Freitag, 29. März 2024

Was verbirgt sich hinter der Kapelle 14 Nothelfer über Seebach?


Seebach mit seinen 1.500 Einwohnern liegt im oberen Achertal und erstreckt sich hoch bis auf die Hornisgrinde mit ihrer 1164 m Höhe. Es ist bei allen Reisenden bekannt, da der Mummelsee zu ihrem Gemeindegebiet gehört. Außerdem gibt es hier noch 2 Waldgenossenschaften, Grimmerswald mit 135 ha und die Seebacher Waldgenossenschaft mit 248 ha. Der letzteren gehört das Mummelsee Hotel, der Hornisgrinde Turm und die Grinden Hütte auf der Hornisgrinde. Seebach besitzt außerdem noch ein Besucherbergwerk „Silberbrünnle“, wo schon vor 1.000 Jahren nach Eisenerz gegraben wurde.

Am 17. April 1945 besetzten französische Truppen das Acher-, Renchtal und Freudenstadt. Die Bevölkerung hatte große Angst vor der Ankunft französischer Soldaten. Denn Freudenstadt wurde wegen des heftigen deutschen Widerstands zerstört, da die Stadt zuvor als „entmilitarisierte Stadt“ deklariert worden war.

Pfarrer Franz Herr und die tief gläubige Bevölkerung gelobten, eine Kapelle zu bauen, wenn die Bevölkerung durch marodierende Soldaten verschont bleiben würde. Vor allem die schwer zu disziplinierenden marokkanischen Einheiten waren wegen ihren Plünderungen und Vergewaltigungen berüchtigt. Denn besonders die Vergewaltigungen riefen den großen Unmut der Bevölkerung hervor. Dies obwohl auf Vergewaltigung die Todesstrafe für französische Soldaten stand.

Das Gelübde schien zuerst seine positive Wirkung zu zeigen. Seebach wurde trotz vereinzelter Widerstandsnester an der Schwarzwaldhochstraße nicht zerstört. Mit den neuen Besatzungseinheiten, die am Mummelsee und auf der Hornisgrinde stationiert waren, ging das Unwesen der Vergewaltigungen aber wieder los.

Pfarrer Herr sammelte einige Fälle und sprach beim französischen Kommandanten vor, der dem Pfarrer Abhilfe zusagte. Er wolle am gleichen Tag hoch auf die Hornisgrinde fahren und den dort stationierten Soldaten jegliche Übergriffe verbieten. Auf Vergewaltigung würde ja die sofortige Todesstrafe stehen. Mit einem Kanonenschuss sollte von der Hornisgrinde das positive Ergebnis ihm und dem Tal verkündet werden. Tatsächlich hallte der Kanonenschuss einige Stunden später von der Hornisgrinde durch das Seebachtal. Tatsächlich gab es keine Vergewaltigungen mehr.

1948 konnte dann in schwieriger Zeit die 14 Nothelfer Kapelle eingeweiht werden. Sie ist den 14 Nothelfer geweiht. (Patrozinium 3. Sonntag nach Ostern). Hinter dem Altar steht die Mutter-Gottes-Statue inmitten der 14 Nothelfer. Diesen, so war man der Bevölkerung sicher, hatte man die Rettung vor den fremden Soldaten zu verdanken. Noch heute grüßte die Kapelle über dem Seebachtal liegend die Bevölkerung.

Die französischen Einheiten, wollten den Mummelsee zuschütten, um einen idealen Truppenübungsplatz vor ihrer Kaserne zu haben. Nur der große Zorn und Empörung der Bevölkerung ist es zu verdanken, dass dieses Ansinnen verhindert wurde. Der Mummelsee wurde erst 1955 von den französischen Einheiten zurückgegeben.  Mit einer großen Spendenaktion „Rettet den Mummelsee“ konnten die durch die Besatzungsmacht verursachten Schäden beseitigt werden. Der Großteil der Hornisgrinde war ja schon seit 1942 Sperrgebiet der deutschen Wehrmacht und wurde von den französischen Streitkräften übernommen. Erst 1996 wurde die Hornisgrinde  nach und nach als Sperrgebiet frei gegeben. Auf der Hornisgrinde war ein wichtiger Horchposten de Franzosen, der über tausende Kilometer Entfernung die Kommunikationen abhören konnte.



 

Freitag, 22. März 2024

Was verbirgt sich hinter dem Eisenbahnanschluss von Lahr ins Kinzigtal?

Anfang 1950er Jahre in Lahr

Der Warenverkehr aus dem Kinzig- und Harmersbachtal wurde bis Mitte des 19. Jahrhunderts nicht über Offenburg sondern über den Schönberg nach Lahr, der Industrie-, Verwaltungs- und Garnisonsstadt, abgewickelt. Als die Planungsphase für den Bau der Schwarzwaldbahn in den 1850/60er Jahre langsam öffentlich wurden, bemühte sich der frühere Bürgermeister und Landtagsabgeordnete von Lahr, Wilhelm Flüge, dass der Bahnhof in Biberach auf das linke Kinzigufer gelegt werde. Sein Hintergedanke war, eine Bahnverbindung von Lahr, vorderes Schuttertal über den Schönberg nach Biberach. Tatsächlich beschäftigte sich die Stadt Anfang der 1880er Jahre ernsthaft mit diesen Plänen. Mit der angestrebten Eisenbahnverbindung Lahr – Dinglingen an die Rheintalbahn könnte eine Querverbindung durch das vordere Schuttertal zur Schwarzwaldbahn hergestellt werden. Diese bis Erstein im Elsaß oder Straßburg weitergeführt, könnte sogar als strategische Verbindung den Generalstab in Berlin interessieren.

Freiburger Ingenieure legten dann ihre Planungen vor:

 

Projekt 1 führte über Kuhbach-Reichenbach, den 200 m höheren Schönberg nach Biberach mit 14,1 km.  Allerdings hätte dies für den Aufstieg auf den Schönberg eine Zahnstange für die Lokomotive bedeutet und Gesamtkosten von 1,6 Mio Mark bedeutet. Eine Strecke ohne Zahnstange war vom Langeck am Westausgang von Reichenbach ins Gereut bis zur Poche und dann über das Tal um den Eichberg herum auf die Höhe des Schönberg geplant. Allerding wären die Kosten auf 2,7 Mio Mark gestiegen.

 

Projekt 2 Hier wurde eine Eisenbahntrasse Lahr-Steinach von Reichenbach über Steinbach-Seelbach-Wittelbach durch das Kambachtal mit einem 250 m langen Tunnel unter der Schwedenschanze in Welschsteinachtal abwärts bis Steinach geplant. Allerdings wären hier die Kosten auf 3,9 Mio Mark gestiegen.

 

Projekt 3 Hier sollte die Strecke ebenfalls von Lahr – Steinach führen. Allerdings führte die Strecke nochmals weiter nach Osten, in dem vom Kambach- ins Grangertal mit einem Tunnel von 320 m Länge als Durchstich des Gebirges in der Nähe des Neuhäuserhofes.  Hier wären die Baukosten auf 3,2 Mio Mark gesunken.

 

Die Militärs waren an einer strategischen Vollbahn Erstein-Lahr überhaupt nicht interessiert und haben  gleich abgewunken und das Ministerium hatte gleich mitgeteilt, dass dafür keine Mittel bereit stehen würden. Alternativ wurde wie in damaliger Zeit üblich, eine Straßenbahnverbindung Rheingrenze, Lahr bis Reichenbach ins Spiel gebracht. Das Badische Finanzministerium signalisierte eine Genehmigung, wenn ein Zuschuss aus der Staatskasse nicht beansprucht würde. 1890 wurde der Konzession zum Bau der Straßenbahn von der Regierung erteilt. 1892 bot Seelbach an, wenn die Straßenbahn bis Schuttertal verlängert werden würde, das Gelände kostenlos zur Verfügung zu stellen. Ende 1894 konnte die Strecke als Straßenbahn eingeweiht werden, wobei wegen der schmalen Straße die Gleise außerhalb der Ortschaften neben der Straße verlegt wurden.

 

Der Eisenbahnbau ins Kinzigtal hatte sich mit dem Ersten Weltkrieg endgültig erledigt, denn durch den Bau der Schwarzwaldbahn orientierte sich der Verkehr immer mehr das Kinzigtal abwärts und Offenburg entwickelte sich zur aufstrebenden Industriestadt vor allem als noch  der „Burda Verlag“ nicht nach Lahr sondern nach Offenburg siedelte.

 

Dagegen hat das Straßenbähnle Lahr  - Seelbach bis 1952 treu seinen Dienst erfüllt und wurde dann abgebaut, da der Personen und Gütertransport sich schon lange auf die Straße orientierte.

Bähnle in Reichenbach 1952










 


Freitag, 15. März 2024

Was verbirgt sich hinter der Schluchseewerk AG?


Der Strombedarf wuchs in den zwanziger Jahren durch die Industrialisierung stark an und war deswegen auf der Suche nach neuen Quellen der Stromerzeugung. Nach den positiven Erfahrungen mit dem Pumpspeicherkraftwerk Rudolf-Fettweis im Nordschwarzwald, lag es nahe im Südschwarzwald das vorhandene Gefälle und Wasserpotential für Pumpspeicherkraftwerke zu nutzen. Im Dezember 1928 wurde die Schluchseewerk AG gegründet.

 

In den Jahren 1929/32 wurde mit der Schluchseesperre –vom Gletschersee zur Talsperre- begonnen, um das Wasser des Schluchsee aufzustauen, dessen damaliger Wasserspiegel 30 m unter dem heutigen liegt. Das Wassersvolumen des heutigen Sees beträgt 111,3 Mio m³. Nach und nach wurden dann die weiteren Stufen der Schluchseegruppe ab dem See, Häusern, Witznau und Waldshut hinunter zum Rhein mit ihren Turbinen- und Pumpwerken zwischen 1929 - 1951 fertiggestellt. Zwischen 1931 und 1950 wurde das Kraftwerk Eichholz als Speicherkraftwerk zwischen den Stufen Häusern und Witznau errichtet.

 

Da der Strombedarf nach dem Kriege rasant weiterstieg, wurde in den 60er- und 70er Jahren mit dem Aufbau der Hotzenwaldgruppe begonnen. Im Gegensatz zum Schluchsee wurden hier Kawernenkraftwerke für die Turbinen- und Pumpwerke verwendet. Das Kawernenkraftwerk Säckingen wurde 1967 1,5 km tief im Berg unter dem Eggerbecken errichtet. Als Ausgleich dient das Rheinkraftwerk Säckingen. 1976 kam dann das größere Kawernenkraftwerk Wehr 1,3 km tief unter dem Berg mit dem Hornberg- und Wehrabecken hinzu. Hier wird das Wasser nur noch zwischen 2 Becken hin und her gepumpt.

 

Das Schluchseewerk verfügt in der Schluchseegruppe über 4 Kraftwerke mit einer Fallhöhe von insgesamt von 610 m und rund 505 MW Turbinen- sowie 306 MW Pumpleistung. Die Hotzenwaldgruppe mit 2 Kavernenkraftwerken mit einer Fallhöhe von insgesamt 1.025 m und 1.300 MW Turbinen- und 1.280 MW Pumpleistung.  Dies entspricht einem jährlichen Stromverbrauch von 630.000 Haushalten. 14 Speicherbecken darunter der Schluchsee, Stausee Schwarzabruck, Alb- und Mettmannstausee, sowie Stausee Witznau, Schlücht-Wehr und der Rhein werden bewirtschaftet und die sind mit 66 km Stollen verbunden.

 

Die Planungen für ein weiteres Kavernenpumpspeicherkraftwerk Atdorf  wurden 2008 vorgelegt. Die Leistung sollte mit einem Hornbergbecken 2 und einem korrespondierenden Haselbecken um 75% erhöht werden. Für ausreichende Wasserversorgung sollte der Lindau-Stausee mit 60% des Schluchseevolumens entstehen. (Siehe: Was verbirgt sich hinter dem Lindau-Stausee) Die Realisierung war für 2018 vorgesehen. Allerdings stießen die Planungen auf erheblichen Widerstand vor Ort, bei Verbänden und der Politik in Stuttgart. 2014 teilte die RWE AG mit, aus der Planung auszusteigen. Und 2017 folgte dann auch die EnBW mit dem gleichen Schritt. (Siehe: Was verbirgt sich hinter dem Pumpspeicherkavernenkraftwerk Atdorf?)


Kraftwerk Häusern





Freitag, 1. März 2024

Was verbirgt sich hinter Pfarrer Döbele aus Görwihl?

Josef  Döbele (1826-1904) wurde im Hauensteiner Murg in nicht sehr begüterten Verhältnisse geboren, studierte mit bescheidenen Mitteln Theologie und wurde Priester. Als Vikar und Pfarrverweser in verschiedenen Gegenden in Baden –so auch im Kinzigtal- wurde er 1875 als Pfarrer im großräumigen Gebiet Görwihl angestellt.

Als Pfarrer war Döbele bestrebt, seine Pfarrgemeinde in religiöser und kultureller Hinsicht zu fördern, Brauchtum zu pflegen und das heidnische Volkstum vor Entartung und Entwurzelung zu bewahren. Besonderen Wert legte er auf Arbeit, verbunden mit der Einfachheit, Bescheiden- und Sparsamkeit. Er wies der Klatschsucht schroff die Tür mit den Worten: „Gönt heim und schaffet“!

Seine besondere Sorge war auf Erhaltung, der Ausbau und die Verschönerung der alten Pfarrkirche von Görwihl. Aber auch durch ein Vermächtnis begünstigt, gelang es Pfarrer Döbele die Kapellen in Rotzingen Engelschwand und Strittmatt bauen zu lassen. Auch die Kapelle von Hartschwand konnte er erweitern und verschönern lassen. Noch heute zeichnet sich die Region durch die von ihm geförderten zahlreichen Kapellen aus. Gleichzeitig bedingten die vielen Kapellen auch regionale Gottesdienste, so dass Pfarrer Döbele sich ein Pferd zulegte, um die vielen Kapellen zu betreuen. Erst im Alter legte er sich eine Kutsche zu.

Ein großes Anliegen war dem Pfarrer die Fortbildung junger, begabter Bauernsöhne vom Walde. Nicht nur durch Spenden, sondern auch mit Eigenmitteln ermöglichte er manchem Bauernsohn den Weg zur Theologie, Medizin oder Jura.

In der Zeit als Pfarrer Döbele 1875 nach Görwihl kam, herrschte große Armut auf dem Walde. Die Böden waren nicht sehr fruchtbar, machten viel Arbeit und warfen nur wenig ab. Die Weberei als Hausindustrie war stark auf dem Rückgang. Die vielen hungrigen Mäuler mussten gestopft werden. Die Verschuldung der Bauern auf dem Walde wuchs in bedenklichem Maße. Die Notsituation wurde in damaliger Zeit von den Geldverleihern  mit hohen Zinsen skrupellos ausgenützt. Dies ging soweit, dass der Gemeinderat beschloss, jedem Bauern mit einer Strafe zu belegen, der mit einem jüdischen Geldverleiher Geschäfte tätigte. Auch Pfarrer Döbele prangte die Geldverleihpraxis  nicht nur von der Kanzel aus an sondern gründete einen „Sparkassen- und Kreditverein“, in dem er ein großer Teil seines bescheidenen Vermögens einbrachte. Mit der Zeit konnten die Bauern zu ortsüblichen Zinsen die Kredite bei den Geldverleihern nach und nach ablösen.

Da zu jener Zeit es auf dem Walde noch üblich war, das Vieh in den Wald zum Fressen zu treiben, Wald und Felder ließ man wachsen, was und wie sie wollten. Um eine geordnete Bewirtschaftung zu erreichen, gründete er 1880 einen landwirtschaftlichen Verein in Görwihl. So erreichte er, dass Wald und Felder ordentlich bewirtschaftet wurden, Wiesen entwässert und Felder richtig bewässert wurden. Besondere Sorgfalt legte er auf Anpflanzungen und Pflege der Obstbäume. Er gründete eine Obstbaumschule, schickte junge Bauernsöhne in landwirtschaftliche Fachschulen zur Ausbildung. Große Aufmerksamkeit schenkte er der Heidelbeere, die bisher keine große Aufmerksamkeit genoss. Mit dem Heidelbeerwein begann er den Kampf gegen den weit verbreiteten hochprozentigen Schnaps bei der Bevölkerung.

Um der abnehmenden Hausindustrie entgegen zu wirken, waren die Bemühungen von Pfarrer Döbele Schweizer Seidenstoffwebereien auf dem Görwihler Berg ansässig zu machen, um der Bevölkerung zusätzliche Verdienstmöglichkeiten zu verschaffen.

  

Freitag, 16. Februar 2024

Was verbirgt sich hinter dem Schramberger Ortsteil Sulgen?

Sulgen, _Sulgau und _Schramberg

Das Geschlecht der Falkensteiner übte im frühen 15. Jahrhundert die Herrschaft über Schramberg aus. Sie besaßen auch sieben Höfe auf dem Sulgen und vier in Schönbronn. Diese Höfe verkauften sie durch wirtschaftlichen Niedergang , Familienzwistigkeiten und erfolglose Fehden geschwächt, im Jahr 1444 an Graf Ludwig von Württemberg, der seit geraumer Zeit im Raum Hornberg Fuß gefasst hatte. Da die Herrschaft Falkenstein damals bereits geteilt war, gelangte allerdings nicht der gesamte falkensteinsche Besitz an Württemberg. Der Teilhaber Jakob von Falkenstein veräußerte im Jahr 1449 den Rest der Herrschaft an seinen Schwiegervater Hans von Rechenberg, darunter auch Güter auf dem Sulgen, so dass nun der Sulgen zwischen den Häusern Rechenberg und Württemberg geteilt war. Der Rechenberger Besitz kam durch verschiedene Hände, bis er 1583 an das Hause Österreich kam. Die folgenschwere Teilung des Weilers Sulgen sollte bis 1934 bestehen bleiben.

Die württembergischen Bauern auf dem Sulgen wurden in der Folgezeit mit denen von Schönbronn und Weiler zu einem Stab „Sulgau“ zusammengefasst und dem Amt Hornberg unterstellt. Der folgenschwerste Meilenstein des 16. Jahrhunderts in Württemberg war die Einführung der Reformation unter Herzog Ulrich im Jahr 1535. Damit endete allerdings die soziale Klammer einer zusammengehörenden Pfarrei, denn der Ortsteil Sulgau wurde evangelisch und der Ortsteil Sulgen blieb wie Schramberg katholisch. Sie lagen nur 1km auseinander. Es war hiermit nicht nur eine herrschaftliche Trennung sondern auch eine fortschreitende konfessionelle Trennung. 1558 wurde von der Herrschaft Schrambergs der selbstständige Stab „Sulgen“ geschaffen.

Das Problem, das sich aus der Herrschafts- und Konfessionsspaltung ergab, war für die Sulger und Sulgauer Bauern die gemeinsame Nutzung der Kirche. Den württembergischen Untertanen stand ein Drittel des Pfarrsatzes und des Heiligeneinkommens zu. Württemberg entschärfte diesen Konflikt, in dem sie 1583 die lutherische  Pfarrei Weiler gründete, die auch für Schönbronn und Sulgau zuständig war. Allerdings bedeutete dies für die Sulgauer Bauern einen zweistündigen Marsch zum Gottesdienst. Die einzige Erleichterung, die die Obrigkeit zugestand, war, dass einmal im Monat der evangelische Pfarrer von Weiler kam und im Bären bis 19. Jahrhundert Gottesdienst hielt.

Durch die Neuordnung von Napoleon wurde 1805 Sulgau sowie Sulgen wie auch Schramberg ebenfalls dem damaligen Herzogtum Württemberg zugeschlagen. Dennoch war es nicht möglich, die beiden Gemeinden zu vereinigen. Die Gemeinde Sulgen baute 1825/26 eine neu Kirche, während Sulgau dies 1835 endlich erreichte, dass eine evangelische Kirche in Schönbronn, erheblich näher als das frühere Weiler, gebaut werden konnte. Ähnlich verhielt es sich mit dem Bau des Schulhauses. 1872 errichtete Sulgau ein Rat-Schulhaus, während Sulgen schon 1843 ein erstes Schulhaus errichtete.

1920 beantragte Sulgen den Zusammenschluss mit Schramberg. Für Schramberg gab es aber nur den Weg eines Zusammenschluss der beiden Gemeinden Sulgen und Sulgau und dann erst den Anschluss an Schramberg. Aber die Emotionen kochten immer sofort hoch, zusätzlich war Schramberg nicht bereit sich an der Wasserversorgung auf dem Berg zu beteiligen. Insofern gingen die beiden Gemeinden diese Investition 1926/28 zunächst an. Eine Eingliederung war trotz mehrerer Anläufe nicht möglich. Erst den Nazis war es möglich im Interesse eines zentralistischen Staates 1934 einen Vereinigungsvertrag durchzusetzen. Nach weiteren, zähen Verhandlungen wurde erreicht, dass die Gemeinde unter dem Namen „Sulgen“ endlich vereint sowie Sitz der Verwaltung ebenfalls Sulgen wird. Die Eingemeindung nach Schramberg  wurde dann 1939 vollzogen.

Sulgau vorne, Sulgen hinten 1929


Freitag, 9. Februar 2024

Was verbirgt sich hinter dem Titisee als Pumpspeicher?

Feldsee

Der Titisee als bekanntester See im Schwarzwald ist sicherlich auch der stärkste Magnet des Schwarzwaldtourismus. Er wurde 1111 erstmals urkundlich erwähnt. Jahrhunderte war er verkehrsabgelegen von dunklen Tannenwälder umsäumt, oft unheimlich, daher sagenumwoben. Erst der Straßenbau um 1885, die Höllentalbahn 1887 und 1926 die Dreiseeenbahn erschlossen den See für den Fremdenverkehr.

Der Titisee ist ein Überbleibsel des 16 km langen Bärentalgletschers von vor 40.000 Jahren. Der spätere Rückzug des Gletschers legte die Ausschürfungen des Titisee-Zungenbeckens frei.

Der See mit einer Länge von 1,8 km, 750 m Breite und 40 m Tiefe wird heute vom Seebach gespeist. Dieser entspringt ursprünglich in der Hochmulde des Grüble unterhalb des Seebucks und fällt 62 m tief über den Feldseewasserfall in den Feldsee. Zusätzlich entwässert der Sägenbach kommend vom Baldenweger Buck in diesen. Aus dem Feldsee fließt der Seebach in den Titisee.

Als Ender der 20er Jahre des 20. Jahrhundert die Pläne für den Schluchsee und dessen Pumpspeicherwerk konkrete Pläne annahmen, wurde auch der Titisee in die Überlegungen der Wasserzufuhr für den Schluchsee mit einbezogen. Denn schon 1863 wurde mit dem Straßenbau nach Lenzkirch eine erste feste Schleuse am Ausfluss des Titisees eingebaut. Diese wurde 1876 bei einer Straßenveränderung um 75 cm erhöht. Damit sollte das Wasser des Titisees um 65  cm abgesenkt werden können. Gleichzeitig sollte eine Aufstauung 40 cm über den normalen Wasserspiegel möglich werden. Dies hatte natürlich einen Aufschrei der Entrüstung der Bevölkerung hervorgerufen. Das malerische, idyllische und teilweise unberührte Ufer des Titisees sollte entweder überspült oder als weit verbreiterter brauner Schlammstreifen sichtbar werden. Beim flachen Seebacheinlauf würde das Moor bis zu 3 km überspült werden. Auch der Vorschlag der Schluchsee AG  den See vom 1. Juni bis 15. September nicht unter die jetzige Stauschwelle zu senken, konnte die Gemüter beruhigen. Für die Hotels und den aufkommenden Tourismus ein nicht zu akzeptierender Zustand.

Um das Problem des schwankenden Wasserstand am Titisee zu umgehen, wurde am Ausfluss des Feldsee 70% des Wassers des Seebachs in einem 10 km langen verdeckten Hangkanal am Osthang des Feldbergs und Bäremtal 1934 gebaut und das Wasser dem Windgefällweiher zugeführt. 1895 war er schon zur heutigen Größe aufgestaut worden. Das Schluchseewerk übernahm den Windgefällweiher 1929, um das Wasser 1932 über einen offenen Überleitungkanal durch das Haslachtall dem Schluchsee zu zuführen zu können.

Deswegen verlässt die Gutach als kleiner Wiesenbach den Titisee. Auch der Wanderer der Wutachschlucht wundert sich über das friedliche Wässerchen der Wutach, die eigentlich als wilde Gutach sich in die Tiefe des Gesteins über Jahrhunderte gefressen haben soll.

Titisee


Freitag, 26. Januar 2024

Was verbirgt sich hinter der Brauerei Rothaus?

Brauerei Rothaus in Rothaus

Im November 1956 hat die Rothaus Brauerei im Hochschwarzwald das Tannenzäpfle –die 0,33 l Bierflasche- als erste Brauerei aus der Taufe gehoben.

 

Schon 1787 wurde dem Abt Gerbert von der Rentenkammer vorgerechnet, dass der Bau einer Brauerei jährlich 3.000 Gulden dem Kloster abwerfen würde. Nur mit diesem Argument konnte der Widerstand im Konvent des Klosters nach und nach abgebaut werden. Endlich im Jahre 1791 konnte die Klosterbrauerei Rothaus durch das Benediktinerkloster St Blasien vom damaligen Abt, Martin Gerbert II, gegründet werden. In erster Linie wollte der Abt Strukturpolitik betreiben, denn „das beste Almosen für die verarmte Bevölkerung ist lohnender Verdienst“. Sicherlich wollte der Abt auch seinem weltliche Kollegen, dem Fürsten zu Fürstenberg, gleich ziehen. Dieser hatte seit dem 13. Jahrhundert das Braurecht. Glaubt man dem Volksmund sollte mit der Klosterbrauerei den Einheimischen mit dem Bier das Schnapstrinken abgewöhnt werden.

 

Mit Bedacht hat dieser vorausschauende Abt den Ort gewählt. Eine wichtige Handelsstraße vom Hochrhein in den Breisgau überwand hier den Schwarzwald. Die Gaststätte “Zum Rothen Haus“ aus dem 17. Jahrhundert lud zum Verschnaufen vom schweren Aufstieg ein, auch wenn es vom Gebäude her einer Räuberspelunke war. Die herunter gekommene Wirtschaft wurde 1766 vom Kloster erworben und 1772 als Neubau erstellt. Wasser zum Brauen und Holz zum Heizen waren für die kommende Brauerei ausreichend vorhanden.

 

1791 wurde der Gerichtsvogt Ludwig Eble, Hirschwirt zu Wurmlingen, beim Bau der Klosterbrauerei in der Nähe vom „Roten Haus“ als sachkundiger Berater hinzugezogen. Die ersten Brauversuche nach Fertigstellung der Brauerei waren so erfolgversprechend, dass Eble zum Wirt vom „Roten Haus“ und als Braumeister der Klosterbrauerei bestellt wurde.

 

Mit der Säkularisierung des Klosters fiel die Klosterbrauerei 1806 an das Großherzogtum Baden. Der Fiskus trug sich mit dem Gedanken, die Brauerei zu verkaufen oder zu verpachten. Beides brachte aber nur die Aussicht auf erhebliche Verluste, denn bald stellte sich heraus, dass mit steigenden Ansprüchen die Brauerei viel zu klein gebaut worden war. Das Bier wurde viel zu jung abgesetzt und verdarb rasch. 1842 traf endlich die Baugenehmigung für eine größere Erweiterung ein. 1847 jedoch machte ein verheerender Brand wiederum alles zunichte, denn die Brauerei brannte ab. Die Politik hatte nun nach dem Wiederaufbau genug und verpachtete die Brauerei 1872. Aber schon nach wenigen Jahren musste die Brauerei wieder übernommen werden, um größere Verluste zu vermeiden. Mit der Zeit war es dem Oberbrauer Boekh gelungen ein gutes, haltbares Bier zu brauen, dessen Qualität nicht mehr schwankte. Mit dem Ablauf der 1870er Jahre setzte dann der Aufstieg der Brauerei ein.

 

Nach 1918 wurde die Brauerei  zum Staatsbetrieb und firmiert heute unter „Badische Staatsbrauerei Rothaus AG“. Damit wurde sie 1922 eine Aktiengesellschaft, deren Anteile zu 100% dem Land Baden-Württemberg gehören.  Allen Wünschen zum Trotze weigerte sich die Landesregierung  in Stuttgart die Brauerei in all den Jahren zu privatisieren. Die abgelegenen Arbeitsplätze im Hochschwarzwald sollten erhalten bleiben. 1956 führte der damalige Brauereidirektor Nägele entgegen dem Marktrend die 0,33 Flasche, das damalige und heutige „Tannenzäpfle“ ein. Auf dem Etikett prangt ein biederes Schwarzwaldmädel in Tracht umrahmt mit Fichtenzapfen.


Das gute Bier in der anderen Verpackung wurde mit der Zeit ein Kultstatus unter den Biermarken und hat gerade außerhalb Baden-Württembergs sehr hohe Zuwachsraten. Mit über 900.000 hl Bierausstoß gehört die Rothaus Brauerei zu den führenden Brauereien in Deutschland. Auf Grund der hohen Besucherzahlen der Brauerei wurde 2014 eine Brauwelt unter anderem mit einem Brauerei- und Schwarzwaldmuseum geschaffen.

Sudkessel der Brauerei Rothaus