Freitag, 2. Oktober 2026

Was verbirgt sich hinter dem Unterlauf der Schlücht?

Felsdurchbruch für die Schlücht

Die Schlücht mit einer Länge von 29 km entspringt in der Nähe von Rothaus und fließt durch den Schlüchtsee, nimmt die Mettma und Schwarza auf, die im System Schluchsee integriert sind. Nach der Mettmamündung ist das Tal so eng, dass der Fluss einen Felsdurchbruch bekam, um Platz für die Straße zu schaffen. Der Unterlauf der Schlücht wird mit der Witznauer Mühle von 1349 eingeläutet. Der Fluss zwängt sich zwischen den Steilhängen weiter nach Süden und mündet bei Waldshut in die Wutach.

Die Burg Gutenburg wurde im 10. Jahrhundert vom Kloster St Gallen zum Schutz seiner Besitzungen zwischen Alb und Schlücht errichtet und im 30jährigen Krieg zerstört. Abt Franz I von St Blasien ließ den verbliebenen Rest der Burg sprengen und niederbrennen, um zu vermeiden, dass Fremde diesen Stützunkt weiterhin verwenden könnten. Der Weiler Gutenburg bestehend aus ein paar Meierhöfe und der Mühle zur Versorgung der Burg war bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts eine selbstständige Gemeinde. Ab dann ein Ortsteil von Aichen, seit 1975 ein Ortsteil von Waldshut –Tiengen.

Bereits um 1538 wurde hier eine „Schloßmüli zu Guttenpurg“ zugehörig zur Burg Gutenburg genannt. Abt Franziskus von St Blasien verpflichtete sich 1660 in einem Vertrag mit Graf Johann Ludwig von Sulz zum Bau eines Eisenwerkes mit Drahtzug an der Schlücht oberhalb des Burgstalls der Gutenburg in der Schlüchtaue zu bauen. Wasserkraft war ja vorhanden. Das Kloster St Blasien hatte, wie zu jener Zeit üblich, schon verschiedene Eisenwerke gegründet: Tiefenstein 1519, Kutterau 1651 jeweils an der Alb, Eberfingen 1622 an der Wutach. Erz aus eigenen Gruben und Holz aus eigenen Wäldern fanden Verwendung.

Für 30 Jahre sollte Eisen geschmolzen und bearbeitet werden. 1661 war der Schmelzofen bereit. Die Voraussetzungen waren ideal, die Führung in Form des Hüttenverwalters und Laboranten jedoch nicht. So waren die Ergebnisse enttäuschend. Produziert wurden Guss- und Schmiederohren, auch Geschützrohre waren dabei, die meist gut waren aber auch starken Schwankungen in der Qualität unterlagen. Bei schlechtem Geschäftsgang wurden die Bohnerzgräber und Erzfuhrleute mit Schmiedeeisen bezahlt, die sie selbst zu Geld machen mussten. Auch Gläubiger des Klosters wurden mit schwer verkäuflichen Gütern aus Gutenburg bezahlt. Die Nachfrage nach Eisen ließ von 1687 nach, da das neue Hochofenwerk Albbruck große Mengen in hervorragender Qualität produzierte. Dazu kamen Konkurrenzunternehmen im badischen Markgräflerland (Oberweiler bei Badenweiler, Kandern, Hausen im Wiesental)

Das Kloster kündigte 1698 den Vertrag mit seinem damaligen Geschäftspartner von Schwarzenberg, da alle Möglichkeiten das Eisenwerk in unterschiedlichen Möglichkeiten weiterzuführen, scheiterten und schloss die Produktion zugunsten des Eisenwerks Eberfingen. Die Einrichtung wurde versteigert, der Schmelzofen und Gebäude eingerissen.

Die vorhandene Wasserkraft nutzte wieder ein Sägewerk, das Wehr liegt oberhalb an der Mündung des Elbachgrabens und garantiert ein Gefälle von 17 m. 1902 wurde ein Elektrizitätswerk von Ernst Oskar Tröscher aus Atzenbach erbaut und versorgte die umliegenden Gemeinden bis Tiengen mit Strom. 1904 wurde mit der überschüssigen Energie in der eigenen Holzschleiferei betrieben. 1920 erwarb ein Hugo Henselmann aus Laiz bei Sigmaringen das Unternehmen, produzierte Handels-Holzschliff, der an die verschiedenen Papierfabriken verkauft wurde. 1930 wurde die Herstellung von Pappe zusätzlich aufgenommen. Ab 1932 wurden erstmals Holzfaserdämmplatten, die bisher unbekannt waren, unter dem Namen „Gutex“ auf dem Markt vertrieben. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Werksanlage erneuert und erweitert. Heute wird das Familienunternehmen mit 300 Mitarbeitern in 4. Generation  von Claudio Thoma geführt.

Gutex in Aichen

 


Freitag, 25. September 2026

Was verbirgt sich hinter dem frühen Bau des Feldbergerhofs?

Feldbergerhof 1864

Wer heute auf den Feldberg wandert oder fährt, findet ein herrliches Naturschutzgebiet durch Wege, Straßen, Lifte und Lokale erschlossen, Die Besucherströme werden durch Ranger gelenkt, um die Natur zu erhalten. Das war nicht immer so…

1848/49 wurde ein Karrenweg von Todtnau, Zeiger, Bärental, Altglashütten nach Lenzkirch gebaut. Davor gab es nur Trampelpfade. Die heutige Trasse war erst 1885 gebaut worden und erhielt 1934 eine Teerdecke. Ein größere Aufmerksamkeit erhielt der Feldberggipfel erst durch den Bau des 12m hohen Friedrich-Luise-Turms anläßlich der Vermählung des Großherzogpaars. Ansonsten gab es nur die verschiedenen Viehhüten, die teilweise den einsamen Wanderer Trank und Vesper boten. Die Gemeinde Feldberg wurde erst 1939 von der Reichsregierung gegründet, ohne die beteiligten Gemeinden zu fragen.

Verschieden Bürger -genau 14 Einwohner aus Menzenschwand- gründeten 1860 eine Aktiengesellschaft mit dem Ziel ein Gast- und Kurhaus auf dem Feldberg zu bauen. Aber die Gemeinde Menzenschwand gab kein Gelände ab. Darauf wandten sich die Aktionäre an die Fürstlich Fürstenbergische Verwaltung, die ihnen an der Menzenschwander Gemarkungsgrenze, aber auf Gemarkung Bärental, zwei Morgen Grasweide mit etwas Wald überließ. So wurde 1863 mit dem Bau des Feldbergerhof für 13000 Gulden begonnen. Spätere etliche Erweiterungsbauten wurden auf Menzenschwander Gemarkung ausgeführt, so dass bei der Gründung der Gemeinde Feldberg 1939 die Gemarkungsgrenze zwischen Bärental und Menzenschwand durch den Hotelkomplex verlief.

In der lokalen Zeitung wurde zur Eröffnung 1824 über den neu errichteten Feldbergerhof berichtet: “Das Kurhaus steht vor Zuglüften geschützt, an einem Tannenforst angelehnt, der schattige Spaziergänge darbietet. Der Gasthof hat außer Speisesaal und Wirtshauszimmer, 18 Gastzimmer mit 21 Betten. Während sich die Luftkur von selber darbietet, kann auch Mineralwasser und Molkenkur gebracht werden. Die Bedienung ist eine prompte, die Preise mäßig und die Gefälligkeit des Wirtes unerschöpflich”.

Schon 1864 werden 800 Übernachtungen gezählt, darunter 58 Schweizer, 44 Franzosen und 40 Engländer. Aber im Kriegsjahr 1870 hat sich der Zahl der Übernachtungen schon halbiert. Zu verzeichnen waren laut Gästebuch natürlich die bekannten Maler in jener Zeit, aber auch die Professoren der Universitäten Freiburg und Heidelberg kamen auf den Feldberg. 1866 trafen sich bekannte Uhrenfabrikanten und Kaufleute jener Zeit aus Lenzkirch darunter Albert und Nikolaus Tritscheller sowie Franz-Josel Faller, um ein Zeichen zu setzen.

Aber all die positive Eintragungen im Gästebuch konnten nicht das große Problem überdecken – das Hotel rentierte sich für den Pächter kaum, da die langen Wintermonate das im Sommer Verdiente wieder auffraßen. Es wurde berichtet, dass Augustin Mayer in Fellkleidung, Schneereifen und Bergstock öfters in den einsamen Wintermonaten mit seinen beiden Bernhardiner Hunden unterwegs war, um nach Verirrten oder Vermissten zu suchen. So gab Maier Ende 1868 das Pachtverhältnis resigniert auf. Sein Nachfolger Reinhold Beckert hielt es 8 Jahre auf dem Feldbergerhof aus. Emil Hiss, der nächste Pächter schaffte es drei Jahre bis 1879. Hiss hatte aber einen jungen Gehilfen, Carl Mayer, eingestellt, der dann den Feldbergerhof pachtete und 1885 käuflich erwarb (siehe: Was verbirgt sich hinter Fanny Maier)

Eine Besserung auf dem Feldberg trat langsam erst 1891 ein, als mit dem französischen Diplomaten, Dr Pilet, der erste Schneeschuhläufer auf dem Feldberg auftauchte und eine Wintersaison langfristig einläutete.

Dienstag, 22. September 2026

Was verbirgt sich hinter der Begehrlichkeit, den Schliffkopf zu bauen?

Schliffkopf-Hotel

Der Schliffkopf ist ein 1055 hoher flacher Bergrücken an der B 500 zwischen der Zuflucht und dem Ruhestein. Er ist mit seiner hochmoorartigen Gipfelregion seit 1938 Naturschutzgebiet. Außerdem liegt er im FFH- und Vogelschutzgebiet. Aber er bietet auch einen herrlichen Ausblick über den Schwarzwald, Vorbergzone, Rheinebene und Vogesen sowie die Pfälzer Berge. An Tagen mit guter Sicht –oftmals im November- lieg Straßburg mit seinem Münster zum Greifen nahe. Die Schweizer und Österreichischen Alpen erscheinen am Horizont, der Bodensee ist als spiegelnde Wasserfläche zu sehen.

 

Es ist verständlich, dass solch ein Bergrücken zum Bebauen einlädt. Vom Württembergischen Schwarzwaldverein wurde 1891 mit Hilfe eines badischen Pionierbataillons der Pionierturm aus Holz (15 m) errichtet, um die Aussicht zu erhöhen. Doch 1909 musste der vorhandene Turm wegen Baufälligkeit gesperrt werden.

 

1911 wurde von Baiersbronner Schneeschuhläufer auf dem Schliffkopf die Schliffkopfhütte (Schindler Hütte) errichtet. Nach dem Ersten Weltkrieg kam der Wunsch auf, einen Gedenkstein für die gefallenen Mitglieder des Schwäbischen Schneeschuhvereins aufzustellen. 1920 konnte der 3 t schwere Sandsteinfindling eingeweiht werden.

 

Auf dem Gebiet Ruhestein nahe beim Schliffkopf wurde 1924 eine K 65 Sprungschanze gebaut. Nach Streitereien zwischen dem Schwäbischen Schneeschuhverein und der Forstdirektion wurde die Vogelskopfschanze wieder abgerissen.

 

Auch gestaltete es sich äußerst schwierig, dem Wunsch des Schwäbischen Schneeschuhvereins zu entsprechen, ein Gedächtnishaus für die gefallenen Kameraden zu bauen. Die Streitereien mit der Forstdirektion zogen sich bis 1931 hin. Erst eine Ministerbewilligung, die sich über alle Bedenken hinwegsetzte, ermöglichte 1932 den Bau des Schliffkopfgedächtnishauses. Pächter waren Berta und Christian Fahrner aus Baiersbronn.

 

Nur wenige Tage nach der Eintragung des Naturschutzgebietes wurde von der Reichsregierung entschieden, dass die Organisation Todt die schon 1932 abgesteckte fehlende Straßenverbindung vom Ruhestein zur Zuflucht aus Gründen der Landesverteidigung zu bauen habe. Die Straße sollte durch das Naturschutzgebiet über die Höhe des Schliffkopfes hinweg gebaut werden. Nur dem energischen Einspruch des Landesamtes für Denkmalpflege war es zu verdanken, dass die Straße nicht über den Gipfel sondern an den Rand der Freiflächen gedrückt und 1942 fertiggestellt wurde.

 

Einschneidender als die Straße waren aber die militärischen Anlagen, die im Zuge der Westwallbefestigung 1938 auf dem Schliffkopf erstellt worden waren. Die großkalibrigen Flakstellungen auf dem Gipfel sollten die feindlichen Bomber in noch größere Höhen zwingen, um mehr Treibstoff zu verbrauchen. 1950 sollte auf dem Schliffkopf trotz des energischen Einspruchs des Naturschutzes ein 46 m hoher Kurzwellensender der französischen Armee gebaut werden, der dann später auf der Hornisgrinde erstellt wurde.

1973 entschied der Schwäbische Schneeschuhverein, das Gedächtnishaus an die Pächterfamilie Fahner zu verkaufen. Bettenhaus und Restaurant wurden angebaut. Schon 1980 wurde das Hotel um Hallenbad- und Freizeitbereich erweitert. 1991 brannte das Hotel bis auf die Grundmauern nieder. Von 1993 – 1995 wurde das Hotel unter vielen Schwierigkeiten mit großen finanziellem Aufwand mit Hilfe der Sparkasse Freudenstadt als modernes Wellenesshotel der Familie Fahrner wieder aufgebaut und bis heute von der Familie Fahner mit viel Erfolg betrieben wird.

1990 und 1999 pfiffen die Orkane Wiebke und Lothar mit ihren zerstörenden Kraft über die Schwarzwaldhöhen und legte viele Gipfel frei. 2003 wurde am Schliffkopf der Lotharpfad eingerichtet, um das Ausmaß zu dokumentieren.

Lotharpfad



 

 


Freitag, 11. September 2026

Was verbirgt sich hinter dem Poppelsee im Nordschwarzwald?


Wer die Bundesstrasse B 294 von Freudenstadt Richtung Pforzheim fährt, kann schon nach wenigen Kilometern die K4772 ins Enztal hinabfahren. Das Tal der Großen Enz, ein Tal voll geschichtlicher Hinweise auf die frühere wichtige Flößerei. Schon nach zwei, drei Kilometern liegt linker Hand ein geheimnisvoller See, der Poppelsee. Dieser wird vom Poppelbach, einem der Quellflüsse der Großen Enz, gespeist. Ebenso wie der seitliche Kaltenbach, der den “kleinen Bruder” des Poppelsees, den Kaltenbachsee, speist.

Bedeutend war für dieses abgelegene Gebiet der Vertrag 1342 zwischen dem Markgrafen von Baden und dem Grafen von Württemberg, in dem die Flößerei auf Würm, Nagold, Enz und Neckar geregelt wurde. Spätestens 1613 wurde die oberste Enz oberhalb der heutigen Petersmühle floßbar gemacht. 1750 wurde der Poppelsee und 1782 der Kaltenbachsee als Schwellweiher angelegt.

Der Poppelsee, zu dem früher ursprünglich die damals rechtsliegenden “Seewiesen” gehörten, soll eine Fläche von 21.000 m² mit einem Wasservorrat von 500.000 m³ umfasst haben. Nachweislich ist in einer alten Beschreibung des Kirchspiels Göttelfingen nachzulesen, dass 1750 der Poppelsee neu eingedämmt wurde. Er soll gegen 500 Schritt lang, 200 Schritt breit und an der tiefsten Stelle 9 m betragen haben. Das waren sicherlich um die 2 Mio m³ Wasservorrat. Auf einem 80 Fuß dicken Damm stand ein kleines Seehaus mit einer Haspel, mit der der Ausfluss des Sees für 6 Tage zur Flößerei gesteuert werden konnte. Während vom Kaltenbachsee der Wasservorrat nur für einen halben Tag zum Flößen reichte.

Aus den riesigen Wäldern der Umgebung, ja sogar aus dem württembergischen oberen Murgtal wurden mit Pferdewagen das Scheitholz auf die “Besenfelder Schwenke” gezogen und gelagert. Im Winter wurde das Holz mit Hornschlitten zum Spielberg gezogen und dort über ein Holzriese zum Kaltenbachsee gebracht. Durch enge Schleusen wurde dann das im Winter und Sommer aufgestaute Wasser mit der Holzfracht im Frühjahr und Herbst abgelassen. Dieses Wasser trug das Scheiterholz flußabwärts. Teilweise wurde das Holz bis Bietigheim-Bisingen geflößt. Als die Flößerei dann Mitte des 18. Jahrhunderts auch auf das Stammholz ausgedehnt wurde, mussten die Stauvorrichtungen vergrößert und dauerhaft umgebaut werden. Damals wurde von den Sägemühlen das geschnittenen Dielenholz auf Ochsenkarren hierher gezogen, um es auf Flößen Enz abwärts als Oblast transportiert werden zu können.

Im November 1944 brach der Damm nach sehr starken und lang anhaltenden Regenfällen aus, wobei der Damm restlos zerstört wurde. Die mächtigen Wassermassen des Popelsees, in einem mächtigen Schub frei und losgelassen, überschwemmten das ganze Enztal und erschreckten die Bewohner. So schnell wie das Wasser kam, so schnell war es auch wieder weg, deswegen hielten sich die Schäden in Grenzen und nicht wie bei einem verheerenden Hochwasser. Seit jener Zeit war der Poppelsee nahezu 30 Jahre ein vergessener stinkender Tümpel. Erst im Jahre 1969 wurde die Idee aufgegriffen, den Poppelsee durch Aufstauung des Poppelbaches wieder herzustellen. Es dauerte aber bis Anfang der 70er Jahre bis das Projekt nach vielfachen Auflagen realisiert werden konnte.

Heute ist er ein Idyll, der mit dem Kaltenbachsee zusammen zum Rundwandern einlädt, die Stille dieser Landschaft zu genießen.

Dienstag, 8. September 2026

Was verbirgt sich hinter dem Naturschutzgebiet Kaltenbronn - damals?

Kaltenbronn Wildsee Moor 1920er Jahre

Das Naturschutzgebiet Kaltenbronn liegt im Nordschwarzwald zwischen dem Murg und Enztal bzw den Städten Gernsbach und Bad Wildbad. Es erstreckt sich nordöstlich und südwestlich der Landstraße L 76 b aus dem Enztal kommend. Das Gebiet umfasst 1750 ha und die zwei Kilometer voneinander entfernten Naturschutzgebiete um den Wildsee, den Holohsee und die umgebenden Moore sowie die verbindenden Bann- und Schonwälder beim Gernsbacher Ortsteil Kaltenbronn.

Die Kaltenbronner Waldungen sind wahrscheinlich ursprünglich königliches Eigentum gewesen und dürfte um 1000 n. Chr. den Grafen Eberstein als Lehen gegeben worden sein. Der Ebersteiner Besitz verminderte sich in der Folgezeit durch Schenkungen, Erbteilungen und schlechte Wirtschaften immer mehr, so dass sie immer mehr Anteile des Waldbesitzes an die Grafen von Württemberg und die Markgrafen verkaufen mussten. Im Staatsvertrag von 1807 wurde dann die endgültige Grenze zwischen Baden und Württemberg festgelegt.

Der Zustand der Waldungen war in früheren Jahrhunderten sehr schlecht und mit heutigen Verhältnissen nicht zu vergleichen. Die Belastung des Waldgebietes mit zahlreichen Weide- und anderen Berechtigungen und der Mangel an Aufsichtspersonal machten eine Pflege des Waldes und die Wahrung einer nachhaltigen Nutzung fast unmöglich. Die erlassene Wald- und Forstordnungen beschäftigten sich mehr mit der Jagd als mit dem Forst. Bis Mitte des 18. Jahrhunderts waren die Kaltenbronner Waldungen verwüstet und von großen Weidefeldern unterbrochen. Eine Besserung ergab es erst nach dem Verbot der Waldweide. Zahlreiche Köhler gewannen ihre Holzkohle, die damals für die Verhüttung der Erze unentbehrlich waren. Dazu kamen Pottaschesieder, Harzer, Pechsieder und Zundelschneider. Gleichzeitig fingen diese das Wildern an, stahlen das gute Holz und verkauften es. “Weiß ein Forstmann im Wald keinen Bescheid, der Zundelschneider kann ihn gewiß geben”, soweit der Volksmund.

Dazu kamen die Flößer, die schlagweise die Altbestände an Bäumen fällen ließen, um Floßholz zu gewinnen. Die Forstverwaltung ließ noch 1780 zusätzlich einen Seegraben anlegen, um das Wasser als Schwallwasser zum Flößen für das Scheitholz über die Eyach in die Enz zu benutzen. Durch das alljährliche Absenken des Wildsee entwickelte sich in der Umgebung ein Latschenurwald. Ein wilder See in einer scheußlichen Gegend wurde die Gegend um den Wildsee 1820 an der badisch württembergischen Grenze bezeichnet. Die Forstverwaltung wollte die kahlen Hochflächen mit Fichten anpflanzen und obendrein hat man das Torf abgestochen, um dies zum Heizen oder als Torfziegel zu verwenden. Da das Torf einen niederen Brennwert hat, wurde das Torfstechen bald wieder eingestellt. Ebenfalls hat das Trocknen der Torfstücke beim häufigen Regen unüberwindliche Probleme bereitet. Trotzdem tauchten immer wieder neue Pläne zur Torfgewinnung auf. Noch 1889 sollte eine Torfstreufabrik auf dem Holoh gebaut werden. 1902 wurde im Landtag ernsthaft die Idee einer Drahtseilbahn vom Murgtal auf den Holoh diskutiert, um das Torf kostengünstig ins Tal zu transportieren. 1919 wurde infolge der Kohleknappheit durch die Besetzung des Ruhrgebietes der Torfabbau auf der württembergischen Seite nochmals versucht. Baden hatte dies abgelehnt. Erst ab 1924 hat man das Moor sich selbst überlassen.

1856 wurde in Kaltenbronn ein 15 m hoher hölzerner Aussichtsturm gebaut, der 1897 diesen als 22 m hohen runden Steinturm, Kaiser-Wilhelm-Turm, ersetzte. Dieser wurde 1968 auf 27 m Höhe aufgestockt und bietet als Holoh-Turm heute einen herrlichen Ausblick auf das Naturschutzgebiet.

1927 wurde der badische Teil des Wildseemoors zum Naturschutzgebiet erklärt. Ein Jahr später folgte auch der württembergische Teil und 1940 wurde auch noch das Holohgebiet integriert. 1970 wurde das gesamte Wildseemoor zum Bannwald, 2000 zum Natur- und Waldschutzgebiet Kaltenbronn. Seit 2008 informiert im Ort Kaltenbronn das Infozentrum Kaltenbronn mit einem Naturmuseum über das 5760 ha große Natur- und Schutzgebiet Kaltenbronn.

Donnerstag, 27. August 2026

Was verbirgt sich hinter "WEHRLE Präzision als Prinzip" aus Furtwangen?

FX Wehrle1819-85

Das seit über 180 Jahre bestehende Unternehmen produziert heute Durchflussmessgeräte für Wasser, Wärme und Dienstleistungen. Verbunden ist die Herstellung von Gehäusen, Zählwerken und Getrieben aus Metall und Kunststoff. Das Unternehmen beschäftigt 260 Mitarbeiter und erreichte einen Umsatz 2024 von 38 Mio €. Für das Jahr 2025 rechnete das Unternehmen mit 43 Mio Umsatz laut Angaben aus „Wirtschaft im Südwesten“ der IHK Südlicher Oberrhein. Und doch wurde die Branche und Mitarbeiter aufgeschreckt, denn das Unternehmen wurde im Februar 2025 an die Schweizer Unternehmensgruppe „Sontex Group“  wegen Unternehmensnachfolge verkauft. Und dennoch ist es interessant auf den Werdegang des Unternehmens, das in 5. Generation Wehrle/Herth geführt wurde, zu schauen.

Das Unternehmen E. Wehrle ist aus der 1842 gegründeten Werkstatt für Spieluhren von Franz Xaver Wehrle (1819-1885), des „Wannen-Xaverle“ geboren in Langenbach, sesshaft in Schönenbach, hervorgegangen. Wehrle baute hauptsächlich Musikwerke, Drehorgeln und Spieluhren, die er nach Russland, Frankreich, Holland und England lieferte. Ebenso lieferte er für den Orchestrionsbauer „Imhof & Muckle“ komplette Spieluhren und Walzen. 1847 gehörte er zu den Mitbegründern des „Gewerbevereins für den uhrmachenden Schwarzwald“. Er beteiligte sich ebenfalls kapitalmäßig an der 1853 gegründeten Aktiengesellschaft für Taschenuhr-Fabrikation jeweils in Furtwangen.

E. Wehrle 1832-96

Direkt in der Nachbarschaft zu F. X. Wehrle hat ein Emilian Wehrle kunstvolle Kuckucks- und Trompetenuhren hergestellt. Nachdem Emilian Wehrle Norma, die Tochter von F.X. Wehrle, geheiratet hatte, wurden 1866 beide Werkstätten zusammengelegt. Sie wurden unter „Trompetenuhrenfabrikation E. Wehrle & Comp“ zusammengeführt, produziert wurde in den Räumlichkeiten von F. X. Wehrle. Die Erfahrung von F. X. Wehrle als Spieluhrmacher und Emilian Wehrle als genialer Uhrmacher ergänzten sich sehr erfolgreich. Die Trompeten- und Singvögeluhren von höchster Qualität, die sie produzierten, erhielten weltweit Auszeichnungen und Medaillen der großen Messen jener Zeit. Mittlerweile wurde als „E. Wehrle & Cie in Furtwangen – Trompeter-, Flöten- u. Mechanische Singvögel-Uhren-Fabrik“ produziert.

Nachdem 1880 die Konjunktur für Musikuhren zurückging, wurde die Firma A. Zimber, die elektrotechnische Artikel herstellte, übernommen. Die Fertigung von elektrischen Uhren hatte nicht richtig eingeschlagen. Aber mit Addiermaschinen und Schalter von Treppenhausbeleuchtungen konnte sich das Unternehmen über Wasser halten. 1885 starben F. X. Wehrle und 1896 Emilian Wehrle. Damit geht die Zeit der Uhrenherstellung endgültig zu Ende. Die Kinder von Emilian Wehrle wandern nach Amerika aus.

So übernimmt Julian, der Sohn von F.X. Wehrle, das Unternehmen. Er, der nicht nur Schreiner und Uhrmacher gelernt sondern auch die Musikschule besucht hatte, konnte mechanische Laufwerke herstellen. 1923 übergab Julian das kleine Unternehmen seinem Sohn Erwin, der ein neuer zukunftsweisendes Fabrikationsprogramm entwickelte. 1930 begann er mit der Herstellung von Bestandteilen für Wasserzähler. Damit ging die Entwicklung des Unternehmens wieder aufwärts. Mit der Bearbeitung von Reinnickel, ein Material, das beim Wasserzähler damals Vorschrift war, erreichte er große Erfolge. 1938 beschäftigte er schon 38 Mitarbeiter. Die Zeit des Zweiten Weltkriegs wurde mit Kriegsfertigung überwunden.  Unglücklicherweise wurde der Betrieb von den Franzosen nach dem Kriege vollkommen demontiert.

Aber schon 1940 hatte sich Erwin Wehrle mit seiner Erfindung einer eigenen Spritzgussmaschine beschäftigt. Damit war mit dem Kunststoff eine neue Ära der Wasserzähler eröffnet. 1959 wird Eduard Herth, der die Tochter Friedhilde geheiratet hatte, Leiter der kaufmännische Abteilung. Erwin Wehrle stirbt 1971, seine Frau Renate übernimmt mit einem Herrn Vossler die Geschäftsführung. Da sie kinderlos  2001 stirbt, geht mit ihrem Tod der Besitz auf die Familie Herth über. Mit Georg Herth tritt 2002 die 5. Generation im Unternehmen an.

 

Freitag, 21. August 2026

Was verbirgt sich hinter den Wuhren im Südschwarzwald?

Heidenwuhr mit Abzweigung

Der südliche Schwarzwald ist eine typische Gletscherlandschaft mit tiefen Trogtälern und trockenen Hochebenen, aus denen das Wasser rasch abstürzt. Die Wuhren waren künstlich angelegte Wasserläufe mit geringem Gefälle, die das verhinderten. Aus den Hochebenen von 700 bis 800 m Höhe mit wasserreichen Gletschermulden wurden entwässert und trockene, tiefer liegende Gebiete mit wenig Wasservorkommen versorgt und für landwirtschaftliche Erzeugung nutzbar gemacht. Mühlen aller Art, Sägen, Hammerwerke, Dorfbrunnen oder später Gewerbe- und Industriebetriebe und deren Turbinen mussten mit Wasser versorgt werden. Es gibt 3 größere Wuhrensysteme

 

Heidenwuhr: 10 km lang. Beginnt in einer Wiese bei Atdorf als „Schneckenbach“. Der größte Teil des Baches wird unterhalb von Atdorf bei der „Hasnrütti“ gefasst und fließt in vielen Windungen zwischen Bergalingen und Willaringen durch, Jungholz und am Kühmoos vorbei. Schließlich auf den letzte 70 m durch einen Stollen in den Bergsee, und aus diesem wieder im Stollen heraus. Mehrere Kanäle dienten zur Versorgung einzelner Betriebe und das zog sich bis nach Bad Säckingen und als „Gießen“ zum Rhein hinunter. Der Bergsee diente seit 1805 als Ausgleichsbecken zur Gewährleistung einer konstanten Wasserversorgung.

 

Hännerwuhr: 11,5 km lang. Entnimmt nördlich von Hottingen aus der Murg Wasser (Parkplatz), führt es beim Dreispitz über die Wasserscheide, verläuft im Wald bis bis zur Wasserteile oberhalb Hänner und vereinigt sich in Oberhof mit dem Sägebach Bei Oberhof lief es sogar über Dämme, Brücken und über die Straße und führt bei Laufenburg in den Rhein. Die älteste Urkunde des Hännerwuhrs stammt von 1207 zwischen der Fürstäbtissin von Säckingen und dem Grafen von Habsburg. Den Unterhalt des Wuhrs wird heute von einer Genossenschaft geleistet.

 

Hochsaler Wuhr: 21,4 km lang. Sie beginnt im Quellgebiet der Murg südlich von Herrischried, Hogschier, bei Oberwihl wird sogar die Wasserscheide überwunden. Das Hochsaler Wuhr hat das Seltenwuhr als seitliches Wuhr zur Verstärkung der Wassermenge hinzu, und von ihr zweigt 1,3 km nördlich von Rotzel das Rotzelwuhr (1,8 km lang) mittels Wasserteiler ab. Das Rotzelwuhr vereinigt sich mit dem Andelsbach und fließt bei Laufenburg in den Rhein. Das Hochsaler Wuhr verzweigt sich dann nochmals in zwei Arme. Der eine fließt bei Luttingen, der andere bei Laufenburg in den Hochrhein. Die älteste Urkunde weist von 1335 des Klosters Säckingen auf eine „wasserfurte“ hin. Der Unterhalt der Wuhre leistet heute der Wasser- und Bodenverband „Hochsaler Wuhre“

 

Zu den drei genannten größeren Wuhrensystemen kommen neben anderen kleinen Wuhren noch das Rüsswihler Wuhr 2,7 km lang bei Rüsswhil südlich von Görwihl, hinzu

 

Eine technische Meisterleistung war sicher das Berauer Wuhr (ursprünglich 10 km lang), das als ehemalige Wuhr inzwischen wieder freigelegt wurde. Es führte Wasser der Mettnau nach Berau, um das Kloster Berau mit Wasser und zusätzlich zwei Mühlen zu versorgen. So wurde auf der Höhe mit Wasser aus der Mettma die Klostermühle angetrieben. Vieles spricht dafür, dass das Wuhr nicht 1117  mit dem Kloster errichtet wurde sondern aus der Bronzezeit stammt.

 

Das Wassersystem der Wuhren ist schon sehr alt. 1207 bestätigt eine Urkunde einen Vergleich  zwischen dem Kloster Säckingen und dem Grafen Habsburg-Laufenburg über den Wasserverbrauch aus dem Heidenwuhr. Die älteste Urkunde vom Hännerwuhr stammt ebenfalls von 1207, vom Hochsaler Wuhr von 1453.

 

Für die Verteilung des Wassers bestanden genaue Absprachen, die auf Holztafeln geschrieben waren und später als Wässerungsbriefe wichtige Dokumente der Eigentümer waren. Nach den Ortsvögten war der Wuhrenknecht der wichtigste Mann im Dorf und der Umgebung. Er wurde vom Wuhrenausschuß und dem Wuhrenmeister gewählt, eingesetzt und überwacht, denn die Einhaltung der seit Jahrhunderten geltenden Wuhrenordnung war die lebensnotwendige Voraussetzung für das Funktionieren der Wirtschaft im Hotzenwld.

Hännerwuhr mit entnahmestelle aus der Murg


 

 

Freitag, 14. August 2026

Was verbirgt sich hinter dem Hirschsprung im Höllental?

Hirschsprung im Höllental 1887

Im Dreisamtal führt die B 31 von Freiburg nach Hinterzarten hoch. Nach dem lieblich einladenden Himmelreich werden die Felsen immer höher und engen die Straße und Bach immer mehr ein. An der engsten Stelle, an der nur noch Straße und Bach Platz haben und Felsen beidseitig senkrecht herabbrechen, steht auf dem rechten Felsen ein bronzener Hirsch. Dem staunenden Besucher wird erzählt, dass der Hirsch da oben stände, weil er in seiner Not der Verfolgung durch Jäger und Hund den Sprung über das Tal gewagt hatte, um seinen Häschern zu entkommen. Ungläubiges Staunen bei den einen, ein prüfender Blick nach oben, um das Erzählte wegen der Entfernung nicht zu glauben.

In Wirklichkeit wurde der erste Hirsch aus Holz im September 1856 anläßlich der Hochzeit von Großherzog Friedrich II von Baden mit Luise von Preußen durch die Gemeinde Falkenstein aufgestellt. Das jungvermählte Paar besuchte die Insel Mainau und der Weg dahin führte über Freiburg, Höllental und Donaueschingen.

Der hölzerne Hirsch hielt bis 1874 den Stürmen und Regen stand und wurde anläßlich der Versammlung der deutschen Forstämter in Freiburg erneuert, denn diese unternahmen einen Ausflug ins Höllental. Vier Jahre hielt der Hirsch dem widrigen Wetter stand, bis ein kräftiger Sturm den morschen Hirsch vom Felsen fegte. Acht Jahre blieb der Felsen ohne Schmuck.

Zur Einweihung der Höllentalbahn 1887 durch den Großherzog Friedrich II musste natürlich ein neuer Hirsch wieder auf den Felsen. Neumann beschreibt die Stelle in seinem Buch “Der Schwarzwald”: Die Felsen treten von beiden Seiten sich so nahe, dass die Straße nur durch Sprengung neben dem Bach Raum gewinnen konnte, während die Bahnlinie der Bergwand in drei Tunnels durchbricht. Die Enge, der Hirschsprung, ist die großartigste Stelle des Tales und darf sich mit den wildesten Talschluchten aller Mittelgebirge an die Seite stellen.

Dieses Mal hielt der dritte hölzerne Hirsch bis 1904 bevor er durch Wind und Wetter zu Grunde ging. Der Initiative von Hermann Fauler, Mitbesitzer der Eisenwerke Freiburg und Falkensteig ist es zu verdanken, dass unter Mithilfe der Behörden und zahlreicher Unterstützer ein Hirsch in Kupfertreibarbeit 2 m hoch und 200 kg schwer 1907 auf den Felsen kam.

Dort hielt er erstaunliche Weise 103 Jahre die Wacht über den Hirschsprung, bis er 2010 im Zuge von Felssanierungsarbeiten vom Sockel geholt wurde, um aufgefrischt zu werden. Erstaunlicher Weise mussten die Schlosser feststellen, dass der Hirsch 35 Einschusslöcher aufwies. Diese stammten wohl von den vorbeiziehenden französischen Truppen, die 1945 ihre Siegesfreude am Hirschen auf dem Felsen ausließen.

Und nun wird den Besuchern auch weiterhin die Geschichte vom verfolgten Hirsch erzählt werden, der sich durch einen Sprung über das Höllental gerettet haben soll.



 

Freitag, 7. August 2026

Was verbirgt sich hinter den Giersteinen im Murgtal


Bermersbach ein Ortsteil von Forbach liegt auf einer Terrasse 160 m über dem Murgtal. Auf einem langgezogenen Bergrücken vom Dorf Richtung Murgtal liegen drei 7x4x4 m mächtige Forbachgranitfelsen. Sie sind rund geschliffen und voller Rillen, die aussehen, als seien sie vom Wasser hineingegraben worden, obwohl die Murg mehr als hundert Meter tiefer verläuft. Die rätselhafte Steine sind seit 1940 als geschütztes Naturdenkmal eingetragen.

 

Die bizarren Felsen haben natürlich die Phantasie der Bevölkerung und Besucher angeregt. Heidnisch sollen die Steine sein und als Opfersteine gedient haben, in deren Rillen das Blut der Tiere (oder Menschen) hinabgeflossen ist. Auch das Dritte Reich hat diese Felsen als Opfersteine oder germanische Kultstätte vereinnahmt. Die Sagenwelt glaubte den Teufel bemühen zu müssen, der die Ausbreitung des Christentums im Murgtal hier verhindern wollte und in seiner Wut über seine nutzlosen Bemühungen die Krallen in den Fels geschlagen habe.

 

Die Giersteine sind einem ehemaligen Einwohner von Bermersbach, Klaus Schmich, nicht aus dem Sinn gegangen. Er hatte von seiner früheren Wohnung aus beobachtet, dass zum Zeitpunkt der Wintersonnwende, am 21. Dezember, die Giersteine eine Kimme bilden, die ziemlich genau auf den Doppelgipfel des Kipf oberhalb von Gausbach zielt., wo am Tag der Wintersonnwende die Sonne aufgeht. Hinzu kommt, dass in den 1950er Jahren in unmittelbarer Nähe der Giersteine Feuersteinmesser aus der Steinzeit gefunden wurden. Deswegen besteht die Vermutung, dass die Giersteine eine heidnische Versammlungsstätte war.

 

Der Glazial-Geologe, Prof. Dr Dieter Ortlam, hat in ganz Europa viele Auswaschungen ähnlicher Art freigelgt. Er ist der Überzeugung, dass die Steine ein Produkt der Eiszeit seien. Von Skandinavien her schoben sich die mehrere hundert Meter dicke Eispanzer über Mitteleuropa und damit auch über den Schwarzwald. Er brachte nicht nur Findlinge mit sondern formte auch die Landschaft. Über den Bergspitzen brach der Inland-Eispanzer zu „Igelspalten“ auf und Gletscherwasser schoss in der Sommerzeit tagsüber kubikmeterweise durch die Risse. Wo es auf den nackten Fels prallte entstanden Auskolkungen, vorausgesetzt, das Wasser führte Sand und Kies mit sich und konnte ständig abfließen. So schliff und sprudelte es immer tiefere Löcher und Abflussrinnen aus dem Fels, die als Gletschermühlen bezeichnet werden.

 

Die schwer zugängliche Gegend um Forbach wurde jedoch erst im 14. Jahrhundert besiedelt. Erst 1725 tauchte die Bezeichnung „Gierstein“ in einem Schriftstück auf allerdings mit dem Zusatz „Irrstein“ in Klammern. 1753 erfolgte dann die Gewannbezeichnung „Gierstein“ in einem Art Grundsteuerverzeichnis.

 

Der Besucher kann das interessante Naturgebilde mit dem herrlichen Rundblick auf das Murgtal verbinden. In Bermersbach befindet sich in der Festhalle des Ortes unter Führung des Heimatvereins das Murgtalmuseum, das sich mit den Lebensumständen früherer Generationen in der Region beschäftigt.



Freitag, 31. Juli 2026

Was verbirgt sich hinter dem vergessenen Zwieselberg?


Wer von Bad Rippoldsau Klösterle vom Wolftal die kurvenreiche L 404 nach Freudenstadt fährt, kommt nicht nur von Baden nach Württemberg sondern oben auf der Höhe ca 8 km vor Freudenstadt im großen Waldgebiet auf eine kleine Rodungsinsel: “Zwieselberg” steht auf dem Ortsschild. Wenige Wohnhäuser, kleine bis mittlere Pensionen, allerdings auch ein Hotel und eine kleine Fachklinik, ein kleines Kirchlein machen einen gepflegten, parkartigen Eindruck. Der idyllische Ort setzt sich aus Ober- und dem wesentlich kleineren Unterzwieselberg (4 Häuser) mit insgesamt 70 Einwohnern zusammen.

Was veranlasst Menschen in dieser Waldabgeschiedenheit sesshaft zu werden? Während im ältesten Kartenwerk des Herzogtums Württemberg, dem” Gadner Atlas von 1592” am oberen Ende der Rippoldsauer Steige, auf württembergischen Gebiet “Priorwald” eingetragen ist, wird der heutige Zwieselberg in den “Schmittschen Karten von 1797” als “Pfaffenwald” bezeichnet. Und genauso war es, in einem 1486 geschlossenen Tauschvertrag zwischen den Geroldsecker und Schenkenzell sowie dem Rippoldsauer Prior kam der Wald in den Besitz des Rippoldsauer Nikolai-Klosters. So kam württembergisches Land in fürstlich fürstenbergischen Besitz.

Seit jeher fristeten in den unwegsamen, riesigen Waldungen Glasmacher, Pottaschesieder, Harzer und Köhler ihr Dasein. Der steigende Holzbedarf führte auch im oberen Quellgebiet der Kinzig zur Flößerei. War ein Waldteil kahlgeschlagen, mussten die Holzfäller weiterziehen, denn eine Ansiedlung war nicht gestattet. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts besiedelten einige Österreicher dieses Gebiet in unmittelbarer Nähe der Landesgrenze. Ob sie vom Kloster angeworben wurden oder sich zufällig niederließen, ist nicht überliefert. Ganz im Gegensatz zu den Holzfällern beteiligten sich die Zwieselberger Kolonisten an den Waldarbeiten, betrieben aber nebenher etwas Landwirtschaft für den Eigenbedarf. Durch den ständig steigenden Holzkohlebedarf der Christophtaler Hüttenwerke konzentrierte sich die Siedler in und um den Pfaffenwald auf die Produktion von Holzkohle. In einer Karte von 1674 wurde bereits der Pfaffenwald als “Rippoldsauer Kohlwald” bezeichnet.

Durch die zwischen dem Rippoldsauer Priorat und den Siedlern geregelten Verhältnisse blieben die Waldarbeiter in der Einsamkeit des Zwieselbergs von jeder weltlichen Obrigkeit unbehelligt. Sie waren über Jahrzehnte weder politisch noch verwaltungsmäßig einer bestimmten Gemeinde zugeordnet. Dies änderte sich, als der Oberamtmann und Klosterverwalter Friedrich Diez aus Alpirsbach 1734 von der Siedlung erfuhr. Er war der Ansicht, das Kloster Rippoldsau habe zwar Holzrechte im Pfaffenwald, nicht aber Hoheitsrechte. Sie seien württembergischen Untertanen und damit Alpirsbach zinspflichtig. Er verlangte 1734/35 eine Erbhuldigung aller männlichen Einwohnern. Der Prior dagegen drohte den Bewohnern im Falle der Erbhuldigung Aufkündigung der Wohnplätze und Vertreibung. Es kam wie es kommen musste: Die Männer von Unterzwieselberg nahmen die Huldigung vor, die Männer von Oberzwieselberg blieben dieser fern. Das Forstamt Freudenstadt war für die Auflösung, da die Siedlung die Jagd behindere und den Wilderer nur Unterschlupf gewähren würde. Die herzogliche Regierung schlug die Auflösung der Siedlung vor, denn damit wäre der ganze Streit gelöst. Der Alpirsbacher Oberamt plädierte für den Verbleib, da die Bewohner seit über 40 Jahren ein Wohnrecht erworben hätten. Die Zwieselbewohner hatten schnell erkannt, am besten wäre es das Problem einfach auszusitzen.

Die württembergischen Einwohner von Zwieselberg waren Katholiken obwohl die Württemberger evangelisch waren. Deswegen mussten die Kinder nach Bad Rippoldsau zum Schul- und Pfarrunterricht hinab steigen. Erst 1859 gab es die Möglichkeit einer katholischen Kirche und Unterricht in Freudenstadt. Zugezogene evangelischen Kinder mussten aber noch 2 1/2 Stunden bis 1873 hinab nach Reinerzau laufen, da der Zwieselberg Reinerzau verwaltungsmäßig zugeschlagen worden waren. Erst Jahre später war für sie ein Schulbesuch in Freudenstadt möglich. 1937 erhielt Zwieselberg eine katholische Kirche 1926 wurden die Zwieselberger nach langem Drängen nach Freudenstadt eingemeindet: Als “Freudenstadt Parzelle Zwieselberg”.

Freitag, 24. Juli 2026

Was verbirgt sich hinter dem Höllental bei Freiburg?

General Moreau 1796

Das Höllental ist ein tief eingeschnittenes, teilweise schluchtartigen Tal östlich von Freiburg und führt von dem einladenden Himmelreich (Ortsteil von Buchenbach) hinauf auf den Schwarzwald nach Hinterzarten. Am Ende von Himmelreich engt sich das Tal ein. Nach dem Felsen mit der Ruine Falkenstein und dem Bahnhof Hirschsprung verengen sich die bis zu 130 m hohen Felsen beidseitig zum Hirschsprung. Ein Stelle, an der nur Straße und Rotbach Platz haben, während die Bahnstrecke in Felsentunnels die Engstelle passiert. Auf dem rechten Felsen steht ein Hirsch, der angeblich über die Engstelle sprang, um dem verfolgenden Jäger zu entkommen. (Siehe: Was verbirgt sich hinter dem Hirschsprung im Höllental?)

Das Höllental hieß früher Falkensteiner Steige -nach den Herrschern der Region, die Falkensteiner, die ihren Wegezoll erräubert hatten. Seit dem 12. Jahrhundert war sie nur ein mühsamer, miserabler Maultierpfad.  Außerdem hatten die wilden Hochwässer des Rotbachs alle Anstrengungen zunichte gemacht. Deswegen wurde zur Kelten- und Römerzeit die Wagensteig .benutzt.

Die 9 m enge Schlucht, die sich Rotbach und Maultierpfad teilen musste, wurde 1638 von 2.000 französischen Soldaten als Karrenweg verbreitert. 1755 haben frohnende Bauern den Höllentalweg weidlich befahrbar gemacht. Für die Hochzeitsreise von Marie-Antoinette auf ihrem Weg von Wien, Donaueschingen nach Paris zu ihrer Hochzeit mit dem späteren französischen König Ludwig XVI wurde am Karrenweg 1770 erhebliche Felsensprengungen vorgenommen und zu einem holperigen Chausseeweg ausgebaut.

Höllental als Name gab dieser Schlucht ein französisches Revolutionsheer, das 1796 nach verlorener Schlacht das Tal der Hölle glaubte hinter sich zu haben. 40.000 französische Soldaten mussten mit ihren Pferden, Geschützen und Wagen den riskanten Rückzug durch die enge Falkensteiner Staig antreten. Damals erzählten die Soldaten, die glücklich Freiburg erreicht hatten, sie seien dem “Val d’enfèr, dem Tal der Hölle” entkommen.

1885 wurde die Höllentalbahn mit Tunnels durch die Engstelle des Hirschsprung gedrückt. 1887 fand die Eröffnung der Höllentalbahn unter Anwesenheit des Großherzogs Friedrich I statt. Der Förderer und Reichstagsabgeordnete Franz Josef Faller sollte die Begrüßungsrede halten, starb aber wenige Minuten vor seinem Auftritt an einem Schlaganfall. Die heutige Strecke wurde 1851-1901 ausgebaut. Die Kuriosum in der Geschichte der Höllentalbahn war: 1923 konnte die Rheintalbahn von Amsterdam nach Basel nicht befahren werden konnte. Die französische Armee hatte nach dem Ersten Weltkrieg Offenburg und Appenweier besetzt. So musste der Umweg ab Karlsruhe über Pforzheim, Horb, Villingen und Donaueschingen durch das Höllental nach Freiburg geleitet werden. So gab es in jener Zeit einen Schlafwagen Frankfurt – Hinterzarten. Nach der Engstelle weitet sich das Tal nochmals bei Höllsteig. Das Hofgut Sternen, in dem Maria Antoinette damals Kaffee trank, liegt am Eingang der romantischen Ravennaschlucht mit ihrem berühmten Viadukt über der Schlucht. Kurz zuvor die bekannte 1148 erbaute Kapelle St Oswald. In mehreren steilen und sehr engen Kehren windet sich die Straße die 400 Höhenmeter auch nach Hinterzarten. Wegen des starken Verkehrs vor allem dem Schwerlastverkehr ist der Falkensteigtunnel im Bundesverkehrswegeplan 2030 mit wenig Erfolg aufgenommen worden.

Höllental 1902 mit Ravennabrücke


 

Freitag, 17. Juli 2026

Was verbirgt sich hinter der Dynastie der Goeringer von Bad Rippoldsau?

Otto Goeringer 1853-1920

Bad Rippoldsau unter dem Kniebis am Ende des Wolftales war nicht nur bekannt wegen seines Klosters, das 1148 urkundlich erwähnt wurde sondern wegen seinen Mineralquellen, die das Bad bekannt gemacht hatten.

 

Die Fürsten von Fürstenberg hatten keine Kosten und Mühen gescheut, um das Bad in Rippoldsau wieder zu neuer Blüte zu führen. Jedoch erwies es sich als schwierig, den richtigen und vor allem tüchtigen Pächter zu finden. Vor dieser Frage stand der Fürst wieder mal 1777.

 

Der Fürst von Fürstenberg glaubte in Franz Xaver Goeringer (1749 – 1818) aus Bühl einen tüchtigen Pächter gefunden zu haben. Ausgestattet mit einem 20jährigen Pachtvertrag ging er schwungvoll an die Arbeit. Er ließ die Quellen neu fassen, um die vorhandenen 150 Gästezimmer im Bad zu füllen. Um dies schneller zu erreichen, ließ er ein „Spiel-Casino“ einrichten und Tanzveranstaltungen veranstalten.

 

Sein Sohn Xaver Philipp  Jakob (1784 – 1821) übernahm das Erbe nach dem Tod des Vaters. Nach dem frühen Tod von Xaver Philipp Jakob übernahm sein Bruder Balthasar (1795 – 1865) das Bad, ebenso heiratete er die Frau seines Bruders mit ihren beiden Kindern. Sein Verdienst war der Erwerb des Bades in den Familienbesitz für 30.000 Gulden vom Fürsten von Fürstenberg. Er ließ die Geschichte von Rippoldsau aber auch ein französisches Werbeprospekt drucken, um das Bad bekannter zu machen. 45 Pferde brachten die Gäste von der Bahn in die frisch renovierten Räumlichkeiten oder mit der Kutsche nach Freiburg und Baden-Baden. Inzwischen gehörte der Großherzog von Baden, der Fürsten von Fürstenberg mit ihrem Gefolge neben den Bauernfürsten wie der Vogtsbur aus Kaltbrunn zu den regelmäßigen Gästen. Denn mittlerweile gehörte Rippoldsau nach Baden-Baden zu dem wichtigsten Kurort im Großherzogtum.

 

Da die Ehe von Balthasar Goeringer kinderlos blieb, übernahm Fritz (1817 – 1872) der Sohn von Xaver Phlipp Jakob das Erbe, der den Badeort weltbekannt machte. Blut- und Geldadel, Offiziere, Privatiers, Staatsmänner, Dichter und Gelehrte, Schwärmer und Philosophen gaben sich die Klinge in die Hand. Amerikaner und Russen kamen im Vierspänner von Baden-Baden auf Besuch. Um dem allem gerecht zu werden, baute Fritz Goeringer den Prachtbau „Fürstenbau“, bei dessen Erstellung die Badquelle gefunden und erschlossen wurde.

 

1872 übernahm Otto Goeringer (1853 – 1920) das Weltbad von seinem Vater und führte trotz des Krieges mit den Franzosen 70/71 dieses unverändert weiter. 1875 war die Königin von Schweden Mittelpunkt der Badgesellschaft. In den 80er Jahren waren die skandinavischen und niederländischen Monarchien ständig vertreten. Otto bot seinen Gästen neben den Kurmöglichkeiten: Billiardsaal, Tennisplätze, Croquetspielplatz, täglich dreimal Konzert im Freien usw, aber auch ließ er die Viktoria-Promenade“ an der Wolf anlegen. Ständig ließ er auch die Bauten erneuern, und 1908 baute er die „Villa Sommerberg“. 120 Bedienstete beschäftigte er während der Badesaison. Aber in der Zeit ab 1908 brachte dem Bad einen harten Existenzkampf, denn die enormen Kosten konnten nicht mehr erwirtschaftet werden. Otto Goeringer musste alles in eine Aktiengesellschaft umwandeln und zwei jüdische Bankiers beteiligen. Trotz allen Schwierigkeiten konnte Rippoldsau 25.024 Übernachtungen verzeichnen. 1920 verstarb der unvergessene Otto Goeringer.

 

1920 verkaufte die noch junge Witwe Julie Goeringer völlig überfordert ihre Anteile. In den 20er Jahren fraß die Inflation die Arbeit und Besitz von mehreren Generationen völlig auf.

 

Der Sohn Otto jun. wanderte daraufhin 1923 enttäuscht, verbittert und mittellos in die USA aus und kehrte nicht mehr zurück.

 

Donnerstag, 9. Juli 2026

Was verbirgt sich hinter der Nagoldsperre?

Vorsperre Freizeit

Die Nagold, einer der bedeutenden Schwarzwaldflüsse, entspringt in Urnagold, einem Ortsteil von Besenfeld in der Nachbarschaft nördlich von Freudenstadt. Heute haben sich die verschiedenen kleinen Gemeinden zur Gemeinde Seewald zusammengeschlossen. Sein Ende findet die Nagold nach 90 km in Pforzheim, da sie dort in die Enz mündet. Sie führen weiter zum Neckar und waren dadurch eine wichtige Floßverbindung über den Rhein nach Holland.

Das riesige Einzugsgebiet der Nagold entwässert den nordöstlichen Teil des Schwarzwaldes und bildete immer wieder vor allem im Winter den Grund für verheerende Hochwasser wie 1851 oder 1947/48 als jeweils das gesamte Nagoldtal überschwemmt war. Schon um die Jahrhundertwende kam der Plan auf, durch ein Rückhaltebecken oberhalb Altensteig die Nagold zu zähmen. Der ursprüngliche Plan, eine Talsperre oberhalb Altensteigs mit 50 Mio m³, der alle Probleme lösen sollte, hätte sich nur unter größten Schwierigkeiten verwirklichen lassen können. Deswegen entschlossen sich die Behörden für 4 kleinere Einzelspeicher bei Nagold, Zinsbach, Waldlach und Steinach. Der größte Speicher sollte aber mit 5,5 Mio m³ Wasser die Nagoldsperre werden. Insgesamt bringen die Speicher insgesamt 15 Mio m³ Wasser in ihren Becken zusammen.

Die Nagoldsperre dient dem Hochwasserschutz, lässt in Dürrezeiten mehr Wasser ins Tal fließen, dient gleichzeitig als Stromlieferant und erbringt 100 KW/h Dauerleistung an 300 Tagen im Jahr. In den letzten Jahren hat sich die Nagoldsperre zu einem weit über die Region bekannten Erholungspark entwickelt mit Schwimmen, Tauchen, Segel-, Surf- und Rudermöglichkeiten.

Von 1965 bis 1970 wurde das Projekt Nagoldsperre, das ein Einzugsgebiet von 39 km² beträgt, verwirklicht. Problem in der Planungsvorphase war, ob der Buntsandstein in diesem Gebiet sich überhaupt für ein Staubecken eignet. Der bewaldete Buntsandstein ist stark zerklüftet und deshalb ein ergiebiger Grundwasserspeicher. Aber für eine Stauhaltung ist er aber nicht dicht genug. 15.000 t Zement wurden im Gebirge eingepresst, um zu verhindern, dass zu viel Wasser unkontrolliert versickern kann oder der Erddamm möglichweise umströmt oder unterströmt werden kann.

Die Nagoldsperre besteht aus Becken: der Vor- und der Hauptsperre. Die Vorsperre mit 422.000 m³, hat ein Länge von 800 m und besitzt eine Fläche von 87.000 m². Der Damm der Vorsperre ist 11,50 m hoch, oben 4 m, am Fuß 55 m breit und 147 m lang. Die nachfolgende Hauptsperre mit 4.500.000 m³, hat ein Länge von 2.050 m und besitzt eine Fläche von 376.000 m². Der Damm der Hauptsperre ist 32,10 m hoch, oben 9,20 m, am Fuß 145 m breit und 145 m lang.

Das Gebiet um die Talsperre ist als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen und umfasst eine Fläche von 650 ha. Segeln und Surfen ist nur auf der Hauptsperre vom 1.4. bis 30.9. erlaubt, Baden dagegen nur in der Vorsperre. Die Vor- und Hauptsperre dürfen mit kleinen Fahrzeugen ohne Motor befahren werden. Ebenso darf in beiden Becken getaucht werden.



Freitag, 3. Juli 2026

Was verbirgt sich hinter dem schwäbischen Provinzbad Bad Teinach?

Bad Teinach 1852

Jedes gute Restaurant in Europa stellt das Teinacher Mieneralwasser dem Genießer auf den Tisch, aber kaum einer kennt das schwäbische Provinzbad Bad Teinachi ím Teinachtal
  Landkreis Calw, das Städtchen mit mal gerade 500 Einwohnern.

Dabei fing alles angeblich mit einem Hirsch an, der einen Jäger zur Quelle führte und so wurde der “Sauerbronne zu Dainach” 1472 erwähnt. Das kleine Teinach tat sich damals schwer, da Herrenalb, Liebenzell und Wildbad in nächster Umgebung ebenfalls Mineralwasser zu bieten hatten. Im Jahr 1710 ließ Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg ein Palais als Sommerresidenz errichten. Durch König Wilhelm I von Württemberg wurden in Teinach Badhaus, Trinkhalle, Badhotel erbaut und neue Quellen gebohrt. Deswegen führte Teinach schon sehr früh nämlich 1864 den Titel “Bad”, wenn auch die Führung des Prädikats “Heilbad” erst 1928 vom Innenministerium in Stuttgart verliehen wurde. 1864 war auch der Moment, in dem das gesamte Bad in private Hand verkauft wurde.

Carl Heinrich August Hofmann, der neue Besitzer des Bades, ließ kräftig ausbauen und erneuern, um 1865 die Wasserheilanstalt und das Mineralbad neu eröffnen zu können. Gleichzeitig wurde Dr Wilhelm Wurm die ärtzliche Direktion der Wasserheilanstalt und des Mineralbades übertragen

Wilhelm Albert Wurm (1831-1913)   in Nürnberg geboren, hatte in München Medizin studiert, sich intensive mit Hydrotheraphie beschäftigt, in verschiednen bayerischen Bädern und Wasserheilanstalten viel über Wasserheilverfahren erlernt.

In Bad Teinach entwickelte er sich mit wissenschaftlichem Ehrgeiz nicht nur zu einem hervorragenden Balneologen, wobei er durch sein speziellen Wasserkuren bemerkenswerte Heilerfolge erzielt hat. Die Wasserkuren waren häufig mit Diät, Gymnastik, Massage sowie etwa nötigen pharmazeutischen Präparaten verbunden. Dem Wandern schrieb er einen bedeutenden Wert zur Gesundheitsförderung zu. Gerade der überreizte Stadtmensch findet hierbei die Harmonie für Körper und Seele. Hier empfahl er das herrliche Gebirgsklima um Teinach und die balsamische Ausdünstung der Nadelholzwaldungen. Sein Engagement auf diesem Gebiet führte dazu, dass er eines der Gründungsmitglieder des Württembergischen Schwarzwaldvereins wurde.

Kranken, denen eine direkte Kur an der Quelle unmöglich war, wurden “Teinacher-Hirschquelle-Pastillen” als Hausmittel bei katarrjlischen Zuständen, Husten angeboten und zugesandt.

Auch literarisch wurde Bad Teinach auch versorgt. Dr Wurm schrieb 1866 sein erstes Buch über das “Königliche Bad Teinachi m württembergischen Schwarzwald”. Diese Abhandlung war ein solcher Erfolg, das im Laufe von 38 Jahren noch weitere sieben erweiterte Ausgaben folgten.

Die erfolgreiche Arbeit zwischen Dr Wurm und dem Besitzer Carl Hoffmann ging leider durch Krankheit von Carl Hoffmann zu Ende. Eine Zeit lang konnte Dr Wurm bei den verschiedenen Besitzern des Bades Modernisierungen und erfoderliche Unterhaltungsprogramme durchsetzten. Aber es war unverkennbar mit der Zeit, dass der Hauptaugenmerk von Bad Teinach auf der Vermarktung des Mineralwassers lag, als auf dem Kurbetrieb.

Heute hat die Krokusblüte in freier Wildbahn im Ortsteil Zavelstein mehr Aufmerksamkeit als der Badebetrieb in Bad Teinach.

Freitag, 26. Juni 2026

Was verbirgt sich hinter dem Vogel, der die Welt eroberte?

Kuckucksuhr 1790

Auf den nachgebauten ersten Schwarzwälder Uhren ist die Jahreszahl 1640 vermerkt. Dies ist aber reine Phantasie. Der erste Nachweis einer Schwarzwälder Uhr ist in einem Schreiben des Bergrichters Huber in Hofsgrund 1634 an den Bergverwalter Franz zu finden. Er habe dem Kaufmann Lichtenbahn in Basel ein “Ührlein” geschenkt. Das kann aber nicht als Ernst zunehmender Beweis angesehen werden.

Einer der ersten Schwarzwälder Uhren besaß im Jahre 1667 der Pfarrverweser von Neukirch, Peter Kalteisen, ein Mönch von St Peter. Er hat sie von der Familie Kreuz vom Glashof in Waldau erworben. Ein anderer Hinweis deutete auf Lorenz Frey, genannt Hackbretterlenz, wohnhaft in den Spirzen bei Himmelreich. Auch er baute Uhren. Und ein weiterer Hinweis führt nach St Georgen zu Simon Henninger, der hölzerne Unruhuhren fertigte. Er lebte um 1690.

Die ersten Nachbauten der Uhren hatten einen Balken als Waage und einen Stein als Gewicht. Aber sehr bald begnügten sich die Schwarzwälder Bastler nicht, das fremde Vorbild nachzubauen sondern bastelten an eigenen Wegen.

So trat um 1740 an die Stelle der Waage das Pendel, zuerst vor dem Zifferblatt als “Kuhschwanzpendel”. Mit der Zeit reizte es zu allerhand Erfindungen, die den Hang zum unterhaltenden Spielwerk verraten: Uhren mit beweglichen Figuren und Köpfen, mit rollenden Augen. Da gibt es “Männleuhren” in dutzenden Varianten: Kapuziner, die Glocken läuten, Bauern die Holz sägen und Schweine erschlagen oder aber grausig als “Enthauptungsuhr”. Aber damit war der Einfallsreichtum nicht erschöpft, denn neben den bewegenden Figuren kommen kurze Zeit später Musikuhren dazu. Am Ende stand die Spieluhr mit pneumatischen und mechanischen Musikwerken.

Prägend für die Uhrenentwicklung waren Mitte 1700 die Schottenuhren mit ihrem hochgezogenen Uhrenschild von Johann Dilger vom Schottenhof im Jostal bei Neustadt. Kleiner waren die Uhren von Jakob Herbstrieth aus Hinterzarten 1790 mit einem Durchmesser von 9,5 cm. Die Sorg Uhr 1830 von Joseph Sorg aus Neustadt schaffte es mit einem Durchmesser von 6 cm.

Zu den ersten Automatenuhren zählt die weltbekannte Uhr mit dem Kuckuck, die sein Türle öffnet, aus dem geöffneten Türle herauswippt, die Stunde ausruft und wieder verschwindet. Die erste Kuckucksuhr soll von Franz Ketterer, dem “Treyerfranz” (Dreher”, Bauer auf dem Höfle in Schönwald) 1730 gebastelt haben. Seine Idee holte er bei Beobachtungen des Blasebalgs an der Kirchenorgel. Seine ersten Uhren hatten Lackschild, Kuhschwanzpendel und zunächst unbewegliche Vögel ohne Türchen. Zur gleichen Zeit mit Ketterer fertigten auch der “Gosenmichele” (Michael Dilger aus Neukirch) und der “Jägerstieger” (Mathias Hummel” aus Waldau) Kuckucksuhren. Wer von den dreien den Vogel und Türchen beweglich gemacht hat, wird sich wohl nie aufklären lassen. Dagegen erzählte Georg Rombach aus Eschbach (1731-1804), wie er im Westen Nordamerikas einen Farmer und dessen Sohn in einer Kneipe erschreckte, als plötzlich der Kuckuck erschien und die Stunde schlug. Die beiden hielten das für Zauberei.

Im letzten Jahrhundert wechselte die Kuckucksuhr oft die Form. Leider ist sie hierbei immer kitschiger geworden. Wir begegnen ihr als Rahmenuhr mit Hinterglasmalereien. 1858 hat die Furtwanger Uhrmacherschule Versuche aufgenommen, den Kuckuck durch andere Tiere zu ersetzen: meckernde Ziege, bellender Hund oder einen schreienden Esel. Nichts hat sich durchgesetzt. Eine entscheidende Änderung ergab sich bei der Kuckucksuhr durch eine Ausschreibung der Furtwanger Uhrmacherschule, da diese um 1850 nach neuen Formen suchte. Hier setzte sich als Vorbild die Bahnhäusle entlang der neuen Eisenbahnstrecken von Friedrich Eisenlohr durch. Auf den rechteckigen Zifferblattträger kam ein gleichschenkliges Dreieck als Dach. Die Form der Bahnhäusleuhr war geboren. Schmuckwerk in Form von Blumen, Blätter wurden mit Jagdstücken ergänzt. Heute gibt es Kuckucksuhren mit bewegenden Figuren und Musikwalzen mit Melodien wie “Die Mühle im Schwarzwald”.

Der grüblerische verspielte Sinn des Wälders zeitigte auch seine beste Leistung, die astronomische Uhr. Bereits um 1760 brachte Capar Dorer vom Reinerhof in Schönwalda als erster den Lauf von Sonne, Mond und Sterne an seinen Uhren. Thaddäus Rinderle, Mönch des Klosters St Peter, krönte diese Bemühungen mit einer astronomisch-geographischen Uhr 1787.

Astronomische Uhr Rinderle 1787


 

Freitag, 19. Juni 2026

Was verbirgt sich hinter dem Hotel Sarbacher in Kaltenbronn?


Kaltenbronn ist eine Häusergruppe, die zum Ortsteil Reichenbach eingemeindet nach Gernsbach gehört. Schon diese Beschreibung gibt Auskunft, dass es ein abgelegener Zipfel an der Passhöhe Schwarzmiss der Landstraße von Gernsbach-Hilpertsau und Bad Wildbad-Sprollenhaus sein muss. Inmitten dem Naturpark SchwarzwaldMitte/Nord und Landschaftsschutzgebiet Mittleres Murgtal - ein einzigartiges Hochmoorgebiet mit den beiden Holohseen und den Horn- und Wildseen. Wie konnte ein Kurhotel neben dem Forsthaus und dem Naturpark-Infozentrum den Weg in diese entlegene Region schaffen?

Für die frühere Obrigkeit war nicht die Naturschönheit dieser einmaligen Gegend interessant sondern die Jagd – genauer die Auerhahnjagd. Es war nicht verwunderlich, dass der damalige Markgraf von Baden sich ein Jagdhaus für die jährliche Auerhahnjagd bauen ließ. Was natürlich in dieser gottverlassenen Gegend zu erwarten war, es wurde eingebrochen und die Wilderer hausten in den Räumlichkeiten. Um Abhilfe zu schaffen, wurde dem aus Tirol eingewanderten Holzfäller, Mathias Heiter, 1761 erlaubt in den Räumlichkeiten zu wohnen und nach dem Rechten zu schauen. Um dem Ehepaar ein zusätzliches Einkommen zu ermöglichen, wurde ihm der Weinausschank genehmigt. Zusätzlich brannte er Enzianschnaps in einer kleinen Brennhütte. Einmal im Jahr, wenn der Markgraf zur Jagd kam, zog er mit der Famile so lang in die muffige Brennhütte. 1794 brannte das Jagdhaus ab.

Die Großherzogliche Verwaltung konnte die Brandruine 1808 abreißen lassen. In den folgenden Neubau zog der Waldhüter und Beijäger Fritz mit Familie ein. Als der Großherzog wieder Freude an der Auerhahnjagd bekam, wurde ein sehr großzügiger Anbau für den Großherzog und Gefolge gebaut. Für die Familie des Waldhüters gab es bald Gelegenheit, den kargen Lohn des Beijägers aufzubessern. Denn ganz im Zeitgeist der Romantik suchten Adel und Bürgertum die Naturidylle – dafür bot sich das Holohgebiet mit seinen Mooren und Seeen an. Zusätzlich wurde auf dem Holoh 1856 ein 15 m hoher Holzturm als Ausichtsgelegheit errichtet.

Dem Großherzog ging der Kontakt mit Reisenden, Kurgästen, Forstbeamten und Jagdgästen mit der Zeit zu weit, denn 1870 ließ er gegenüber ein großherzogliches Jagdhaus erbauen. Auch der Jagdhüter bekam sein eigenes Domizil. Für das leerstehende Gebäude musste nun eine neue Verwendung gefunden werden. Da der Fremdenverkher sich positive entwickelte, bot sich eine Gastwirtschaft an. Die Forstverwaltung hatte Interesse, das der neue Pächter vier Pferde hält, um für den Forst Fuhrdienste übernehmen zu können.

Aber das Problem mit den Pächtern war, dass sie entweder gute Wirte oder lautstarke Fuhrleute waren. Aber beides ließ sich nicht gut vereinen, obwohl der Fremdenverkehr zunahm, denn 1897 wurde der Holohturm gebaut und mitlerweile hatte der Schwarzwaldverein den Westweg über den Holoh geschaffen.

1905 übernahm endlich mit Franz Mast aus Forbach ein Fachmann die Pacht auf dem Kaltenbronn, er als gelernter Koch und Konditor. Mit Pferden konnte er auch umgehen, denn er musste im Winter mit diesen die Wege räumen. Eine neue Saison hatte sich mittlerweile aufgetan: 1896 wurde der Ski-Club-Pforzheim gegründet. Plötzlich kam das Laufen mit den hölzernen Schneeschuhen in Mode. Mast hatte nun ganzjährig mit dem Fremdenverkehr zu tun – unterbrochen nur durch die beiden Welkriege. 1945 maschierten die Franzosen über das Murgtal ein, waren überrascht hier oben in der Einöde ein funktionierendes Gasthaus mit einem ordentlichen Weinvorrat zu finden. Leider konnte nie geklärt werden, warum der erfolgreiche Wirt, Franz Mast, von Kugeln durchsiebt am Kegelbach verbluten musste.

Nach dem Zweiten Weltkrieg lag das Anwesen auf dem Kaltenbronn in Trümmern. Doch wider Erwarten war Andreas Sarbacher aus Reichental bereit, das Anwesen bewohnbar zu machen und begann 1949 mit einem provisorischen Ausschank. 1951 war es soweit hergerichtet und erneuert, dass das Kurhotel Sarbacher eröffnet werden konnte. Und dieses Erfolgsstory konnte in der Familie bis heute fortgeführt werden.