Freitag, 25. August 2023

Was verbirgt sich hinter dem Eisenbahnanschluss von Lahr?


Mitte des 19. Jahrhunderts leitete die Eisenbahn eine enorme Umwälzung im Verkehrswesen ein. Die Manufakturen und Fabrikationsbetriebe konnten plötzlich an die „große Welt“ angeschlossen werden. So auch Lahr mit seinen Tabak-, Schächtele- und Etuimanufakturen sowie Druckereien, denn 1838 wurde der Bau einer Eisenbahn von Mannheim, Karlsruhe, Offenburg, Dinglingen, Freiburg bis zur Schweizer Grenz beschlossen. Lahr war damals Amts- und Garnisonsstandort. Bevor die Schwarzwaldbahn 1866 begonnen war, wurde der Verkehr im Kinzigtal von Biberach über den Schönberg nach Lahr und nicht über Offenburg abgewickelt.

Das Problem war nur, Lahr am Eingang des Schuttertals gelegen und hinter dem Schutterlindenberg versteckt, lag gut 3 km von Dinglingen mit seinem Bahnhof entfernt. Warum sollte die bolzengerade projektierte Bahnstrecke in der Rheinebene nicht einen Schlenker nach Lahr machen? Denn auf der Welt gibt es nur 3 Arten von Menschen: “Männle, Wieble und Lohrer!“ Aber alle Vorschläge den Schutterlindenberg mit seinen 300 m Höhe zu umfahren oder zu untertunneln waren technisch möglich aber zu teuer. Der Referent der Regierung stellte lakonisch fest, dass die Lahrer sich bei ihren Vorfahren beschweren sollten, dass sie damals die Siedlung nicht zugleich an der künftigen Bahnlinie gegründet hätten, denn selbst ein Kopfbahnhof Lahr war anfänglich als zumutbar angesehen worden.

Als alles Jammern und Eingaben zur Verlegung der Hauptbahnlinie erfolglos blieben, beschäftigte Lahr 1862 sich mit dem Bau einer Seitenlinie als Zubringer nach Dinglingen. Aber auch da ging gleich das Gezerre los, denn die Direktion der Großherzoglichen Verkehrsanstalten wies nach, dass die Einnahmen die Betriebskosten decken würden aber nicht die Verzinsung. Die Tarife des Transports müssten so erhöht werden, dass der Transport auf der Straße billiger wäre. Aber nach langen Verhandlungen und Eingaben wurde die Seitenbahn als Straßenbahn 1864/65 gebaut, nachdem die Stadt und die Industriebetriebe erhebliche Zuschüsse gegeben hatten. Der Bahnhof befand sich auf dem heutigen Friedrich-Ebert-Platz. Die Bahnlinie wurde dann 1906 verstaatlicht.

Von 1908 bis 1911 wurde ein neuer Bahnhof Lahr-Stadt geplant und gebaut, da sich Lahr immer mehr nach Westen ausdehnte. Zuvor waren nochmals ernsthafte Versuche unternommen worden, eine Verlegung der Eisenbahnlinie zu erreichen, um die Bahnlinie näher an Lahr zu verlegen oder den Bahnhof näher an die Stadt zu bekommen, auch wenn der Bahnhof am der Gemarkungsgrenze von Dinglingen liegen würde. Aber laut Generaldirektion standen die Kosten in keinem vernünftigen Verhältnis zu den gewonnen Vorteilen. Auch Dinglingen wehrte sich mit einer Eingabe, den Bahnhof näher an Lahr zu rücken, da die bisher angesiedelte Industriebetriebe auf den zentralen Bahnhof gesetzt hätten. Das Problem, das schon 1842 mit einer Eingemeindung von Dinglingen- allerdings mit staatlichem Zwang- hätte gelöst werden können, wurde 1972 mit der Eingemeindung gelöst. Wenn der Bahnhof nicht zur Stadt kam, entwickelte sich die Stadt eben zum Bahnhof. Lahr hatte damit endlich das Ziel erreicht, einen eigenen Hauptlinienanschluss zu haben.

Lahr Kaiserstraße 1902



Samstag, 12. August 2023

Was verbirgt sich hinter dem Furtwanger Dr Duffner?

Dr Josef Duffner

In jener Zeit des 18. Jahrhunderts fand im Hochschwarzwal und damit auch in Furtwangen ein wirtschaftlicher Wechsel statt: Nicht mehr die Bauerngeschlechter waren die tragende Säulen der Wirtschaft, sondern die Strohflechterei, später das Uhrengewerbe waren im Vormarsch aber auch die verschiedenen Handwerke ließen sich nieder. In dieser Zeit des Umbruchs wurde Ignatz Duffner (1766-1842) geboren, der mit seiner Frau Agathe (1765-1840) 5 Mädchen und 3 Söhne aufzog. Er war von Beruf Materialist –heute würde man Drogist sagen, da er mit Arzneien, Drogen und Farben handelte. Er war im Zeichen des Wandels der erste Dorfvogt, der nicht aus einem bäuerlichen Geschlecht kam.

Über den Werdegang der Familie ist wenig bekannt. So taucht einer der Söhne als Dr Josef Duffner (1797-1865) im amtlichen Schriftverkehr auf, was auf ein Medizinstudium an einer Universität hinweist. 1929 erhielt der praktizierende Arzt Dr Duffner das Bürgerrecht von Furtwangen und heiratete im gleichen Jahr Theresia Fackler aus  Simonswald, mit der er 8 Kinder hatte. Aber nicht nur als Arzt wurde er in Furtwangen bekannt sondern auch als Unternehmer, Stadtplaner und heute würde man sagen – Lobbyist.

1847 konnte Dr Duffner zum Vorsitzenden des Uhrengewerbevereins für  vier Jahre gewonnen werden, deren Ziel die Uhrmacherschule in Furtwangen sein sollte. Der praktische Arzt war damals schon eine bekannte, beliebte Persönlichkeit im Schwarzwald. Zusätzlich konnte 1850 Robert Gerwig als Leiter der Uhrmacherschule gewonnen werden. Die damals ausgebildeten Taschenuhrmacher fanden aber kein geeignetes Betätigungsfeld, da es noch keine selbstständigen Unternehmer gab, die Taschenuhren serienmäßig herstellten. Hier machte Dr Duffner aus der Not eine Tugend, denn als Vorsitzender des Gewerbevereins gründete er 1853 mit weiteren Furtwanger die „Aktiengesellschaft für Taschenuhr Fabrikation in Furtwangen“. Dass auch nichts schief ging, übernahm er im Verwaltungsrat der Gesellschaft den Vorstandsposten.

Als Robert Gerwig 1856 um seine Entlassung von der Uhrmacherschule bat, da er sich um den Bau der Schwarzwaldbahn kümmern wollte. Da beabsichtigte die Regierung in Karlsruhe, die Uhrmacherschule aufzulösen. Unter anderen bewirkte die Bittschrift von Dr Duffner, dass dies nicht realisiert wurde, denn die Taschenuhrfabrikation konnte nur mit der tatkräftigen Unterstützung der Uhrmacherschule erfolgreich weiterbestehen.

Im gleichen Jahr erreichte er als Vorsitzender des Uhrengewerbevereins die Gründung einer Strohflechtschule, um die Beschäftigungslage dieser Hausgewerbes zu verbessern. Die erste Leiterin wurde die bekannt Cölestine Eisele.

1853 war es Gerwig gelungen mit Unterstützung von Dr Duffner und weiteren Gewerbetreibenden einen Gewerbeverein zu gründen, um die aufkommende Wandlung von der Manufaktur zum Industriebetrieb zu fördern und zu unterstützen.

1857 wurde Furtwangen von einem fürchterlichen Stadtbrand heimgesucht. Zuvor zeigte sich schon der Weitblick von Dr Duffner mit seiner Eingabe an das Bürgermeisteramt der Aufstellung eines Orts- bzw Bauplans für Furtwangen. Wenn sich in Furtwangen Industrie wie die Herstellung von Uhrenkästen entwickeln oder ansiedeln sollte, müssen geeignete Bauplätze her. Aber die Umsetzung stieß dann doch auf gewisse Schwierigkeiten, denn auch Dr Duffner wollte sein Haus am Marktplatz wieder auf die alten Fundamente setzen, denn es war viel billiger als ganz neu anzufangen. Damit war die Vergrößerung des Marktplatzes ausgeschlossen.

Mit 63 Jahren gründete der umtriebige Geist 1860 mit seinen beiden Söhnen Gustaf und Oskar die erste Strohhutfabrik in Furtwangen, nachdem er nach Unterlagen des Stadtarchivs schon seit 20 Jahren mit Strohflechtartikel handelte. Dies war im leicht möglich durch seine verwandtschaftliche Beziehung zur weltbekannten Strohhutgesellschaft Faller & Tritscheller  Cie in Lenzkirch.

Colestine Eisele-Kirner




Furtwangen 1850

Freitag, 4. August 2023

Was verbirgt sich hinter der Phonoindustrie von St Georgen?

Christian Steidinger

St Georgen und seine Umgebung war seit jeher ein wichtiger Ort für die Uhrenindustrie. In der Heimindustrie wurden zusätzlich Uhren, Uhrenteile und Werkzeuge hergestellt. 1873 kam Christian Steidinger auf die Welt, dessen Vorfahren tüchtige Werkzeugmacher im Stockwald zwischen Unterkirnach und St Georgen waren. Er baute in St Georgen erfolgreich eine eigene Werkstatt auf und gründete 1907 mit seinem Bruder Josef die „Gebrüder Steidinger für Feinmechanik“. In aller Munde kamen die Brüder als sie auf der Leipziger Frühjahrsmesse ein Grammaphonlaufwerk vorstellten. Daraufhin brach eine Auftragsflut über das Unternehmen herein. Doch der Erfolg hat immer zwei Gesichter, die Brüder trennten sich 1911: Christian entwickelte sich zu „Dual“, Josef zu „Perpetuum“ später zu „Perpetuum Ebner (PE)“.

Der Siegeszug der Schallplatte verlangte immer mehr nach Grammaphonen. Der Ausbau und die Expansion der Werke in St Georgen konnte kaum Schritt halten, vor allem nachdem Christian Steidinger einen Grammaphonantrieb mit Federlaufwerk und Elektromotor entwickelte. Dazu kam ein magnetischer Tonabnehmer und vollautomatischer Ausschaltung als eine Einheit. Daher der spätere Namen „Dual“-Plattenspieler. Die Söhne Oskar und Siegfried führten nach dem Ausscheiden vom Vater 1936 das Unternehmen zur Weltgeltung.

Aber auch „PE“ profitierte von der immensen Nachfrage nach Grammaphonlaufwerken und entwickelte sich ähnlich dynamisch –groß und größer bis zum Ersten Weltkrieg- wie Dual. Die Kriegsjahre mussten durch Kriegsproduktion überwunden werden und ab 1924 fanden beide Firmen im Gegensatz zur Uhrenindustrie wieder Anschluss an die internationale Konjunktur. Die wilden Zwanziger Jahre forderten ihren Tribut, überall tönten Grammaphone für die Laufwerke produziert werden mussten. In St Georgen schossen die neuen Produktionsstätten von „Dual“ und „PE“ wie Pilze aus dem Boden. Dies wiederholte sich ebenfalls nach dem Zweiten Weltkrieg ab 1949 wurde im Dreischicht-Betrieb gearbeitet. Um die Fortschritt der Technik aufzuzeichnen: Die Auflagekraft der Tonabnehmer reduzierte sich von 100 g auf 6 g. Weiter Meilensteine war die Einführung der Sterophonie. Immer weitere Industriegebiete mussten erschlossen werden, um die wachsenden Werke unterzubringen.

1971 hatten beide Unternehmen fusioniert und unter dem gemeinsamen Namen „Dual“ expandiert, denn die Elektronik verschärfte den internationalen Wettbewerb. In 11 Werken wurden mit über 3.000 Mitarbeitern die Hifi-Produkte für den internationalen Markt produziert. Doch offensichtlich wurde das Rad überdreht, denn die japanischen Marken waren technisch erfolgreicher. 1981 erfolgte der größte Schlag für St Georgen, denn Dual meldete Konkurs mit 150 Mio Schulden an. Von den damals 1.800 Mitarbeiter in St Georgen wurden 1982 nur 200 von dem französischen Staatskonzern „Thomsen-Brandt“ übernommen. 1988 ging der traurige Rest an die „Schneider Elektronics GmbH“.

Was ist heute von der einstigen Weltfirma übrig geblieben. Alfred Fehrenbach, ein begnadeter Techniker und Tüftler, kaufte 1993 die Plattenspielerproduktion von „Schneider Electronics“ und stellt unter „Dual Phono GmbH“ -heute „Dual GmbH“- wieder erfolgreich Plattenspieler her.

Die schon verschwunden geglaubte Schallplatte erlebt in den letzten Jahren eine Renaissance. Dies war Grund genug für Wolfgang Epting und Hans Uwe Lorius die schlafenden Quellen und Resourcen in St Georgen wieder aufzugreifen, um Musikgenuss von allerhöchsten Qualität zu produzieren. Der erste Messeauftritt 2015 auf der „High End“ in München gab den Tüftlern in St Georgen Recht.

Josef Steidinger


 

Freitag, 28. Juli 2023

Was verbirgt sich hinter den alten Berufen im Enztal?


Im Gebiet der oberen Großen Enz -gering besiedelt mit riesigen, weitläufigen Wäldern - lädt die Gegend zum Besuch der alten Zeit den Besucher ein.

Das „blaue Gold des Waldes“ wie früher die Unmengen von Heidelbeeren genannt wurden, hatten für die arme Bevölkerung eine geschichtliche und wirtschaftliche Bedeutung. Die Schulkinder bekamen bis zu 4 Wochen schulfrei, um beim Pflücken der Heidelbeeren zu helfen. So erinnert noch heute in Enzklösterle das jährliche Heidelbeerfest jeweils Mitte Juli an die kostbare Waldfrucht. Neben dem Klassiker, dem Heidelbeerpfannkuchen und der Heidelbeermarmelade, ist das Heidelbeerbuffet mit lauter süßen Versuchungen mehr als Naschen wert. Auch der 12 km lange Heidelbeerweg lädt zum Wandern ein.

Aber nicht nur der Heidelbeeren wegen ist ein Besuch in Enzklösterle, einem ehemaligen kleinen Kloster Enza, zu empfehlen. Die „alten Waldberufe“ können hautnah noch erlebt werden: Am Köhlerweg ist noch eine der am besten erhaltenen Kienrußhütten ihrer Art in Deutschland zu besichtigen, mit der früher Ruß gewonnen wurde. Er wurde für die Herstellung von schwarze Ölfarbe, schwarzer Druckerfarbe oder Stiefelschmiere gebraucht. Weiterhin ist noch ein Salbeofen erhalten, mit dem aus Wurzelholz der Kiefer Teerwasser zum Gerben von Fällen gewonnen wurde. Aber auch Holzteer, Kienöl und zum Schluß zähflüssiges Pech waren Erzeugnisse des Salbeofens. Seit 1980 lässt das Forstamt das alte Gewerbe der Köhlerei zum Gewinnen der Holzkohle auf einer alten Kohlplatte wieder aufleben. Die gebrannte Holzkohle lieferte bei nur der Hälfte des Volumens und knapp einem Viertel des Gewichts etwa das Doppelte an Hitzegraden gegenüber dem Holz.

Ein Schaufloß in der Enz erinnert an die große Zeit der Flößerei. Im Rohnbachtal ist noch eine Erdriese erhalten, mit der die gefällten Stämme von den Bergen zum Polterplatz geriest wurden. Dort wurden die Stämme mit den Wieden zu Flößen zusammengebunden. 1993 hat das Forstamt einen Wiedeofen im Rohnbachtal gebaut, bei dem die Herstellung der Wieden  gezeigt wird. Noch zwei Schwallweiher, Poppel- und Kaltenbachsee sind vorhanden, mit deren Wasser die eingebundenen Flöße auf die Reise geschickt wurden. Um die riesigen Wälder im oberen Murgtal verwerten zu können, wurden die mächtigen Holländerstämme mit 12 Pferden Vorspann über den Berg zum Kaltenbachsee gezogen. Er wurde 1782 als Schwallweiher angelegt. So wurden die Flöße über die Enz, Neckar nach Holland geflößt, da die Badische Regierung sich weigerte, die obere Murg flossbar zu machen.

Aber die Enz wurde nicht nur zur Langholzflößerei benutzt sondern auch zur Scheitholzflößerei. In Enzklösterle-Nonnenmiß führte ein Floßkanal zu einer großen Wiese wo getrocknetes Holz lagerte, das zu bestimmten Zeiten in Wasser geworfen wurde. Der Weg des Holzes bis Bissingen dauerte 14 Tage. Noch heute erinnert in Bietigheim-Bissingen ein Flößerdenkmal an jene Zeit, die ab 1860 stark nachließ. Die Eisenbahn und bessere Straßen verdrängten die Flößerei.

Im Ronbachtal liegt am Unterhang des „Enzwaldes“ der sog. „Harzwäldle“: Hier waren auf mehreren Hektar Waldfläche zahlreiche 230-240 jährige Harzkiefern erhalten geblieben. An verschiedenen Kiefern kann heute noch die Harzgewinnung (Dexel- und Risserverfahren) betrachtet werden. Das  festere Kolophoniumn wurde für Lacke,  Farben und die Munitionsherstellung benötigt. Das flüssigere Terpentinöl wurde vielfach in pharmazeutischen Produkten verwendet. Das Harzen endete erst gegen1920.

Harz-Kiefer

Salbeofen


Freitag, 21. Juli 2023

Was verbirgt sich hinter Theodor Armbruster aus Wolfach?


Theodor Armbruster genannt auch „der Seifensieder“ wurde 1815 in Wolfach geboren. Sein Vater war der weitbekannte Floßherr „Schang“. Nach der Volksschule erlernte er wie üblich ein Handwerk, das des Seifensieders. Nach seiner Gesellenzeit ging er auf Wanderschaft, um sich den notwendigen Weitblick zu verschaffen. Denn er erwanderte nicht nur die damals naheliegenden Städte Berlin, Leipzig, Dresden sondern auch Wien, Budapest und Prag mit Heidelberg und Karlsruhe.

 

Nach seiner Rückkehr ließ er sich als Seifensieder und Lichtermacher nieder, da in Wolfach kein Seifensieder das Handwerk ausübte. 1834 schmückte er den ersten Weihnachtsbaum in Wolfach und Umgebung. Er hatte diesen Brauch aus seiner ausgedehnten Wanderschaft mit gebracht. Heinrich Hansjakob schreibt in seinem Buch, "Waldleute", dass er den Seifensieder im Verdacht hatte, seinen ersten Christbaum zu Liebeszwecken verwendet zu haben. Er zündete ihn acht Tage lang jeden Abend an und gab Jedermann freien Zutritt. Er selbst ging aber in das Haus des Sattlers Rottenburger und lud Mutter und Tochter ein, den ersten Christbaum auch zu beschauen. So bekam er Gelegenheit, das erste Mal das Elternhaus seiner Jeanette zu besuchen – die später seine treue Ehefrau wurde. Aber nicht nur den Weihnachtsbaum präsentierte er den staunenden Wolfachern, sondern auch die ersten Schlittschuhe brachte er nach Wolfach von seiner Wanderschaft mit.

 

1838 im Januar heiratete er seine Jeanette, mit der er dann 66 Jahre Freud und Leid teilte. Da die Zunft des Flößers für ihn verschlossen war, handelte er neben seinem Geschäft mit Hopfenstangen und Rinde, die er ins Elsaß und Pfalz verkaufte.

 

Als 33 jähriger Hitzkopf ließ er sich auch von den aufrührerischen Ideen  der 1848/49 Revolution anstecken. Wurde auf Grund eines Hinweises durch den Bürgermeister von preußischen Truppen wegen seines liberalen Gedankengutes verhaftet und in Freiburg interniert. Nach einem Monat wurde er auf Kaution entlassen und konnte mit Freude zu seiner Jeanette heimkehren.

 

Der Seifensieder war ein angesehener und respektierter Bürger in Wolfach, der auch als Jäger und Fischer unterwegs war. Er gründete die Herrengartengesellschaft -ein Kegelclub-, die Feuerwehr, des Kriegervereins und des Verschönerungsvereins mit und war einer der Mitgründer der Sparkasse zu Wolfach. Jahrelang war er als geschätzter Narrenvater unterwegs. Balthasar  Göringer aus Bad Rippoldsau kaufte das Funkenbad in Wolfach und gründete mit Theodor Armbruster das Kiefernnadelbad.

 

1877 übergab er das Geschäft an seinen Sohn, der allerdings 1888 infolge einer Kriegsverletzung aus dem 70/71er Krieg schon früh verstarb. Schon 10 Jahre später verstarb der Seifensieder im Juli hochbetagt und angesehen, nachdem er mit seiner Jeanette im Januar im offenen Wagen seine diamantene Hochzeit feiern konnte.

Armbruster wird 1849 verhaftet


 

 

Freitag, 14. Juli 2023

Was verbirgt sich hinter der Murgschifferschaft?


Die Entstehung der Murgschifferschaft liegt im Dunkel der Geschichte. Die Erschließung des Murgtals und deren Seitentäler im 13. Jahrhundert ist sicherlich der Grund dafür, dass die Grafen von Eberstein Gernsbach gegründet hatten. Die Ausweitung des Holzhandels führte 1488 dazu, dass eine genossenschaftliche Ordnung des gemeynen Holzgewerbs im Murgentall“ beschlossen und in 41 Artikeln mit 396 Punkten der Geschäftsbetrieb insbesondere der Holzhandel, Sägerei und Flößerei festgelegt wurde. Sitz der Gesellschaft war Gernsbach. Damit ist sie wohl die älteste Gesellschaft in der Bundesrepublik Deutschland.

 

Geheimnis des Überlebens der Murgschifferschaft bis zum heutigen Tag war eine strenge Berufsteilung: Hoheit und Verwaltung hatten vier Hauptschiffer. Sie vertraten die Schifferschaft nach außen hin. Sie wurden immer nur für 2 Jahre gewählt, um eine eigene Machtpolitik einzugrenzen. Die eigentlichen Unternehmer und Kapitalbesitzer waren die Rheinschiffer, Waldschiffer und in einer dritten Gruppe wurden die Säger, Waldhauer und Fuhrleute als Dienst- und Hilfspersonal zusammengefasst. Diese Regelung hatte bis Mitte 16. Jahrhundert Bestand. Ab dann wurde sie durch einen einzigen Schiffer wie den bekannten Schiffer Jakob Kast von 1587-1615 vertreten. Heute sind Anteile in 100.000 „Waldrechte“ aufgeteilt, die auf ca. 120 Genossenschafter verteilt sind. Größter Anteilseigener ist mit ca. 55.000 Waldrechten das Land Baden-Württemberg. Die gesetzliche Vertretung obliegt dem Verwaltungsrat, der sich aus den drei höchstbeteiligten Genossenschaftern und zwei gewählten Genossenschaftern zusammensetzt. Das Land als eigener der Anteilsmehrheit hat nur eine der fünf Stimmen im Verwaltungsrat.

 

An die Stelle der Waldnutzungsrechte, mit denen die Murgschiffer im Mittelalter von ihren Landesherren, den Grafen von Eberstein und den Markgrafen von Baden, belehnt wurden, trat gegen Ende des 15. Jahrhunderts der Erwerb vom eigenen Grundbesitz der stets klammen Landesherren durch die Genossenschaft. Vom 30-jährigen Krieg hat sich die Murgschifferschaft erst Mitte des 18. Jahrhunderts erholt. Hauptbetätigungsfeld waren Brenn- und Schnittholz. Brennholz kam durch die Scheitholzflößerei zum Kunden und das Schnittholz als Oblast auf den Flößen. Allein 1505 wurden zwischen Forbach und Ottenau 26 Sägewerke gezählt.

 

Die bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts planlose Abholzung und schrankenlose Waldweide führten zum Kahlschlag weiter Landstriche. Im Jahr 1814 war nur noch ein Viertel des Schifferwaldes mit verwertbaren Bäumen bewachsen. Bis 1833 wurden die Flächen auf der Grundlage der Badischen Forstgesetze, die Nachhaltigkeit forderten, mit Fichten, Tannen, und Kiefern neu bestockt.

 

Im Verlauf des 19. Jahrhunderts verlor die Flößerei durch den Eisenbahnbau, der von der Murgschifferschaft gefordert und gefördert wurde, an Bedeutung. Dies obwohl mit  der Eröffnung dieser 1896 das Todesurteil über die Flößerei gesprochen war. Aber schon rechtzeitig hatten die Murgschiffer sich nicht nur auf die Flößerei festgelegt sondern aus den unzähligen Sägewerken gingen zahlreiche Gesellschaften hervor, die heute Papier, Kartonagen und Verpackungen, Spanplatten und Bierfilze fertigen. Aber die Aktivitäten der Murgschifferschaft waren nicht nur die Wald- und Holzwirtschaft sondern auf ihre Aktivitäten ging die Gründung der Bezirkssparkasse Gernsbach zurück.

Wildflößerei 1856 Raumünzach


  

Dienstag, 11. Juli 2023

Was verbirgt sich hinter dem Furtwänglerhof in Furtwangen?

Furtwänglerhof vor dem Brand

Im oberen Katzensteig nahe bei der Wasserscheide von Rhein und Donau liegt auf 1000 m Höhe der Furtwänglehof. Er war ein Lehenshof des Klosters St Georgen und damit in vielen Dingen abhängig. Das Eigentum des Lehensbauers war auf die jeweilige Lebenszeit beschränkt und durfte nicht verkauft werden. Nach dem Tod musste der „Fall“ geleistet werden, d.h. das beste Stück Vieh im Stall musste dem Kloster abgeliefert werden. Der Nachfolger hatte einen Treueeid dem Kloster zu   leisten. Da die Lehensbauern in der Region zumeist auch Leibeigene des Klosters waren, musste auch der „Leibfall“ geleistet werden, d.h.es war das beste Gewand dem Kloster abzuliefern.

 

Das Kloster St Georgen wurde 1084 gegründet und hat vor allem die Besiedlung des Schwarzwaldes  und damit auch die Besiedlung von Furtwangen vorangetrieben. Die Aufgabe der Leibeigenschaft des Kloster St Georgen wurde 1739 abgelöst und erst allgemein 1781 durch den Kaiser abgeschafft. Erst 1830 konnten die Lehensbauern die Lehenspflicht mit dem 18-fachen der bisherigen jährlichen Abgaben ablösen. 1783 war der Furtwänglehof der drittgrößte Lehenshof in Furtwangen mit 115 ha.

 

Um 1300 wurde auf dem Hofe schon ein Henni im Furtwenglin nachgewiesen. Ab 1480 war ein Clösi Furtwängler zu verzeichnen, die 154 Jahre diesen Hof mit diesem Namensträger bewirtschaftete. Weitere 73 Jahre wurde er mütterlicherseits in der Familie geführt, da der Erbe früh starb, und die Mutter wieder heiratete und so der Hof unter Fehrenbach lief.

 

Der Name des Geschlechts und damit der Hofname rühren sicher von der Hochfläche „Furtwängle“ her, die den Übergang vom Bregtal ins Elztal bezeichnet, die zuerst besiedelt worden war. Die Frage, die nicht mit Sicherheit beantwortet werden kann, gaben der Familien- und Hofname der Stadt den Namen „Furtwangen“.

 

Der Hof wurde 1820 von der Familie Kaltenbach übernommen, die auch nebenher sich als Uhrmacher betätigten. Er brannte 1910 durch Brandstiftung bis auf die Grundmauern nieder und wurde von Klemens Kaltenbach sofort wieder aufgebaut. Die Familie Kaltenbach bewirtschaftet diesen Hof bis heute und stammte ursprünglich vom Reinertonisenhof in Schönwald.

 

Auch auf dem Oberheubachhof in Neukirch wirtschaftete von 1492 bis 1901 das Geschlecht der Furtwängler. Ob die Neukircher Furtwängler vom Furtwänglehof in Furtwangen stammen, ist möglich aber nicht belegbar. Mütterlicherseits wurde durch die Heirat der Tochter Furtwängler der Familienname zu Faller, die den Hof bis heute bewirtschaften.

 

Die Familie Furtwängler war nicht nur ein segensreiches Bauerngeschlecht in Furtwangen und Neukirch sondern die Familie Furtwängler war auch die Quelle vieler über die Region hinaus bekannter Persönlichkeiten. Der Uhrmacher Lorenz Furtwängler (1807-1864) vom Schwefeldobel in Gütenbach legte die Grundlage der Lorenz Furtwängler Uhrenfabrik in Furtwangen, die dann später von seinen 4 Söhnen gegründet wurde. Sein Bruder, Philipp Furtwängler  (1800-1867), ging nach Elze bei Hildesheim und war ein erfolgreicher Orgelbauer. Bruder Wilhelm (1829-1883) war der spätere Direktor des Bertold Gymnasiums in Freiburg und Großvater des erfolgreichsten Dirigenten des 20. Jahrhunderts, Wilhelm Furtwängler (1886-1954).

 

Eindeutig belegbar ist, dass obige Persönlichkeiten nicht vom Furtwänglehof in Furtwangen –wie oft behauptet- stammen sondern vom Oberheubachhof in Neukirch .