Dienstag, 22. September 2026

Was verbirgt sich hinter der Begehrlichkeit, den Schliffkopf zu bauen?

Schliffkopf-Hotel

Der Schliffkopf ist ein 1055 hoher flacher Bergrücken an der B 500 zwischen der Zuflucht und dem Ruhestein. Er ist mit seiner hochmoorartigen Gipfelregion seit 1938 Naturschutzgebiet. Außerdem liegt er im FFH- und Vogelschutzgebiet. Aber er bietet auch einen herrlichen Ausblick über den Schwarzwald, Vorbergzone, Rheinebene und Vogesen sowie die Pfälzer Berge. An Tagen mit guter Sicht –oftmals im November- lieg Straßburg mit seinem Münster zum Greifen nahe. Die Schweizer und Österreichischen Alpen erscheinen am Horizont, der Bodensee ist als spiegelnde Wasserfläche zu sehen.

 

Es ist verständlich, dass solch ein Bergrücken zum Bebauen einlädt. Vom Württembergischen Schwarzwaldverein wurde 1891 mit Hilfe eines badischen Pionierbataillons der Pionierturm aus Holz (15 m) errichtet, um die Aussicht zu erhöhen. Doch 1909 musste der vorhandene Turm wegen Baufälligkeit gesperrt werden.

 

1911 wurde von Baiersbronner Schneeschuhläufer auf dem Schliffkopf die Schliffkopfhütte (Schindler Hütte) errichtet. Nach dem Ersten Weltkrieg kam der Wunsch auf, einen Gedenkstein für die gefallenen Mitglieder des Schwäbischen Schneeschuhvereins aufzustellen. 1920 konnte der 3 t schwere Sandsteinfindling eingeweiht werden.

 

Auf dem Gebiet Ruhestein nahe beim Schliffkopf wurde 1924 eine K 65 Sprungschanze gebaut. Nach Streitereien zwischen dem Schwäbischen Schneeschuhverein und der Forstdirektion wurde die Vogelskopfschanze wieder abgerissen.

 

Auch gestaltete es sich äußerst schwierig, dem Wunsch des Schwäbischen Schneeschuhvereins zu entsprechen, ein Gedächtnishaus für die gefallenen Kameraden zu bauen. Die Streitereien mit der Forstdirektion zogen sich bis 1931 hin. Erst eine Ministerbewilligung, die sich über alle Bedenken hinwegsetzte, ermöglichte 1932 den Bau des Schliffkopfgedächtnishauses. Pächter waren Berta und Christian Fahrner aus Baiersbronn.

 

Nur wenige Tage nach der Eintragung des Naturschutzgebietes wurde von der Reichsregierung entschieden, dass die Organisation Todt die schon 1932 abgesteckte fehlende Straßenverbindung vom Ruhestein zur Zuflucht aus Gründen der Landesverteidigung zu bauen habe. Die Straße sollte durch das Naturschutzgebiet über die Höhe des Schliffkopfes hinweg gebaut werden. Nur dem energischen Einspruch des Landesamtes für Denkmalpflege war es zu verdanken, dass die Straße nicht über den Gipfel sondern an den Rand der Freiflächen gedrückt und 1942 fertiggestellt wurde.

 

Einschneidender als die Straße waren aber die militärischen Anlagen, die im Zuge der Westwallbefestigung 1938 auf dem Schliffkopf erstellt worden waren. Die großkalibrigen Flakstellungen auf dem Gipfel sollten die feindlichen Bomber in noch größere Höhen zwingen, um mehr Treibstoff zu verbrauchen. 1950 sollte auf dem Schliffkopf trotz des energischen Einspruchs des Naturschutzes ein 46 m hoher Kurzwellensender der französischen Armee gebaut werden, der dann später auf der Hornisgrinde erstellt wurde.

1973 entschied der Schwäbische Schneeschuhverein, das Gedächtnishaus an die Pächterfamilie Fahner zu verkaufen. Bettenhaus und Restaurant wurden angebaut. Schon 1980 wurde das Hotel um Hallenbad- und Freizeitbereich erweitert. 1991 brannte das Hotel bis auf die Grundmauern nieder. Von 1993 – 1995 wurde das Hotel unter vielen Schwierigkeiten mit großen finanziellem Aufwand mit Hilfe der Sparkasse Freudenstadt als modernes Wellenesshotel der Familie Fahrner wieder aufgebaut und bis heute von der Familie Fahner mit viel Erfolg betrieben wird.

1990 und 1999 pfiffen die Orkane Wiebke und Lothar mit ihren zerstörenden Kraft über die Schwarzwaldhöhen und legte viele Gipfel frei. 2003 wurde am Schliffkopf der Lotharpfad eingerichtet, um das Ausmaß zu dokumentieren.

Lotharpfad