Freitag, 27. Januar 2023

Was verbirgt sich hinter der Langwaldschanze von Schonach?


Wie überall im Schwarzwald weckten die ersten Schneeschuhläufer, wie die Skifahrer damals hießen, zuerst ungläubiges Staunen und dann der Wunsch des Nachmachens. So wurde 1906 im Januar  von ein paar Mutigen der Skiclub Schonach gegründet. Bald folgten die Wettbewerbe im Hindernislauf und im Springen Sprunghügel aus Schnee erlaubtem die Sprünge von wenigen Metern.

 

1924 folgte  der Wunsch, eine richtige Schanze zu haben. Der damalige Vorsitzende Arthur Schyle stellte den Antrag in der Kuttlematte im Langenwald einen richtigen Sprunghügel zu bauen. Der Kostenvoranschlag betrug damals 200 Mark. Engagiert wurde ans Werk geganen und die Schanze gebaut. Im Winter 1924 wurde die Rekordweite von 27 m gemessen. Für damalige Verhältnisse eine beachtliche Weite.

 

1932 wurde die Schanze umgebaut und eine Weite von 37 m wurde gesprungen. Zwei Jahre später demonstrierte die Norweger ihre Überlegenheit und sprangen 43 m auf der Schanze. Ein weiteres Jahr später gelang es dem Skiclub erstmalig die Schwarzwaldmeisterschaft nach Schonach zu holen. Ein weiteres Jahr später wurde die Schanze wiederum umgebaut, um den neuesten Anforderungen zu genügen. Und schon ein Jahr später stellten die Schonacher einen neuen Schanzenrekord mit 55,5 m auf.

 

Ab 1971 wurde die „Internationale Nordische Kombination um den Schwarzwaldpokal“ alleine von Schonach  ausgerichtet. Der Ruf, dass in Schonach die Wettbewerbe perfekt organisiert werden, hatte sich herum gesprochen. Der Schanzenrekord war mittlerweile auf 64 m geschoben worden.

 

1972 wurde die Langenwaldschanze nach den Normen des Internationalen Skiverbandes umgebaut und erhielt als erste Sprunganlage in Deutschland einen beweglichen Startschlitten am Anlaufturm. Aber die Normen des Internationales Skiverbandes änderten sich schneller wie die Umbauten folgen konnten. Eine neue Schanze musste her, aber wo sollten die notwendigen 2,2 Mio DM herkommen? Im Hinblick auf die zu erwartenden  Juniorenweltmeisterschaften 1981 und des Schwarzwaldpokales beteiligten sich Bund und Land mit je 40% an Zuschüssen. Damir konnte 1979 etwas seitlich versetzt die neue Langenwaldschanze gebaut werden.

 

Mittlerweile versammelten sich die Besten aus Europa und maßen sich auf der neuen Schanze. Und schon wurden die 92 m von einem Finnen als Schanzenrekord aufgestellt. 1995 verbesserte ein Japaner  den Rekord auf 96 m. 2002 erhielt die Schanze eine Modernisierung und eine Flutlichtanlage, so dass ein Nachtspringen möglich war. In dem Jahr schob wiederum eine Finne den Schanzenrekord auf 98 m.

 

Ohne Umbau keinen Weltcup war die klare Forderung des Internationalen Skiverbandes 2008. Die Erwartungen waren eindeutig: Eine Sprungschanze musste für damalige Verhältnisse Sprünge über 100 m ermöglichen. Jetzt war die die große Frage, woher sollten für eine Gemeinde wie Schonach 2,25 Mio € kommen? Aber alle hielte zusammen: Gemeinde, Landkreis, Verbände und das Land Baden-Württemberg und die neue Sprungschanze konnte 2010 eingeweiht werden. Damit hat Schonach einen festen Platz im Weltcup Kalender. Und siehe da, ein Norweger hält 2019 den Schanzenrekord von 108,5 m.

Skispringen auf dem Feldberg 1897 Weite 10-15 m


 

Freitag, 20. Januar 2023

Was verbirgt sich hinter der Orgelbauerdynastie Bruder in Waldkirch?

 

Ignatz Bruder1780-1845

Ignaz Blasius Bruder (1780-1845), der Urahn der Orgelbauer, kam in Zell a.H. als Sohn armer Eltern zur Welt. Wie sein Vater sollte er Maurer werden. Gerne hätte der sensible Junge ein Kunsthandwerk gelernt, aber dafür fehlte einfach das Geld. In der Lehrzeit lernte er ein wenig Zeichnen. Immer wenn eine Kirchenorgel repariert oder eingebaut wurde, war er zur Stelle und brachte sich selber die Spieluhrmacherei bei.

 

1804 ließ sich  der Autodiktat als Spieluhrenmacher in Alt-Simonswald nieder und verkaufte 1806 die erste funktionsfähige Orgel ohne Uhrwerk. Noch heute steht eine 1822 gebaute Flötenspieluhr von Bruder in einem Basler Museum.  Dem erfolgreichen Spieluhrenmacher wurden 15 Kinder geschenkt, wovon die zwei Ältesten Andreas (1807-1859) und Xaver (1808-1888) schon als fertige Spieluhrenmacher den Umzug 1834 nach Waldkirch mitmachten. Mit der Zeit kamen noch drei weitere Söhne: Wilhelm (1819-1882), Carl (1823-?) und Ignaz (1825-1891)  als Spieluhrenmacher zu ihm in die Lehre. Als der Vater als wohlhabender Mann starb, hatten die 5 Söhne jeder seine eigene Werkstatt und trotzdem pflegten sie immer in der Not die Zusammenarbeit.

 

Andreas Bruder (1807-1845), der älteste der Brüder, war ein erfolgreicher Spieluhrenmacher, der seine Orgelwerkstätte an seinen Sohn Franz Josef (1830-1881) weitergab. Dessen ältester Sohn Richard (1862-1912) übernahm das elterliche Geschäft und betätigte sich vorwiegend im Wirts- und Schaustellergewerbe. 1922 konnte der Sohn Alfred (1889-1937) als 4. Generation das elterliche Anwesen übernehmen und baute Orgeln mittlerer Größe.

 

Xaver (1808-1881), ein erfolgreicher Orgelbauer und Nr 2 der Brüder, hatte das Pech, dass seine Kinder keines das Erwachsenenalter erreichte. Deswegen zog er sich im Alter vom Orgelbau zurück, betätigte sich als Stadtrat in Waldkirch und überließ ein Großteil seines Vermögens dem Armenfond. Carl (1832-?) Nr 4 zog es, als er verheiratet war, blad nach Moskau und betätigte sich am Zarenhof als Hofuhrenaufzieher. Ignatz  II (1825-1891) versuchte sein Glück auch in Moskau, kam aber wegen seiner kränklichen Frau 1860 zurück.

 

Der Sohn von Andreas Bruder Franz Sales gründete 1864 mit seinen Onkels Wilhelm (1819-1882 –dritter Sohn der Spieluhrmacher) und Ignatz II (1860-1891 –der fünfte Spieluhrmacher der ursprünglichen Brüder) das Orgelbauunternehmen „Gebrüder Bruder“, kauften Grundstücke und bauten erfolgreich Orchestrien. Franz Sales erhielt vom Großherzog, der öfters in Waldkirch zu Besuch war, als Senior der Orgelbauer das Ritterkreuz des Zähringer Löwenordens. Die „Gebrüder Bruder“ nahm als Gesellschafter jeweils nur den jüngsten Sohn als  Teilhaber laut Gesellschaftsvertrag auf. Trotz aller Erfolge im Laufe der Jahre vermerkte das Handelsregister 1937 nach drei Generationen das Aus der Gesellschaft.

 

Die restlichen beiden Söhne von Wilhelm, die keinen Platz in der Gesellschaft „Gebrüder Bruder“ hatten, gründeten zu zweit 1868 die „Wilhelm Bruder Söhne“. Auch hier führten drei Generationen das Unternehmen bis 1941. Ein Großbrand durch Brandstiftung hervorgerufen vernichtete das große Holzvorratslager. Vor diesem schweren Schlag erholte sich das Unternehmen nicht völlig. Die beiden Söhne von Ignaz Bruder, die keinen Platz in den anderen Gesellschaften gefunden hatten, gründeten die Gesellschaft „Ignatz Bruder Söhne“. Diese Gesellschaft war aber schon in der gleichen Generation 1918 zu Ende.

 

Die verschiedenen Generationen der Familie Bruder vollzogen den Weg von der Uhr mit Musikwerk, zur Drehorgel, Vögelorgeln mit Walzen oder Pfeifen, Musikorgeln mit Figuren zu Orchestrien für Kaffeehäuser und Tanzpaläste und schließlich diese mit Pneumatik, mit lebensgroßen Figuren als Roboterkapellen. Das Ende der verschiedenen Brudergesellschaften wurde durch die Uneinigkeit der Gesellschafter begünstigt. Alle internen und externen Bemühungen zur Fusion der verschiedenen Gesellschaften, um Kräfte zu bündeln, waren vergebens.
Drehorgel 12 Melodien Bruder Waldkirch 1860


Freitag, 6. Januar 2023

Was verbirgt sich hinter dem Uhrenpater von Staufen?

Grabstein Rinderle

Noch heute steht auf dem Alten Friedhof von Freiburg ein Grabstein, der auf einen Benediktinermönch, Erfinder und Mathematikprofessor hinweist: Thaddäus Rinderle. Er wurde als Sohn eines vermögenslosen Staufers Bürger 1748 geboren und ist als hochangesehener Professor der Freiburger Universität gestorben.

Der kleine Mathias fiel früh durch sein Interesse und Begabung auf, so dass er als Neunzehnjähriger 1767 wohl auf Wunsch seiner Eltern in das Kloster St Peter eintrat. Damit war für die Eltern gesichert, dass er die bestmögliche Ausbildung damals erhielt. Sehr schnell wurde die naturwissenschaftliche Begabung des Mönchs Thaddäus erkannt. Folglich schickte Abt Philipp Jakob Steyer den jungen Novizen zum Studium der Philosophie und Mathematik an die Universität Salzburg. Bald nach seiner Rückkehr erhielt er 1772 die Priesterweihe.

Er war nicht nur als genialer Theoretiker der Physik und Mathematik bekannt sondern auch ein überaus geschickter Mechaniker. Sehr schnell erkannten die „Wälder“ die Vorteile der Konstruktionsvorschläge und Verbesserungen für Uhren und Werkzeuge des Priesters. 1780 konstruierte Rinderle das verbesserte Bohrgeschirr aus Metall, um entscheidend die Qualität der Uhrmacherei zu verbessern. Gleichzeitig schuf er für das Zisterzienser Stift Salem ein mathematisches Museum, ein physikalisches Kabinett und eine kleine Sternwarte.

1787 konnte Rinderle nach jahrelanger Arbeit seine astronomisch-geographische Weltzeituhr beenden. Mit diesem Werk wollte er die wissensbegierigen Schwarzwälder Uhrmacher mit den Grundlagen der Astronomie vertraut machen und gleichzeitig zur Herstellung einer solchen anregen. Alle Teile hatte er selber angefertigt, nur das vergoldete Ziffernblatt stammt Mathias Faller aus Neukirch. Auf dem kleinen Ziffernblatt wird die Minuten angezeigt. Auf dem Hauptblatt kann man für jeden Ort der Erdscheibe die Zeit ablesen, ferner das Datum mit den Kalenderheiligen. Man sieht wo Tag, wo Nacht, wo Mitternacht ist, wie viele Stunden Tag und Nacht an beliebigem Orte dauern, welche Lichtgestalt der Mond hat. Sie ist heute noch im Uhrenmuseum von Furtwangen zu bewundern.

Im Jahre 1788 wurde Rinderle von der Universität Freiburg zum ordentlichen Professor ernannt und übernahm den Lehrstuhl für angewandte Mathematik. Er verließ damit offiziell das Kloster, trat aber immer im Ordenskleid auf. Dies obwohl es ihm anzumerken war, dass er die klösterliche Mauern zu gerne hinter sich ließ. Schon in seiner Klosterzeit war ihm anzumerken, dass die klösterlichen Ordensregeln für ihn verlorene Zeit waren, er lebte nur für seine naturwissenschaftliche Forschungen.

In höchster Not wandte sich das Dorf Sasbach an den Freiburger Professor. Die jedes Jahr wiederholenden Hochwasser des Rheins, drohten das Dorf zu überschwemmen, da schon einige Häuser unterspült worden waren. Für die erbosten Wasserbautechniker war es ein Unding, als sie den Ordensmann am Rheinufer entdeckten. Aber Rinderle ließ sich nicht beirren und entwickelte nach langer Prüfung eine Schutzvorrichtung, deren Versenkung im Rhein er selber 1801 überwachte. Das kommende Hochwasser gab dem Professor Recht, Sasbach wurde nicht überschwemmt – Sasbach war gerettet.

Rinderle wurde mit immer neuen Aufgaben von der Universität ausgenützt, so dass er unter seiner angeschlagene Gesundheit immer mehr leiden musste. Teilweise musste er auf seine Kosten Vorlesungen immer wieder von seinen Schülern halten lassen. Körperlich geschwächt und krank bat er 1818 um Versetzung in den Ruhestand. Es blieben ihm noch sechs Jahre voller Krankheit, Leiden und finanziellen Sorgen bis er 1824 auf dem Alten Friedhof beigesetzt wurde. Sein Grabmal erinnert noch heute an einen Großen der Wissenschaft.

Astronomische Uhr Th. Rinderle


Dienstag, 3. Januar 2023

Was verbirgt sich hinter dem "Vorzimmer" des Schwarzwaldes?

Bonndorf 1750

Bonndorf an der Südostgrenze des Schwarzwaldes gelegen wurde erstmals 1223 urkundlich erwähnt, liegt auf 845 m Höhe und südlich der Wutachschlucht. Die Stadt gehört zum Kreis Waldshut und seit den 1970er Jahren wurden die selbstständigen Gemeinden Boll, Brunnadern, Dillendorf, Ebnet, Gündelwangen, Holzschlag, Wellendingen und Wittlekofen eingemeindet.

 

Die damaligen „Herren von Bonndorf“ wohnten auf der Burg Fohrenbühl, die am Lindenbucks an der Straße nach Wellendingen gelegen sein soll. Die Herrschaft Bonndorf kam 1609 durch Kauf an das Kloster St Blasien. 1699 wurde die neue Herrschaft Bonndorf, die reichsunmittelbar war, mit den bisherigen Herrschaften des Klosters Gutenburg, Bettmaringen, Blumegg zur Grafschaft Bonndorf zusammengefasst. Die Krönung dieser Aufbauarbeit war die Erhebung dieser in den Reichsfürstenstand. Damit wurde die Grafschaft Bonndorf zum Fürstentum und der Abt von St Blasien zum Fürstbischof. Durch die Säkularisierung wurde das Kloster St Blasien aufgehoben. Zuerst wurde es 1803 dem Malterserorden zugeschlagen, 1805 dem Königreich Württemberg schließlich 1806 dem Großherzogtum Baden.

 

Highlight ist das ehemalige fürstliche Schloss von Bonndorf. 1592 bis 1595 von den damaligen Grafen von Mörseberg als Herrschaftssitz erbaut, wurde es ab 1723 vom Abt Blasius Bender völlig in der heute noch bestehenden Form umgebaut. Es sollte eine standesgemäße Residenz für die jeweiligen Landesherren sein. Endgültig abgeschlossen waren die Bauarbeiten erst 1770. Nach dem großen Brandunglück des Klosters St Blasien 1768 erwog Fürstabt Gerbert mit seinen Mönchen eine Verlegung des altehrwürdigen Klosters nach Bonndorf. Damit wäre das unter österreichischer Herrschaft stehende Kloster reichsunmittelbar geworden und wäre damit der nicht klosterfreundlichen Politik Österreichs entgangen. Das Schloss erhielt 1975-77 mit einer Restaurierung seinen ursprünglichen Glanz zurück. Heute beherbergt das Schloss ein großzügiges Narrenmuseum mit über 400 Narrenfiguren und ein Kulturzentrum mit Ausstellungen; Konzerten und Lesungen.

 

Mit der Renovierung des Schlosses wurde auch der Schlossgarten neu angelegt, der heute in den Japanischen Garten übergeht. Ein Pavillon, im Stil einer japanischen Pagode, soll das traditionelle Teehaus, den Mittelpunkt des Japanischen Gartens, darstellen.

 

1765 verordnete Fürstabt von St Blasien, dass die Waisen- und Pflegschaftsgelder vom Rentenamt zu Bonndorf angenommen und angelegt werden sollten. Von den Zinserträgen konnte ein Unterstützungs- und Armenfond unterhalten werden. So war eine Waisenkasse entstanden, später die Waisen- und Sparkasse und schließlich die Bezirksparkasse, die damit die zweitälteste Sparkasse in der Bundesrepublik ist.

 

„St Laurentius Betreutes Wohnen und Pflegeheime“ geht auf das von Abt Franz I 1662 gegründete Siechenhaus im Stadtteil Wellendingen zurück. Im Stadtteil Boll befindet sich die Mühle Boll, die weit über 300 Jahre bis 1972 in Betrieb war und heute ein Museum beherbergt. Im Ortsteil Glashütte war von 1611 bis 1715 eine Glashütte des Klosters St Blasien tätig.

 

Heute hat Bonndorf ca 7.000 Einwohner und ist durch ihre Pflumeschlucker zur Fastnachtzeit weit über die Region hinaus bekannt. Die Unternehmen Willi Studer mit ihren Leiterplatten und Motoren, Dunkermotoren und Kienzle Feinbau sowie Hans Adler OHG mit ihrem Schwarzwälder Schinken bieten genügend Arbeitsplätze auch für die Region.

       Abtswappen über dem Eingang


Schloss Bonndorf







Freitag, 30. Dezember 2022

Was verbirgt sich hinter der Kalenderreform?



Nimmt man die Naturkonstanten Tag, Sonne oder Mond ergeben sich folgende Tatsachen, die aber nicht miteinander korrespondieren:

1.     Die Erde dreht sich in einem Tag einmal um sich selbst (mittlerer Sonnentag für die Kalenderrechnung)

2.     Die Erde dreht sich in einem Jahr einmal um die Sonne (tropisches Jahr). Dieses Jahr hat eine genaue Länge von 365,2422 Tagen. Dies entspricht 365 Tagen, 5 Stunden, 48 Minuten und 46 Sekunden. Beginnt man das Jahr am 1. Januar 0 Uhr, so endet es im nächsten Jahr am 1. Januar um ca 6 Uhr morgens, im 4. Jahr wäre es am 2. Januar um ca 0 Uhr. Nach ca 1500 Jahren würde sich der Jahresanfang durch das ganze Jahr hindurch bewegen.

3.   Der Mond dreht sich in 29,5306 Tagen einmal um die Erde. (Mondumläufe) Nimmt man die Monate abwechselnd 29 und 30 Tage ergibt dies 354 Tage und so bleiben am Jahresende 11 Tage übrig. Im nächsten Jahr beginnen die Monate 11 Tage früher. Nach 33 Jahren ist der Kalender durch das Jahr hindurch gewandert d.h. nach 16 Jahren wäre Januar im Sommer.

Die Menschen versuchten ein System zu finden, das Erdumdrehung, Sonnen- und Mondumlauf in ein abgestimmtes System bringt. Das ist aber unmöglich, deswegen haben sich verschiedene Kalendersysteme entwickelt je nachdem ob Sonne oder Mond berücksichtigt wird.

 

Die Mohammedaner haben einen streng nach dem Mond ausgerichteten Kalender. Das hat zur Folge, dass die Monate jedes Jahr früher beginnen. Der europäische Kalender orientiert sich nach der Sonne und geht auf die Ägypter zurück. Diese kannten auch schon das Schaltjahr alle vier Jahre.

 

Der römische Kalender, der am 1. März begann, hatte nur 10 Monate (daher Dezember als 10. Monat) und damit 304 Tage. Der Rest des Jahres wurde mehr oder weniger auf zwei Schaltmonate verteilt. Daher hat Cäsar 45 v Chr den sog Julianischen Kalender eingeführt. Er legte fest, dass das Jahr 46 v Chr 445 Tage haben sollte, um den Jahresbeginn auf den 1. Januar statt am 1. März zu beginnen. Er legte die Monatslängen 8 mal 31 Tage, 5 mal 30 Tage und den Februar mit 28 Tagen sowie alle 4 Jahre das Schaltjahr mit dem 29. Februar fest.

 

Leider begingen die Ägypter und damit Cäsar einen kleinen Fehler. Sie nahmen die Jahreslänge mit 365,25 Tagen an, während das Sonnenjahr 365,2422 Tage hat. Die Differenz von 0,0078 Tage oder 11 Minuten was das Sonnenjahr kürzer ist als das Kalenderjahr, scheint unbedeutend zu sein. Aber dies addiert sich in ca 128 Jahren auf einen Tag und war bis zum Jahr 1500 auf 10 Tage angewachsen.

 

Im Jahre 325 n. Chr. beschloss dann das Konzil von Nicäa für alle Zeiten verbindlich, Ostern auf den Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond zu legen. Im Jahr 2020 war dies Mittwoch der 8. April mit Vollmond und darauf folgend der Sonntag 12. April Ostern. Unter anderem wohl auch deswegen, weil sich dieses Datum mit dem germanisch-heidnischen Fruchtbarkeitsfest deckt – und so die alten Heiden vielleicht eher bereit waren, sich mit dem neuen Glauben anzufreunden. Ostern kann somit zwischen dem 22. März und dem 25. April liegen. Da das Osterfest nach dem julianischen Kalender nicht mit dem ersten Frühlingsmond übereinstimmte, führte dies zu einer erneuten Kalenderreform.

 

Papst Gregor XIII ordnete 1582 die nach ihm benannte Gregorianische Kalenderreform an: Auf den 4. Oktober 1582 folgte einmalig direkt der 15. Oktober d. h. er übersprang 10 Tage.

 

Es war die Zeit der wenigsten Heiligenfeste. Das Fest des heiligen Dionysius 9. Oktober wurde einmalig auf den 15. Oktober verlegt.

 

Diejenigen Jahre, die durch 100 teilbar sind (Säkularjahre), sollten nur noch jene Schaltjahre sein, die auch durch 400 teilbar sind. 1700, 1800, 1900 z. B. sind keine Schaltjahre, jedoch die Jahre 1600 und 2000 waren Schaltjahre. Die Jahre 2100, 2200 und 2300 werden Jahre ohne Schalttag sein. Dadurch spart man in 400 Jahren drei Tage ein und der Fehler von Caesar ist soweit korrigiert, dass es über 3000 Jahre dauert, bis der noch vorhandenen Fehler einen ganzen Tag ausmacht.

 

Durch die Schaltjahrregelung liegt eine durchschnittliche Jahreslänge von 365,2425 Tagen zugrunde, die den 365,2422 Tagen des Sonnenjahres näher kommt als die 365,25 Tage des julianischen Kalenders.

 

Es dauerte hunderte von Jahren, bis sich die Kalenderreform des Gregorianischen Kalenders durchgesetzt hatte. In den älteren Kalendarien sind bis ca 1700 beide Zählungen nebeneinander angegeben. Die Reformation lehnte den gregorianischen Kalender ab, da er vom katholischen Papst kam. Die evangelischen Reisstädte des Heiligen Römischen Reiches übernahmen 118 Jahre später –nämlich 1700- den gregorianischen Kalender, berechneten aber das Osterfest noch weitere 76 Jahre nach dem julianischen Kalender. Sie nannten ihn aber  nicht gregorianische Kalender sondern neuen bürgerlichen Kalender. Das protestantische Herzogtum Preußen war schon früher im Jahre 1612 mit der Umstellung dran. Die letzten Gemeinden im Kanton Graubünden stellten den Kalender 1812 um. Sowjetrussland führte mit der Oktoberrevolution 1918 den gregorianischen Kalender ein. Die Feiertage werden aber bis heute nach dem julianischen Kalender berechnet. Da 2021 das Weihnachtsfest auf den 7. Januar gelegt ist, ergibt sich eine Differenz von 13 Tagen.

 

Die Verwendung beider Kalender führte natürlich auch zu Kuriositäten: Die Gemeinde Tennenbronn bei Schramberg war geteilt: Ein Teil gehörte seit 1443 zum Amt Hornberg und damit zum später evangelischen Württemberg, der andere zur späteren Stadt Schramberg und damit zum katholischen Vorderösterreich. In Württemberg wurde 1536 die Reformation eingeführt und damit gab es 164 Jahre zwei verschiedene Kalendersysteme im evangelischen und katholischen Tennenbronn nebeneinander. Erst 1922 wurden beide Gemeinden vereint.

 

Betroffen sind natürlich aber auch die alten Bauernregeln wie z. B. der Siebenschläfer (27. Juni) oder die Eisheiligen Mitte Mai die damals nach dem julianischen Kalender 10 Tage später liegen müssten. Deswegen die Klage eines Bauern damals: „Oh, Babst, was hast Du angericht…!“.

 

Freitag, 23. Dezember 2022

Was verbirgt sich hinter der ehemaligen Klostersiedlung Nordrach-Kolonie?

Nordrach St Nepomuk

Der Weg von Offenburg ins Kinzigtal führt uns in Biberach links ab nach Zell a. H., wo sich ein langgestrecktes, kurvenreiches Tal öffnet, das in Nordrach-Kolonie eine steil ansteigende Straße endet und ins Renchtal führt.

 

Die Anfänge des kirchlichen, politischen und wirtschaftlichen Lebens in Nordrach-Kolonie gehen auf die Abtei Gegenbach zurück. Das 761 gegründete Benediktinerkloster erhielt 1231 von König Heinrich VII den Auftrag zur Rodung und Besiedlung der ausgedehnten Klosterwaldungen. So wurden Höhenhöfe angelegt, um das einsame Gebiet „der Moos“ zu besiedeln. Die Klosterhöfe mit dem Mühlstein (Schottenhöfe) und die Hohenhöfe in Lindlach und Bräunlinsberg waren bis 1803 der Aufhebung des Klosters an dieses tributpflichtig. Der Rest des Tales gehörte zur freien Reichsstadt Zell, wurde 1803 zusammen mit der Auflösung des Klosters Gengenbach dem Großherzogtum Baden zugeschlagen und 1929 zu einer Gemeinde Nordrach vereint.

 

Der Boden in Nordrach-Kolonie war karg, die Erträge schlecht, so dass sich die Höhenhöfe nicht erfolgreich für das Kloster entwickeln konnten. Dafür gab es Holz zur Genüge, das nur mühsam abtransportiert werden konnte. 1695 gründete der Gegenbacher Abt, Placius Thalmann, im Quellgebiet des Dörrenbaches eine Glashütte. Die Glasbläser verpflichteten sich durch die „Handtreu“, einem Treuegelöbnis, gegenüber dem Kloster, Holzknechte, Schürer, Holzhackern, Fuhrleute und Glasträger waren so wie alle Bewohner der Kolonie Leibeigene des Klosters. Der jeweilige Jahreszins wurde durch Glaswaren bezahlt nicht durch Bargeld. Produziert wurden Spiegelscheiben, Schoppengläser, Becher, Sauerwasserflaschen Zuckerbüchsen usw.

 

Nachdem der erste Glasbläser nur Schulden für das Kloster produzierte, wurde nach wenigen Jahren Joachim Sigwarth aus Solothurn vereidigt aus einer Glaserfamilie, deren Name im Schwarzwald immer wieder bei Glasbläsern auftauchte. Der Erfolg der Glashütte zeichnete sich auch ab. Zur Ausbildung in der Glaskunst reiste er nach Italien. Seine Frau gelobte, wenn er gesund zurückkehre, wolle sie eine Kapelle stiften. Bei seiner Rückkehr nach einem Jahr entstand das Glaserkirchlein zum heiligen Nepomuk, das mit der Glashütte in die Kolonie verlegt wurde.

 

Schwierigkeiten bereitete immer wieder der Transport von Lebensmittel, Rohstoffen wie Quarzsand, die aus dem Gebiet Baden-Baden bezogen wurde und der Abtransport der Fertigware über den Berg zum Kloster. Da vermutlich vom Kloster auch Ackerland gewonnen werden wollte, wurde die Hütte immer wieder verlegt: 1748 vom Mitteleck zur Höflematt, zum Schäfersfeld, und 1776 talabwärts in die Kolonie. Das Kloster musste immer wieder die Glashütte unterstützen, die Glasbläser unterboten sich gegenseitig, so dass die Rentabilität litt.

 

1750 wurde nachbarschaftlich zur Glashütte vom Abt Benedikt Rischer eine Kobalt- oder Blaufarbenfabrik  mit Mittel privater Geldgeber und Kobalterzen aus Böhmen gegründet. Die blaue Farbe wurde zum Teil in der Glashütte verarbeitet und als Farbe in den Handel gebracht. Nach anfänglichem Erfolg war auch hier ein stetiges Auf und Ab wie bei der Glashütte zu verzeichnen, vor allem als der Konvent des Klosters sich weigerte, für Verluste gerade zu stehen.

 

Die Napoleonischen Kriege führten immer wieder zu Stockungen, und die Aufhebung des Klosters 1803 ergab mit einem Großbrand 1808 den völligen Niedergang. Bis 1848 wurde verschiedentlich versucht, die Glasbläserei mit wechselndem Erfolg wieder aufzunehmen.


Eine Firma Samuel Dukas aus Freiburg versuchte es mit einer Bürstenfabrik in den Räumlichkeiten. Aber auch hier kehrte nur kurze Erfolg ein, denn auch dieses Werk rentierte sich nicht. Denn das einsame Nordrachtal war nicht geschaffen, Industriestätte zu werden.

 

1889 kaufte der Arzt Dr Otto Walter das ganze Anwesen und gründete im stillen einsamen Tal eine Lungenheilanstalt, die dann an die Badische Landesversicherungsanstalt in Karlsruhe verkauft wurde. Mit der Zeit entstanden im Luftkurort weitere Kuranstalten für Lungenkranke und wurde als badisches Davos bezeichnet. Heute gibt es noch zwei Rehabilitationskliniken.


Freitag, 16. Dezember 2022

Was verbirgt sich hinter der Höllentalbahn?


Höllentalbahn 1902

Kaiser Napoleon III hatte schon in den 60iger Jahre des 19. Jahrhunderts Interesse an einer Bahnlinie Paris-Breisach-Freiburg-Donaueschingen-München-Wien beim badischen Großherzog bekundet. Aber die Gedanken des badischen Hofes beschäftigten sich intensiv mit der Planung der Schwarzwaldbahn, obwohl Robert Gerwig schon 1860 mehrere Planungen zur Überquerung des südlichen Schwarzwalds vorgelegt hatte. Wie bei der Straßenführung ging auch bei der Eisenbahn das Tauziehen um die Trassenführung über das Wagensteigtal oder Höllentalklamm los. Man entschied sich für die kürzere Verbindung durch das Höllental wie bei der 1857 angelegten Straße, dafür nur für die Eingleisigkeit und damit gegen eine internationale Streckenführung. Zum Glück entschied man sich gegen eine preiswertere Schmalspurbahn, um den südlichen Schwarzwald für Gewerbe, Industrie und später für den Fremdenverkehr zu erschließen. Denn verkehrsgeographisch war die Höllentalbahn gegenüber der Schwarzwaldbahn eine Fehlplanung. Ein eifriger Befürworter der Höllentalbahn, der Industrielle Franz Josef Faller, brach bei der Begrüßung des Großherzogs tödlich zusammen, so dass dieser Eröffnungs- und Trauerrede vereinen musste.



Das technische Meisterwerk von Robert Gerwig -fertiggestellt 1887- musste von Freiburg, Höllental, Hinterzarten nach Neustadt 34,9 km mit 613 Höhenmeter überwinden und zwischen dem Hirschsprung und Hinterzarten mit 7,175 km und 326 m Steigung mit Hilfe von Zahnradbetrieb überwinden. Zur Sicherheit verfügte jeder Wagen eine eigene Handbremse. 1901 konnte bei der Talfahrt der Zahnradbetrieb schon entfallen und 1933 nach der Elektrifizierung der Strecke mit den schweren Tenderlokomotiven auch auf der Bergstrecke entfallen.

Der ursprüngliche Kopfbahnhof lag in Freiburg Wiehre. Doch schon 1914 wurde aus verkehrstechnischen Gründen begonnen, den Beginn der Strecke in den Freiburger Hauptbahnhof zu verlegen. Deswegen beginnt heute die Strecke nicht bei 0 km sondern bei -1,52 km im Freiburger Bahnhof.

Auf der gesamten Strecke zwischen Freiburg und Neustadt wurden 563.000 m³ an Erde und Fels bewegt und vorwiegend von Italienern ausgeführt. Auf der Strecke Himmelsreich bis Hinterzarten mussten 7 Tunnels mit einer Länge von zusammen 886 m gebaut werden. Highlight der Strecke war die 144 m lange  und 37 m hohe leicht gebogene Ravenna Eisenbahnbrücke.  Sie wurde wegen der gestiegenen Anforderungen des Zugverkehrs abgerissen. 1927 wurde dann das heute bekannte gemauerte Steinviadukt eingeweiht. Im 2. Weltkrieg wurde wegen Sperrballons von den Alleierten vergeblich versucht, die Ravenna Brücke zu zerstören. Allerdings ist sie am Ende des Kriegs von deutschen Soldaten gesprengt und wurde unter der französischen Besatzungsmacht 1946 wieder errichtet worden. Die Ravenna Brücke ist die einzig beheizbare Brücke Deutschlands.

Der Weiterbau der Höllentalbahnstrecke bis Donaueschingen von 39,8 km –auch hintere Höllentalbahnstrecke genannt- wurde erst 1898 begonnen und 1901 beendet. Aber erst 2019 wurde das letzte Stück elektrifiziert, um eine durchgehende Fahrt von Freiburg nach Donaueschingen zu ermöglichen. In Titisee zweigt die 1926 fertiggestellte Dreiseeen bis Seebrugg am Schluchsee ab.

 

Kuriosum in der Geschichte der Höllentalbahnn war: 1923 konnte die Rheintalbahn von Amsterdam nach Basel nicht befahren werden konnte. Die französische Armee hatte nach dem Ersten Weltkrieg Offenburg und Appenweier besetzt. So musste der Umweg ab Karlsruhe über Pforzheim, Horb, Villingen und Donaueschingen durch das Höllental nach Freiburg geleitet werden. So gab es in jener Zeit einen Schlafwagen Frankfurt – Hinterzarten.

Ravenna Viadukt