Freitag, 24. März 2023

Was verbirgt sich hinter den Wanderungen der Glashütten Im Schwarzwald?


Die frühen Glashütten ab dem 13. Jahrhundert hatten als Grundlage einen Vertrag über eine bestimmte Laufzeit zwischen einem Kloster oder der weltlichen Standesherrschaft zur Ausnutzung der unzugänglichen Waldgebiete. Es waren zumeist zwischen 5 bis 10 Glasbläser, die gemeinschaftlich eine Glashütte mit dem notwendigen Hilfspersonal betrieben aber zur Verkaufsseite selbstständig waren: Jeder hat für sich seine eigene Erzeugnisse geblasen  und verkaufte sie als Hausierer selber oder dem Glasträger. War das zugewiesene Waldstück kahl geschlagen, wurde die Glashütte im neu zugewiesenen Waldstück wiederum errichtet. Die Glasbläser genossen verschiedene Privilegien wie Steuerfreiheit, keine Fronarbeit oder Wehrdienst. Erst später wurden die Glashütten gemeinsam oder durch Einzelpersonen als Unternehmerglashütten betrieben.

Beispiel hierfür war die Gründung einer Glashütte des Klosters St Blasien 1597 im Muchenland, Althütte bis 1684, Wildbergtal bis1716 –alles Blasiwald. Dann der Sprung nach Äule am Schluchsee. 1807 nach der Säkularisierung  des Klosters kam der Übergang zum Großherzogtum Baden. 1825 übernahmen die Glasbläser von Äule die Hütte in einer eigenen Gesellschaft. 1878 wurde der Betrieb still gelegt.

Die Glashütte des Kloster St Peter, gegründet 1683 hatte verschiedene Standorte im Knobelwald, da die Laufzeit 50 Jahre betragen sollte. Nach 42 Jahren war aber der gesamte Holzvorrat aufgebraucht, so dass die Glasbläser ins Vorderösterreichische Bubenbach bei Bräunlingen vermittelt wurden. 1872 waren aber auch dort alle Holzvorräte aufgebraucht.

Die Fürstliche Fürstenbergische Rotwasserhütte wurde 1636 bis 1706 im Gebiet Altglashütten betrieben, von 1706 bis 1721 wurde sie nach Neuglashütten verlegt. Nachdem der Holzvorrat erschöpft war, bot die Fürstliche  Fürstenbergische Verwaltung den Glasmachern den Zinken Herzogenweiler für 50 Jahre. 1818 schlossen sich Glasbläser zu einer Unternehmerglashütte zusammen, aber das Aus kam 1855. Faller & Co aus Lenzkirch betrieb die Glashütte noch bis 1880.

1698 wollte der badische Markgraf Ludwig Wilhelm ebenfalls eine Glashütte haben und vereinbarte mit den Glasbläsern aus  dem Klostergebiet von St Blasien eine Glashütte auf dem Mittelberg im Nordschwarzwald als traditionelle Glashütte zu betreiben. Nach 60 Jahren waren die Holzvorräte aufgebraucht, eine weitere Wanderung der Glashütte war wegen der Murgtalschifferschaft nicht möglich. 1760 trat Anton Rinderschwender aus Gaggenau als Pächter an und erklärte sich bereit, das geschlagene und liegende Holz zu verfeuern. 1772 bekam er die markgräfliche Genehmigung, die Glashütte nach Gaggenau zu holen und betrieb sie als Unternehmerglashütte. 1869 ging die erfolgreiche Glashütte in Konkurs. Aber die Pfälzer Glasträgercompanie übernahm die Glashütte. 1910 war diese froh, das Gelände der Eisenwerke AG zu verkaufen.

1758 wurde die Glashütte Buhlbach, heute ein Ortsteil von Baiersbronn, gegründet und kam 1800 in den Besitz der Familie Böhringer. Der letzte Glasofen wurde 1909 gelöscht. Wegen der Abgeschiedenheit von Baiersbronn übernahm 1874 Mathäi Josef Böhringer die 1846 gegründete Glashütte in Wolterdingen. Aber diese wurde ebenfalls 1909 geschlossen.

Trotz Umstellung des Glasbetriebes von Pottasche auf Soda als Flussmittel und von Holz auf Kohlefeuerung waren die Glasbetriebe manche trotz Eisenbahnanschluss zu weit von den Kohlezechen und den Märkten abgelegen. Nur die Glashütte Achern, ein Ableger aus Buhlbach, überlebte erfolgreich und wurde 2012 aus strategischen Gründen von den Amerikanern geschlossen. Die Dorotheenhütte in Wolfach ist eine Nachkriegsgründung, um Glasbläser aus Schlesien zu beschäftigen.

Glasbläserin Dorotheenhütte Wolfach


Freitag, 17. März 2023

Was verbirgt sich hinter dem Orgelbauer Philipp Furtwängler?

Furtwängler mit L.Ebeling

Philipp Furtwängler (1800-1867) war das 3. Kind von 12 Kindern des Fruchthändlers und Bauers Bartholomäus Furtwängler und seiner Frau Helena Dold im Vogtsgrund von Gütenbach.

Schon früh lernte er bei seinem  ältesten Bruder Johann das Uhrmacherhandwerk und bald kam der Wunsch auf, raus aus dem engen Schwarzwald und in der Fremde sein Glück zu suchen. Das sonntägliche Gequietsche der Gütenbacher Orgel weckte in ihm als Uhrmacher das Interesse für die Orgel.

1820/21 verließ er Gütenbach, landete in Elze bei Hildesheim, kam bei einem Orgelbauer unter und erwarb dort das Bürgerrecht. Er baute dort seine Schwarzwälder Schottenuhren, die aber im Norden nur auf mäßige Gegenliebe stießen.

Um sesshaft zu werden, heiratete er 1828 Christine Heuer und trat mit der Hochzeit zum protestantischen Glauben über. Nach dem frühen Tod seiner Frau 1844 heiratete er eine Bekannte seiner Frau, Luise Ebeling.

Schon bald wurde ihm klar, dass es mit den Schwarzwälder Uhren keine Zukunftsperspektive gab. So verlegte er sich auf den Turmuhrbau, baute Uhren für  die hannoverischen Bahnhöfe und Kirchen. Alle Bahnhöfe zwischen Göttingen und Hannover sind mit seinen Uhren ausgestattet. 1823 wurde ihm die Wartung der St-Peter-und-Pauls-Kirche von Elze übertragen. Aber schon bald machte er sich einen Namen als Orgelbauer und belieferte anfänglich dörfliche Kirchengemeinden mit Orgeln. Aber nach und nach sprachen sich seine perfekten Arbeiten herum, denn er baute Orgeln in Münder, Buxtehude, Lüneburg, Soltau, Münster und Hannover. Sein Meisterwerk war aber die Orgel der St-Matthi-Kirche von Gronau 1860, die 1952 unter Denkmalschutz gestellt wurde.  1858 hatte er schon eine Orgel mit 26 Registern für seine Heimatgemeinde Gütenbach angefertigt, die beim Abriss der Kirche 1961 zerlegt wurde und heute in der Lutherkirche Baden-Baden Lichtental weiter gespielt wird. 1865 fertigte er auch für die Gütenbacher Kirche die Turmuhr an.

1863 gewann er in Hamburg einen Wettbewerb, bei dem alles was Rang und Namen im Orgelbau hatte, einen Entwurf zum Bau der Orgel abgab. 1864 hatte er neues Wohnhaus in Elze gebaut mit einer nebenstehenden Fabrik, denn er beschäftigte neben seinem Sohn Wilhelm bis zu 20 Mitarbeiter.

Nach seinem frühen Tode 1867 übernahmen seine Söhne Wilhelm und Pius die Firma und führten sie als „Philipp Furtwängler & Söhne“ weiter. Insgesamt wurden 220 Orgeln im Unternehmen gebaut, die selbst in Brasilien und Venezuela zu finden sind. Allerdings ist das Unternehmen mit dem Tode von Wilhelm 1883 erloschen.

Pius musste Zahlungsunfähigkeit anmelden und tat sich mit Adolf Hammer aus Herzberg zusammen und firmierte „P. Furtwängler & Hammer“ mit Sitz in Hannover. Auch nach dem Ausscheiden von Pius Furtwängler 1892 behielt das Unternehmen seinen Namen bis 1937. Noch heute firmiert das Unternehmen unter „Emil Hammer 1838“.


Freitag, 10. März 2023

Was verbirgt sich hinter den Römerstraßen des südlichen Schwarzwalds?

Römischer Meilenstein

Zur Sicherung ihrer Macht bauten die Römer im ganzen Land ein Straßennetz mit Stützpunkten auf. Bereits im Jahr 73/74 n Chr ließ Kaiser Vespasian in Folge eines Feldzugs des Gnaeus Pinarus Cornelius Clemens, eine Straße von Straßburg (Argentorate) nach Rottweil (Arae Flaviae) anlegen. Die befestigte Straße führte nach Offenburg-Gengenbach-Haslach-Wolfach Schiltach- Brandsteig-Waldmössingen. Heute ist bekannt, dass die Römer oft die vorhandenen Trassen und Siedlungsplätze der Kelten zurückgegriffen haben. An vielen Stellen im Kinzigtal belegen römische Fundstellen sowie Gräber die römische Anwesenheit. Sie zeigen neben der landwirtschaftlich orientierten Besiedlung sogar gewerbliche Tätigkeiten wie einen Ziegelbrennofen bei Gengenbach oder der römische Meilenstein von Offenburg, der 74 n Chr die Kinzigtalstraße erwähnt.

Gesichert ist, dass die Römerstraße durch das Kastell Offenburg führte, immer der Kinzig entlang, Vor Eulersbach bei Schiltach am unteren Hang des Gumpenbergs ansteigend über den Hohensteinfelsen, um die Engstelle der Kinzig zu vermeiden. Die Schiltach wurde in der Nähe ihrer Einmündung in die Kinzig in einer Furt durchschritten. Die Straße führte von Schiltach Richtung Schenkenzell an den unteren Berghängen in das vordere Kaibachtal hinauf auf den flachen Brandsteigpass. Dort befand sich eine Mansio- eine Straßenstation. Sie diente auf der beherrschenden Höhe, die Wegstelle zu sichern, bot den Reisenden Unterkunft und Verpflegung, war auch als Umspannstation für Pferde- und Wagenwechsel. Es wurde auch ein Votivstein der Göttin Abnoba, Göttin des Schwarzwaldes, gefunden.

Weiter ging es nach Waldmössingen zum Kastell.

Kastell Waldmössingen

Tatsächlich hat man die Reste von zwei sich ablösenden Militärlagern, von jeweils etwa 2 ha Innenflächen, nachweisen können und ausgegraben. Dem Steinkastell ging ein Holz-Erdlager an derselben Stelle voraus. Beim Steinlager waren an drei von vier Seiten Toreinfahrten. Neben den 4 Ecktürmen war die Mauer mit Zwischentürmen bewehrt. Spätestens mit Ausgabe des Limesgebietes rechts des Rheins und nördlich der Donau wurde auch Waldmössingen ca 260 n Chr verlassen.

In den letzten Jahren hat sich die Vermutung verdichtet, dass es auch südlich im Schwarzwald eine Römerstraße gegeben hat, die wohl zuvor aus der Eisenzeit stammte, von den Römern und bis ins frühe Mittelalter benutzt wurde. Hier war die Entfernung zur Durchquerung nur 100 km anstatt 160 km wie im Kinzigtal. Der nördliche Zweig führte durch das Glottertal, wo römische Fundstücke zu Tag kamen, über St Peter hinauf nach St Märgen. Auch hier wurden römische Münzen gefunden. Der südliche Zweig führte über Freiburg-Zartner Becken- wobei das keltische Tarodunon als römische Station ausgebaut war. Weiter ging es ins Dreisamtal-durch das Wagensteigtal hinauf. In diesem wurden nahe dem Metzgerbauernhof beim Aushub für Fundamente ein längeres Stück gepflasterte Straße entdeckt, das auf römische Befestigung schließen lässt. Am Thurnerpass vereinten sich  die beiden Zustiege und verliefen entlang der Wasserscheide –Hohler Graben, nördlich des heutigen Titisee-Neustadt weiter nach Osten Richtung Villingen oder südlich Richtung Bräunlingen und Hüfingen.

Thurnerstraße


Freitag, 3. März 2023

Was verbirgt sich hinter den beiden Klosterorten des Klosters St Georgen?

Kloster St Georgen

Das Kloster Hirsau, eines der einflussreichsten des Schwarzwalds, wurde 830 gegründet und erfuhr 1049 eine Wiedergründung. Was lag also näher, den Abt Wilhelm von Hirsau um Beistand für eine weitere Klostergründung zu gewinnen. Als erste Maßnahme setzte er als Ort der Klostergründung den „Scheitel Alemaniens“ dem heutigen St Georgen durch. Bei anderen Orten würde er die Mitarbeit verweigern.1084 erschienen die ersten Klosterbrüder von Hirsau und 1085 konnte die frisch errichtete Holzkapelle vom Konstanzer Bischof geweiht werden. Um den Start des Benediktinerklosters St Georgen zu garantieren, kamen die ersten Äbte ebenfalls aus Hirsau.

Das Kloster wuchs und gedieh erfolgreich und eine der wichtigsten Aufgaben war die Besiedlung des Mittleren Schwarzwalds. Das Kloster vergab Flächen an Bauern, die die Wälder rodeten, ihre Behausungen bauten, Landwirtschaft betrieben und dem Kloster gegenüber zinspflichtig oder Leibeigene waren.

Die Katastrophe brach über das Kloster herein, als an Weihnachten 1534 der herzogliche Befehl eröffnet wurde, alle katholische Pfarrer zu entfernen. Anstatt deren muss der Abt evangelische Prädikanten (Prediger) einsetzen. Im April wurde Hans Spreter als erster evangelischer Pfarrer nach St Georgen entsandt. Der katholische Abt verweigerte ihm die Kanzel und bat bei der Standesherrschaft um die Abberufung Spreters. Die Lage des Klosters verschärfte sich immer mehr: Auf der einen Seite der Abt, der das Evangelium vom Kloster fern halten wollte, auf der anderen Seite der württembergische Herzog, der das Evangelium im ganzen Land einführen wollte. Im Januar 1536 war es soweit, den Mönchen wurde vom württembergischen Vogt empfohlen, nach  dem Kloster Maulbronn zu gehen oder sich pensionieren zu lassen. Daraufhin wurden Kisten und Kasten aufgebrochen, aus der Kirche die Monstranz, Kelche und Messgewänder mitgenommen. Die Klosterpforte wurde hinter dem letzten abziehenden Mönch geschlossen. Diese zogen über Rottweil mit Hilfe des Erzhauses Österreich zu den St Georgenschen Besitzungen in Villingen. Das Kuriosum trat 1566 dann ein: Das Kloster St Georgen hatte zwei Äbte –einen evangelischen in St Georgen und einen katholischen in Villingen.

1633 wurde St. Georgen durch Villingen angegriffen, das Kloster fast ganz zerstört und nicht wieder aufgebaut. Die Klosterreste verfielen weiter. Nach dem großen Brand des Ortes 1865 wurde das verfallene Kloster als Steinbruch für den Wiederaufbau St Georgens verwendet.

Es gab an Stelle des zerstörten Klosters ein württembergisches Klosteramt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde St. Georgen im Jahre 1648 endgültig württembergisch. Bis 1704 residierten im Klosteramt St. Georgen evangelische Äbte.

Nachdem es nach dem 30jährigen Krieg 1648 keine Hoffnung auf eine Rückkehr der katholischen Äbte nach St Georgen mehr gab, wurde der Pfleghof in Villingen –ein Besitz des Klosters St Georgen- zum Kloster St Georg mit einem viergeschossigen Konventhaus mit Sakristei, Kapitelsaal, Refektorium und Bibliothek zwischen 1688 und 1725 erweitert. 1756 kam die barocke Klosterkirche mit einer Silbermannnorgel hinzu. Ab 1650 wurde ein Gymnasium aufgebaut, dem 1774 die Schule der Franziskaner angegliedert wurde und das die österreichischen Behörden 1777 zu einem auf das Universitätsstudium vorbereitenden Lyzeum aufwerteten.

1805/06 wurde Villingen anfangs Württemberg, dann aber Baden zugeschlagen; die neuen Herren hoben das Kloster St. Georg in Villingen sofort auf. Am Schluss beherbergte der Konvent immer noch gut zwei Dutzend Patres und einen Laienbruder. Sie wurden mit Pensionen oder mit Pfarrstellen abgefunden.

                                                         Kloster St Georg Villingen 1805

Freitag, 24. Februar 2023

Was verbirgt sich hinter dem Gründer der Junghans Uhren Erhard Junghans?

Erhard Junghans 1823-1870

Die Familie Junghans kam von Horb nach Zell a. H. wo Nikolaus Junghans Arbeit in der Steingutfabrik fand. Auch sein begabter Sohn Erhard geboren am 1.1.1820
fand dort Arbeit. Sein zweiter Bruder erlernte das Schreinerhandwerk und wanderte in die USA aus. Isidor Faisst, ein Sohn des Hermesbur in Nordrach, erweiterte in Schramberg seine Majolicafabrik und entsann sich des tüchtigen Nikolaus Junghans aus gemeinsamer Zeit und warb ihn als Kupferstecher ab.

 

In Schramberg angesiedelt wurde der Geschäftsführer der Strohmanufaktur auf den begabten Erhard aufmerksam. Johannes Tobler ließ ihn kaufmännisch ausbilden und in der französischen Sprache unterrichten. Um neue Märkte zu erschließen, bereiste er Frankreich und der Schweiz. Er brachte es bis zum Geschäftsführer, heiratete die Tochter des Geschäftsführers und wurde Teilhaber der Strohmanufaktur.

 

Der Leiter der „Centralstelle für Handel und Gewerbe“, Ferdinand von Steinbeis, lernte Erhard Junghans kennen und schlug ihm 1852 vor, eine Uhrenfabrik in Schramberg zu gründen, da das heimische Uhrengewerbe unter der amerikanischen Konkurrenz zu erliegen drohte.  Während 1808 110.000 Uhren im Schwarzwald hergestellt wurden, waren es im Jahre 1857 700.000 pro Jahr. Aber im gleichen Jahr kamen in Hamburg rund 1.000 Sendungen mit amerikanischen Uhren an und verdrängten die Schwarzwälder Uhr vom Markt. Dies obwohl der Preis pro Uhr von 3,5 auf 2 Gulden gesunken war.

 

Erhard Junghans hatte mit seinen Bruder in den USA schon korrespondiert und ihn beauftragt, sich mit der Uhrenherstellung zu beschäftigen. Xaver sollte die dort im Einsatz befindlichen Maschinen kaufen und mit diesen nach Schramberg kommen. Die beiden Brüder gründeten 1863 in Schramberg tatsächlich die „Gebrüder Junghans OHG“.

 

Mit viel Fleiß und Überzeugungskraft gelang Erhard die skeptischen Uhrmacher in seinem Betrieb zu integrieren und die amerikanische Konkurrenz im Deutschen Reich zurückzudrängen. Die Schwarzwälder Uhren jener Zeit waren aus den vielen Handwerksbetrieben einzelne Unikate. Die amerikanischen Uhren waren gekennzeichnet durch einfachste Konstruktionsweise und maschinelle Herstellung der Uhrenteile, die eine gänzliche Austauschbarkeit der Teile gewährleistete

 

Mit dem Tode von Erhard Junghans 1870 produzierten 100 Beschäftigte  täglich 80-100 Uhren. 1872 ging Erhard jun. nach dem frühen Tod des Vaters in die USA, arbeitete in der amerikanischen Uhrenindustrie und perfektionierte damit sein Wissen über amerikanische Produktion und deren Rationalisierung. Die beiden Söhne Erhard jun. und Arthur übernahmen 1875 von ihrer Mutter den Betrieb. Xaver Junghans war wieder in die USA ausgewandert.

 

Wie wichtig und richtig Junghans gehandelt hatte, zeigte sich, dass sein Schwager Paul Landenberger Prokurist bei Junghans in Schramberg 1876 die Hamburg-Amerikanische Uhrenfabrik (H.A.U) gegründet hatte. Ab 1886/87 fertigten Friedrich Mauthe, ab 1894 Schlenker & Kienzle Uhren nach dem amerikanischen System in Schwenningen und wurden wie Junghans zu Großbetrieben.

 

Damit war im Schwarzwald neben Glashütte in Sachsen, Ruhla in Thüringen und Freiburg in Schlesien ein wichtiges Zentrum der deutschen Uhrenindustrie entstanden.

Samstag, 18. Februar 2023

Was verbirgt sich hinter der Fasnacht?

Wolfacher Narrenbrunnen 1990

Die schwäbisch-alemannischen Fastnacht- oder auch Fasnet genannt- hat eine sehr lange nicht nur christliche Tradition. Die Wurzeln sind vielfältig. Sie reichen bis in die Perser- und Römerzeit. Es handelt sich um Formen eines heidnischen nicht zu unterdrückenden Festes. Deswegen flossen  christliche Umdeutungen des vorhandenen Heidentums mit ein. Mittelalterliche Zunftübungen vor allem aus dem Nürnberger und dem Basler Raum wurde mit Neuzeitlichem vermischt.

 

Die Fastnacht ist eine reine Straßenfasnet unter Beteiligung der Bevölkerung.  Jeder kann und darf –egal woher-  mitmachen. Dies, obwohl die weltliche Obrigkeit es immer wieder versucht hat, zu unterbinden. „Die Fasnacht als eine heidnische Onsinnigkeit soll von neuem verpoten sein und abgestellt.“ So die Fürstlich Fürstenbergische Landesordnung von 1543.

 

Ein typisches Merkmal der Fasnacht ist das uralte Rügerecht. Es ist die Gelegenheit gegen die weltliche Obrigkeit und später das Bürgertum vom „Leder zu ziehen“.  Gruppen ziehen beim Schnurren von Lokal zu Lokal. Wehe dem Unglücksraben, der in die Klauen einer Schnurre fällt. Überregional bekannt ist das seit 1687 verbürgte Stockacher Narrengericht.

 

Zur schwäbisch-alemannischen Fastnacht gehören die verkleideten Figuren mit ihren phantasievollen Holzmasken. Die älteste Form der Fastnachtsfiguren sind die Hansel, die nachweislich im 15. Und 16. Jahrhundert sich entwickelt haben. Hierzu gehören auch die Geschell-Narros. Durch die alten Vorstellungen, dass die Hexen im Pakt mit dem Teufel stünden, hat sich neben den überall bekannten Hexen eine fastnachtliche Teufelsgestalt entwickelt.

 

Ganz typisch für die Straßenfastnacht sind die zahlreichen Umzüge in jeglicher Form. Als Besonderheit bei den Umzügen gilt seit 1936 die Schramberger „Da-Bach-na-Fahrt“ im Holzzuber auf der Schiltach. Es ist die Gelegenheit für die Maskenträger, Narrenkapellen und jedem Narren sich mit seinen überlieferten Traditionen –wie das Morgenanläuten-,  Ideen und Anliegen an die Öffentlichkeit zu wenden. Aber es haben sich im Laufe der Zeit auch Sonderformen gebildet: Die Geldbeutelwäsche in Wolfach seit 1865 aber auch in Furtwangen und im Bächle in Freiburg nach Ende der offiziellen Fastnacht am Aschermittwoch.

 

Der Beginn der Fastnacht am „Schmutzige Dunschdig“ bis Aschermittwoch richtet sich nach der Fastenzeit. Diese beginnt 40 Tage vor dem Ostersonntag – ohne die Sonntage gerechnet. Die Synode von Benevent 1091  nahm die Sonntage aus der Fastenzeit heraus. Um aber wieder auf 40 Fastentage zu kommen, wurde der Beginn der Fastenzeit auf den Aschermittwoch vorverlegt. Die Bauernfasnacht oder Alte Fasnacht hat sich in bestimmten Regionen im Gegensatz zur Herrenfastnacht am Wochenende nach Aschermittwoch vor allem in evangelischen Gebieten des Schwarzwaldes erhalten. Am Montag nach diesem Sonntag, dem Funkensonntag, findet um 5 Uhr morgens der „Morgestraich“ in Basel statt.

 

Seit vielen Jahren wird versucht die Fastnachtzeit auszudehnen und schon am 11.11. – dem Ende der Flößerzeit- als Maskenabstauben beginnen zu lassen.

 

Ganz im Gegensatz zur schwäbisch-alemannischen Fasnacht steht der rheinische Karneval, der 1823 vom preußischen Generalmajor, Baron von Czettritz, in Köln aus der Taufe gehoben wurde. Um 1838 beschlossen die Bürger von Mainz den Karneval ebenfalls einzuführen, um das Geschäft zu beleben, 1893 begann der Münchner Fasching.

 

Freitag, 10. Februar 2023

Was verbirgt sich hinter dem Wintersportvergnügen des Titisees?


Nachdem kurz vor 1900 die ersten Skiclubs im Hochschwarzwald gegründet wurden, das Skifahren und Skispringen sich zu einem Breitensport sich entwickelten, rückte der Titisee in den Blickpunkt der Möglichkeiten des Wintersports:

So fand im Januar 1924 erstmals ein „Eisfest“ mit Eiskunstlauf, Eisschnelllauf und Eistanz statt. Der Erfolg dieser Veranstaltung ließ die Fachwelt aufhorchen, denn schon im darauffolgenden Jahr fand die deutsche Eisschnelllaufmeisterschaft auf dem Titisee statt. Auch 1926 fanden wiederum Eisspiele mit dem Titel „Deutsche Winterolympiade“ auf dem See statt. So gab es auch im Jahr 1927 Eisschnelllauf und Eiskunstlauf-Wettbewerbe.

Aber die Veranstalter am Titisee hatten den Nervenkitzel noch nicht ganz ausgereizt. 1929 wurden Motorradrennen auf dem zugefrorenen See ausgeschrieben. Auch hier sprach sich der Erfolg in Fachkreisen schnell herum. 1931 schrieb der Freiburger Motorradclub ein Motorradrennen auf dem See aus. Die Erfolge in den kommenden Jahren waren so grandios, dass 1932 der ADAC mit dem Kurverein die Rennen nicht nur für Motorräder sondern auch für Autos national ausschrieben.

Die Rennveranstaltung 1933 brach sämtliche Rekorde, denn bis zu 10.000 Besucher verfolgten Auto- und Motorradrennen. Der Rennfahrer Hans Stuck raste mit mehr als 100 km/h über das Eis des Titisees zum Sieg. 

Ab 1934 wurde die Spannung durch eine Kombination Motorrad gegen Auto gegen Flugzeug erhöht. Das lockte über 15.000 Besucher mit Sonderzügen aus der Schweiz, dem Elsaß und dem Süden der Republik an. Flugzeuge mussten in geringer Höhe sieben Runden über dem See drehen, die Rennwagen 4,5 Runden und die Rennmotorräder drei Runden dagegen auf dem See fahren. Sieger wurde ein Egon Roth mit seinem Rennmotorrad. Im Beiprogramm trat der bekannte Jagd- und Kunstflieger Ernst Udet an, der mit seinem Kunstflug für Aufsehen sorgte:  Mit seinem Doppeldecker flog er im Sturzflug auf den zugefrorenen See zu, schaltete den Motor aus und berührte mit seiner Tragfläche das Eis, um ein dort deponiertes Taschentuch von der Eisfläche mitzunehmen. Gleichzeitig bot die Lufthansa mit ihren Maschinen Rundflüge über das Feldberggebiet mit Start und Landung auf dem zugefrorenen See an.

Der sich abzeichnende 2. Weltkrieg ließ ab 1936 das Eisspektakel auf dem zugefrorenen Titisee enden.

Ab 1957 sollten nach dem Willen der damaligen Gemeinde Titisee wieder Flugtage auf dem See stattfinden, soweit es der zugefrorene See zuließ. 1966 räumte der Bühlhofbauer, Walter Wilde, mal wieder mit seinem Schneepflug den Schnee von der Landebahn auf dem zugefrorenen See. Doch das Eis brach unter der Last zusammen und der Bühlhofbauer wurde mit seinem Schneepflug in die Tiefe gerissen. Die Leiche konnte erst Wochen später geborgen werden. Leider musste das tragische Unglück die Veranstaltungen auf dem See beenden, bevor die aufkommenden Gedanken des Naturschutzes den Veranstaltungen den Garaus gemacht hätten.