Freitag, 27. März 2026

Was verbirgt sich hinter Alt-Waldshut?

Waldshut 1852

Am oberen Tor prangt auf blauen Wappengrund ein roter Löwe, weiß verziert, während das „Waldshuter Männle“ als Wappen über der Rathaustür auf die Häuser mit den Hotzenhauben blicken. Löwe und Hotzenwälder sind Wahrzeichen der Waldshuter Geschichte. Als Vorderösterreichische Festungsstadt hielt Waldshut 1468 den wochenlangen Angriffen der Schweizer Eidgenossenschaft tapfer stand und verhinderte so, dass das rechte Rheinufer schweizerisch wurde. Zum Dank wurde den Waldshutern der rot-weiß-rote Löwe als Wappentier zuerkannt. Noch heute wird jedes Jahr am Wochenende nach Maria Himmelfahrt 5 Tage lang die „Waldshuter Chilbi“ mit dem Schafsbock gefeiert. Der Legende nach wurde der letzte Schafsbock gemästet und auf der Festungsmauer auf und ab geführt. Die Schweizer sollen daraufhin die Belagerung abgebrochen haben, obwohl die Festungsmauern schon teilweise sturmreif geschossen worden waren.

Die Stadtbewohner schlossen sich 1524 mehrheitlich der Reformation an. Mit dem Prediger Balthasar Hubmaier gelang es, die Waldshuter Bevölkerung zur religiösen und politischen Revolution mit einer radikalreformatorischen Bewegung zu begeistern. Es kam zu einem regelrechten Bildersturm, kirchlichen Geräte wurden zerschlagen, Bilder und Statuen vernichtet. Die Reaktion der Regierung ließ nicht lange auf sich warten: Am 6. September 1525 wird die Stadt von österreichischen Truppen eingenommen, um wieder Ruhe und Ordnung herzustellen. Waldshut verlor viele Privilegien, wie die Selbstwahl des Bürgermeisters, denn in Zukunft war dies der Waldvogt der Regierung oder der rot-weiß-rote Löwe im Wappen durfte nicht mehr geführt werden.

In den folgenden Jahren wurde Waldshut von einer verheerenden Pestepedemie 1611 heimgesucht. Aber nicht nur diese sondern der 30jährige Krieg und die Erbfolgekriege brachten Durchzüge, Besetzungen und viel Leid in die Stadt. Dazu kamen die Salpeterkriege 1728-1748, in denen ein Teil der Bauern aus dem Hotzenwald ihre alten Rechte und Freiheiten vor allem gegen das Kloster St Blasien verteidigten. Zweimal versuchten die Salpeterer Waldshut zu stürmen, um dort inhaftierte Gesinnungsgenossen zu befreien.

Im Frieden von Lunéville wurde 1801 der Breisgau und Ortenau und damit Waldshut dem Herzog von Modena, einem Habsburger als Entschädigung von Napoleon für die Gebietsverluste in Italien zugesprochen. Im Frieden von Pressburg wurden 1805 dagegen der Breisgau und die Ortenau dem Großherzogtum Baden  endgültig zugesprochen. Zuvor war die Grenzziehung zwischen Württemberg und Baden sehr ungenau, so glaubten, die Württemberger große Teile des Breisgaus darunter auch Waldshut besetzen zu können. Was die Franzosen dann endgültig klärten.

Die Waldshuter Bürger waren über die neue Herrschaft unglücklich: Ein katholisches Land –Vorderösterreich- sollte von einem evangelischen Landesvater regiert werden. Auch das Prinzip der Selbstverwaltung der kommunalen Ebene der Wiener wurde durch die zentralistischen Grundsätze der Karlsruher ersetzt werden. Und das brachte viel Unruhe auf den Wald.

 

Freitag, 20. März 2026

Was verbirgt sich hinter dem Konkurrenten des Triberger Wasserfalls


Der berühmte Triberger Wasserfall ist in ganz Deutschland  als der höchste Wasserfall des Schwarzwaldes bekannt. Er ergießt sich über 163 m in sieben Stufen in die Tiefe und endet in Triberg im Ort. Siehe „Was verbirgt sich hinter der Talsperre über dem Wasserfall von Triberg?“

Wer vom Feldberg über den Stübenwasen nach Todtnau wandert, kommt im Grenzbereich zwischen Todtnauberg, Aftersteg und Todtnau zum Todtnauer Wasserfall. Das Stübenbächle vom Feldbergmassiv kommend stürzt sich in fünf Stufen teils frei insgesamt 97 m in die Tiefe. Die vorletzte und höchste Stufe beträgt 60 m und ist damit die bei weitem höchste Einzelstufe der deutschen Mittelgebirge.

Er durchfließt das Hochtal von Todtnauberg. Unterhalb des Zinkens Hangloch stürzt der Bach unvermittelt in eine Felskerbe mit zwei wenige Meter hohen Fallstufen. Nach kurzer Fließstrecke folgt ein polternder Fall von ungefähr 12 Metern Höhe, um dann über eine breite Fallkante von rund 60 m in einer vielfach gegliederten Hauptstufe hinabzustürtzen. Nach einem letzten 4 m hohen Absatz rauscht das Stübenbächle weitere 140 m steil hinab dem Schönenbach entgegen. Seit 1987 steht der Wasserfall unter Denkmalschutz. In kalten Winternächten gefriert der Wasserfall zu einem bizarren Gebilde überdimensionaler Eiszapfen.

Von der Straße Todtnau zum Notschrei ist der Wasserfall in der ersten großen Kurve rechts zu sehen. Vor allem während der Schneeschmelze oder nach heftigem Regen spritzt der Wasserregen umher und bildet bei Sonnenschein einen Regenbogen.

In einer Entfernung von 300 m östlich der oberen Fallstufe befindet sich der Monolith „Schatzstein“. Der Felsblock weist merkwürdig eingemeiselte Zeichen auf. Die einen behaupten, dass es sich um Markscheider-Zeichen über die Lage der Gruben oberhalb des Wasserfalls handelt. Andere behaupten, dass es die genaue Lage eines Geldschatzes bezeichne, der zur Zeit des französischen Einfalls um 1795 von Feinden auf der Flucht vor den Österreicher vergraben worden sein soll. Ein französischer Offizier aus Nancy habe um 1830 seinen Todtnauer Quartierleuten in einem offenen Brief die genaue Stelle des vergrabenen Schatz bezeichnet. Es wurde schon oft gegraben, aber nichts wurde gefunden.

Der Wasserfall ist von Parkplätzen der Orte Todtnauberg und Aftersteg erreichbar. Oberhalb und unterhalb der Hauptstufe queren Stege den Wasserfall. Mittlerweile besuchen 500.000 Besucher im Jahr den Wasserfall. Als besondere Attraktion wurde 2023 eine 450 m lange Hängeseilbrücke „Blackforestline“ beim Todtnauer Wasserfall eröffnet, die 120 m über dem Talgrund verläuft. 5 Mio Euro wurden dafür investiert.

Mautzenstein Todtnauer Wasserfall


Freitag, 13. März 2026

Was verbirgt sich hinter den Naturdenkmälern des Schwarzwaldes?

Natürliche Formationen von Steinen waren stets Anknüpfungspunkt für Mythen und deren Zauber. Im Zuge der Esoterikbewegung erwachte die Sehnsucht, sich den vorchristlichen Kulturen zuzuwenden. Naturdenkmäler werden als Kultstätten der Kelten umgedeutet, um sie zu erklären.

 


Das Naturdenkmal Solfelsen oder Pelzkappenstein (seit 1950) in der Vorbergzone des Hotzenwaldes liegt auf dem Weg von Brennet nach Rickenbach-Jungholz. Ein Granitklotz 5,4 m hoch mit 88m³ und 230 t Gewicht durch Verwitterung an Ort und Stelle und durch Wegwaschung des Gruses entstanden. Kaufmann Streicher kaufte 1870 das Areal, um zu verhindern, dass es zum nahen Steinbruch einbezogen wurde. Heute befindet sich das Naturdenkmal im Besitz des Schwarzwaldvereines.


Das Naturdenkmal Siebenfelsen (seit 1905) am Ende des Yachtales von Elzach-Yach liegt auf dem Weg zum Rohrhardsberg. Sieben Felsen sind zu einer Formation aufgetürmt, deren Geheimnis noch niemand gelüftet. So bleibt die Vermutung, dass es sich um ein Kulturdenkmal oder gar um eine Opferstätte der Kelten handelt.

 





Das Naturdenkmal Heidenkirche (seit 1963) liegt am Ende des Harmerbachtales der Gemeinde Oberharmersbach kurz vor dem Löcherberg. Früher hatte man geglaubt, dass es sich um eine vorgeschichtliche Kultstätte handelte, in der die Bewohner des Tales den Göttern ihre Opfer dargebracht haben.  Sie gehört dagegen zur Geröllsandstein-Formation des Mittleren Buntsandsteins, die besonders zur Blockbildung neigt.

 


Das Naturdenkmal Giersteine (seit 1940) befindet sich hoch über dem Murgtal neben dem Ort Forbach-Bermersbach. Hier  liegen drei 7x4x4 m mächtige Forbachgranitfelsen. Das Dritte Reich hat diese Felsen als Opfersteine oder germanische Kultstätte vereinnahmt. Die Sagenwelt glaubte den Teufel bemühen zu müssen, der die Ausbreitung des Christentums im Murgtal hier verhindern wollte. Aber naheliegend ist die die wissenschaftliche Erklärung, dass es sich als typische Zeichen der Verwitterungsformen von Granit handelt.

 

Das Naturdenkmal Mautzenstein (seit 2007) liegt auf dem Weg und dem früheren Grenzverlauf von Baden und Württemberg Bad Herrenalb-Bernbach zum Bernstein und Gaggenau. Der markante Buntsandsteinfelsblock (5x3x1m) diente als Grenzstein und weist kreuzförmige Grenzmarkierungen auf. Ein Schild informiert über Spekulationen, der Fels habe in der Frühzeit der Verehrung der Gestirne gedient, womit auf herauserodierte kreisförmige Strukturen in der Felsoberfläche angespielt wird. Der badische Landesgeologe Walter Hasemann beschrieb diese jedoch als natürliche Konkretionen.

 

 

 

 


Freitag, 6. März 2026

Was verbirgt sich hinter den Waldhufendörfern des Nordschwarzwaldes?

Beinberg Skizze

Der siedlungsleere Schwarzwald wurde abgesehen von den Randbezirken erst um 1000 n. Chr. besiedelt. Vor allem waren es die Klöster, die die landwirtschaftliche Besiedlung vorantrieben. Aber auch die Betreiber der Waldgewerbe hatten vor allem im Nordschwarzwald einen Anteil an der Besiedlung. Diese begann im 12. und war im 14. Jahrhundert abgeschlossen.

 

Im mittleren und am Rande des Nordschwarzwaldes waren es die Einzelhöfe, die die Rodungsarbeiten vorantrieben. Im siedlungsfeindlichen Gebiet der Murg oder die tiefeingeschnittenen Täler der Enz oder Nagold waren es eher die Haufendörfer, die zur Siedlung sich eigneten. Ansonsten waren es vor allem die Hochflächen zwischen Alb-, Enz- und Nagoldtal, die die Anlage von Waldhufendörfer zu ließen. Die nährstoffarmen Böden waren am zweckmäßigsten dafür. Allerdings sind die Bewohner nach Ende der strengen Hufenverfassung und dem Aufkommen der Realteilung näher zusammengezogen und dadurch sind ebenfalls Haufendörfer entstanden.

 

Eine Hufe drückte im Mittelalter eine Fläche aus, deren Größe es einer Familie erlaubte, durch landwirtschaftliche Bearbeitung und Nutzung den Lebensunterhalt nebst Abgaben daraus sicherzustellen. Die Größe war also kein Einheitsmaß sondern hing von der Bodenbeschaffung ab. In der Regel war es ein Geländestreifen von 50 bis 100 m Breite und 1000 bis 2000 m in der Länge.

 

Die Siedler erhielten Geländestreifen (Hufe) zur Rodung und Urbarmachung zugewiesen. So lag Hufe neben Hufe. Von einem Weg aus wurde zuerst das Wohnhaus gebaut. Dahinter wurde das Gelände vom Wald gerodet- einmal für den Gemüsegarten, anschließend für das Feld, Wiese oder Weide und dann folgte der Wald. Die Höfe waren in gleichen Abständen nebeneinander an der Dorfstraße aufgereiht. Jeder Siedler erhielt seinen geschlossenen Besitz, seine Hufe, als breiten Streifen quer zur Dorfstraße. Dadurch ist die Gemarkung in etwa gleich große Streifen gegliedert. Die Siedlung wird so lang wie seine Gemarkungsfläche. Die Siedler deponierten die Steine des Feldes, so dass mit der Zeit die Hufen durch einen niedrigen Steinwall getrennt waren. Dies war auch durch Wege oder Büsche und Bäume geschehen. Solch angelegte Dörfer wurden als Waldhufendörfer bezeichnet.

 

Beinberg, eingemeindet nach Bad Liebenzell, ist heute noch ein Beispiel für die Anlage eines Waldhufendorfes.

 

Um das Wissen über die Entstehung der Waldhufendörfer auch an Besucher weiter zu geben, wurde in Beinberg ein Themenpfad eingerichtet. Auf zwölf Stationen erlebt der Besucher die mittelalterliche Welt, mit der die damaligen Verhältnisse ein Stück weit erlebbar gemacht werden.

Beinberg im Nordschwarzwald