam eine Dampfmaschine dazu, denn das Werk war auf industrielle Produktion umgestellt worden. Es wurden nicht nur Uhrwerke produziert sondern auch die  gesamte Gehäuseproduktion integriert.

 

Es wurden Wand- und Bodenstandsuhren aber auch Wecker hergestellt. LFS erlangte mit ihren Uhren Weltruf und zählte zu den ältesten und maßgebendsten Hersteller für massive Großuhren in Deutschland. Wie auch die anderen Firmen wurden im In- und Ausland zahlreiche Auszeichnungen und Medaillen abgeräumt.

 

Mit dem Erfolg der Uhrenmanufakturen kam das schnelle Wachstum, und das musste finanziert werden. Fremde Kapitalgeber oder Unternehmenszusammenschlüsse waren notwendig, um die laufende Expansion zu finanzieren. So wurde auch LFS  1895 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. 1898 waren 143 Mitarbeiter beschäftigt.  Dies war nicht genug, LFS suchte den Zusammenschluss mit dem Schiele & Bruchsaler-Industriekonzern Baden-Baden. 1900 nutzte man die Erfahrung des Georg Stehling, der ein geschätzter Spezialist für Großuhren war.

 

Nach und nach schieden die Lorenzbrüder altershalber aus und Georg Stehling wurde immer mehr die leitende Figur des Unternehmens. Um zur Versorgung des russischen und polnischen Marktes hatte man in Warschau eine Weckerfabrik gegründet. LFS beschäftigte 1925 über 500 Arbeitskräfte.

 

Wie viele andere Schwarzwälder Uhrenfabriken wollte man nicht nach dem Ersten Weltkrieg und in den 20er Jahre des 20. Jahrhunderts auf die billigere amerikanische Uhrenproduktion umzustellen. Man blieb bei der qualitativ hochwertigen aber teuren Uhrenproduktion. Die Firmenleitung von LFS versuchte alternativ auf den wachsenden Markt der Schreibmaschine aufzuspringen und brachte 1925 eine namens „Cardinal“ auf den Markt. Von soliden Uhren verstand die Unternehmensleitung etwas, die Probleme der Schreibmaschine bekam sie aber nicht in den Griff. Damit war das Aus von LFS eingeläutet.

Das Geschäft mit den amerikanischen Uhren und deren Produktionsmethoden machten die Firmen Junghans in Schramberg, Mauthe, Kienzle in Schwenningen und Kaiser in Villingen. Aber sie standen alle Anfang der 50er Jahre vor dem gleichen Problem, dass sie die Umstellung auf das neue  Zeitalter von elektrischen Uhren und später in den 70er Jahren das Quarzzeitalter verpassten, da sie beim alten Produkt und deren Produktionsmethoden verharrten.