Freitag, 2. Juli 2021

Was verbirgt sich hinter dem ehemaligen Modebad Rippoldsau?

 


Oberhalb von Bad Rippoldsau ca 2,5 km Wanderweg vom Bad aus liegt auf 825 m Höhe das geheimnisvolle Naturdenkmal „Kastelstein“. Die Felsformation aus Buntsandstein besitzt eine Größe von ca 5x10x3 m aus mehreren Gesteinsschichten in länglicher Gestalt. Eine Tafel erinnert an den Besuch des Großherzogs Friedrich von Baden im Sommer 1858. Der Kastelstein wacht seit eh und je über die Entwicklung von Bad Rippoldsau.

 

Vom Kloster St Georgen wurde  die „cella st Nicholai“ im abgelegenen Tal der Wolf am Kniebis gegründet und 1140 urkundlich erwähnt. Die Mönche waren wohl die einzigen Nutznießer der Mineralquellen, denn eine Badekultur entwickelte sich erst viel später mit dem Bau eines Fahrweges in das abgelegene Tal.

 

1577 und 1589 legten die beiden Ärzte Dr Jacob Theodor aus Bergzabern und Dr Ulrich Geiger aus Straßburg mit der Untersuchung der Rippoldsauer Quellen die Grundlage für einen vernünftigen Badebetrie. Die Obrigkeit, der Fürst zu Fürstenberg, ließ den Fahrweg zur Fahrstraße ausbauen und erließ 1579 eine Badeordnung. Seit 1587 wurde im Seebach für nahezu 150 Jahren die Guttern für das Sauerwasser geblasen. Das Bad im Wolftal entwickelte sich vor dem Dreißigjährigen Krieg zu einem “Freß-und Saufbädle“, in dem man auch dem neu aufkommenden „Tabak saufen“ frönen konnte.

 

Wie damals üblich wurde das Bad in Rippoldsau von den Schweden 1643 nieder gebrannt.  Aber auch der Bergbau –hier ins besonders der Kupferbergbau, der erst 1714 eingestellt wurde- setzte wie auch die häufigen Überschwemmungen immer wieder der Ergiebigkeit der Quellen zu.

 

1820 wurden die Quellen von Bad Rippoldsau durch den Fürsten Carl Egon von Fürstenberg neu gefasst: die Joseph-, Wenzel- Leopolds- und Theresenquelle. Beim Bau des Fürstenbaus wurde 1865 die Badquelle entdeckt. Diese gehören zu den erdigsalinischen Eisensäuerlingen, die sich zur Bad- und Trinkkur  hervorragend eignen. So langsam nahm der Kur- und Badeberieb „an Fahrt auf“.  Glanzzeit und Höhepunkt erlebte das Modebad Rippoldsau unter der Familie Goeringer in der Zeit von 1777 – 1920, die mit ihrem Fleiß und Geschick die notwendigen Infrastrukturen schafften.

 


Nicht nur die Fürsten zu Fürstenberg sondern auch der Großherzog Friedrich von Baden mit ihren jeweiligen Familien und Gefolgen bevölkerten vielfach das mittlerweile gewordene Weltbad. Auch Hansjakob erzählt in seinem Buch „Erzbauern“ von den zahlreichen Besuchen beim Hochadel des Vogtsbur aus Kaltbrunn oder vom Hansjörg und Apollonia vom Seeebenenhof im Glaswald im Sauerbrunnen Rippoldsau.

 

Nach dem Tode von Otto Goeringer 1920 wurde von der Witwe bald die Anteile am Bad verkauft. Die Weltwirtschaftskrise raffte sehr schnell die Arbeit und Besitz von mehreren Generationen dahin. Ein kleines Zwischenhoch gab es nochmals in der Zeit während des 3. Reiches. So wurde 1933 Rippoldsau auch der Titel „Bad“ verliehen. 1941 wurde der Mineralwasserbetrieb abgespalten und an die „Rippoldsauer Mineralquellen“ der Familie Huber verkauft. Der erhoffte Aufschwung nach 1945 wurde gleich durch ein zerstörendes Hochwasser 1951 gebremst.

 

1977 sollte mit dem imposanten Bau der neuen Kurklinik und Sanatorien ein neues Kapitel aufgeschlagen werden. Die alten Gebäude wurden bis auf den Fürstenbau und die Villa Sommerberg abgerissen. 1998 verwüstete ein Großbrand die Klinik. 2015 kauften eine chinesische Unternehmensgruppe die Kurklinik mit dem Ziel ein 5 Sterne Gesundheitsresort für 60 Mio Euro aufzubauen. Doch auch der Traum ist 2019 geplatzt und Bad Rippoldsau mit seinem Kastelstein warten wieder auf einen Käufer.
 

 

 

Freitag, 18. Juni 2021

Was verbirgt sich hinter dem Bühler Frühzwetschgenfest?

 

1927 fand erstmals das jährlich gefeierte Bühler Zwetschgenfest als 1. Badisches Obst- und Dankesfest für die Bühler Zwetschge statt. Und wurde seither jährlich gefeiert. Seit dieser Zeit wird auch eine Bühler Zwetschgenkönigin, die „Blaue Königin“, gekürt.

 

Ihre Wurzeln hat die Zwetschge in Vorderasien. Sie ist nicht zu verwechseln mit der Pflaume. Denn die Zwetschge ist rundlich, hat spitze Enden und lässt sich leichter vom Stein lösen.

 

1840 wurde in Kappelwindeck eine ungewöhnlich frühreifende Zwetschgensorte entdeckt. Die Bühler Frühzwetschge ist schon Anfang August reif und trat einen Siegeszug an, der seinesgleichen sucht und hat die Entwicklung von Bühl geprägt. Wurde 1884 der erste Eisenbahnwaggon nach Köln verschickt, waren es 4 Jahre später 12 bis 15 Eisenbahnwagen täglich. 1920 nimmt die OAG, Obstabsatzgenossenschaft, in Bühl die Arbeit auf. Sie setzte damals zwischen 25.000 und 40.000 Zentner Zwetschgen um. 1935 wurde die neue Obstmarkthalle fertiggestellt, denn die Frühzwetschge war auf allen nationalen und internationalen Märkten zu finden. Sie wurde zur Haupteinnahmequelle der Bühler Bürger, das sich heute allerdings relativiert hat.

 

Auch nach dem Kriege wurde mit 1949 wiederum an die bestehende Tradition angeknüpft und das Bühler Zwetschgenfest gefeiert. Ebenfalls wird wie seit 1927 üblich die Bühler Zwetschgen Königin gewählt.

 

Auf dem Bühler Zwetschgenfest wird alles um die Zwetschge angeboten: Zwetschgengerichte, -kuchen, -likör und natürlich –marmelade. Neben den Marktgeschäften gibt es noch eine Vielzahl von Fahrgeschäften. Immer am 1. Wochenende im September wird freitags um 18.00 Uhr das Volksfest vom Bühler Oberbürgermeister eröffnet. Es ist zwischen Basel und Mannheim das größte Volksfest.

 

Vermarktet wird die Bühler Zwetschge durch die Affentaler Wein- und Obstgenossenschaft.

Freitag, 11. Juni 2021

Was verbirgt sich hinter der Todtnauer Bürste?

Bürstenherstellung wie es einmal war

Am 17. 2. 1824 starb Leodegar Thoma. Es war ein Glücksfall für Todtnauberg einem Ortsteil von Todtnau, dass er hier geboren wurde und seine Wirkungsstätte hier beibehielt. Thoma hat das Bürstengewerbe im Wiesental eingeführt. Aber vor allem die Arbeitsteilung bei der Herstellung von Bürsten gilt als sein Verdienst. Im Jahre 1772 hat Thoma von einem in Freiburg stationierten Österreichischen Reiterregiment den Auftrag erhalten, soviel Pferdebürsten wie nur möglich zu liefern. Um überhaupt größere Mengen liefern zu können, zerlegte er die Fertigungsschritte der Bürste.

 

Familienmitglieder spezialisierten sich auf das Zurechtlegen von Borsten oder Haare, das Borstenbinden, des Bürstenholzes, das Einsenken der Haarbüschel und schließlich das Verpichen und Durchziehen der Borsten oder Haare durch das Holz. Um 1815 waren bis zu 600 Bewohner in die Bürstenbinderei eingespannt. Es wurden Schuh- und Kleiderbürsten, Wichs-, Fass-, Zahn- und Waschbürsten, Bodenwischer, Kartätschen und Maurer- und Malerpinsel hergestellt.

 

Den Handel haben nicht die Produzenten übernommen. Er wurde vom Hausierhandel ausgeführt, der aber aus derselben Großfamilie kam. In Todtnauberg waren bis 74 Männer ganzjährig im Hausierhandel tätig, die die Last zwischen 30 und 40 kg zu den Kunden trugen. Teilweise kamen die Hausierer nur zu Weihnachten, Ostern und zur Heuernte zu ihren Familien zurück. Ihr Absatzgebiet war neben dem Umland, die Schweiz, Frankreich, das gesamte Großherzogtum und einen kleinen Teil von Württemberg und Hessen. Jeder Hausierer hatte einen ganz bestimmten Absatzsprengel. Im Zentrum seines Sprengels hatte er sein Standquartier und bereiste von hier im Umkreis von 20 bis 40 km seine Kunden. Dorthin wurden ihm die Waren von Todtnauberg nachgeschickt. Die badische Regierung sah den Hausierhandel mit einer gewissen Skepsis, da sie glaubte, diese Herumreisenden seien politisch anfällig. Dies besonders nach den Erfahrungen 1848/49.

 

Der Niedergang der Hausindustrie wurde durch die Gewerbefreiheit 1862 beschleunigt. Durch diese verloren die Schwarzwälder Hausierer ebenfalls ihr Privileg des Hausierhandels. Die  neu gegründeten Fabriken verkauften direkt über Reisende in Läden bis in die kleinsten Gemeinden.  Von nun an konnten sich Verkaufsläden für Bürstenwaren etablieren. Aus diesem Grunde ließen viele Hausierer sich in den bereisten Städten nieder und gründeten Verkaufsläden, die sie mit Glas-, Porzellan- und Eisenwaren ergänzten. Konkurrenz der Bürstenmacher gab es auch durch die Bürstenmacherproduktion aus Gefängnissen und Spitälern. Zu Beginn des ersten Weltkriegs gab es noch 15 Hausierer.

 

1840 wurde von Fridolin Wissler der erste hölzerne Bürstenkörper maschinell hergestellt. 1907 gab es in Todtnauberg noch 49 Haushalte, die Bürsten herstellten. Bald begann der Fabrikant Alois Laitner die ersten Todtnauer Erzeugnisse nach Nordamerika auszuführen.

 

Um 1920 wurde von der Firma Zahoransky der erste Halbautomat als Bürstenbindemaschine gebaut. Ein Automat ersetzte sieben Arbeiterinnen. Damit war jegliche Handarbeit erledigt, der Handwerker wurde zum Fabrikarbeiter.

 

Noch heute genießen die Firmen Zahoransky und Ebser in Todtnau Weltruf. Die Bürsten werden in Asien hergestellt, aber die Maschinen kommen aus dem Schwarzwald. Noch heute werden Zahnbürsten-, Bürsten- und Besenmaschinen auf elektronischer Basis in die ganze Welt exportiert.

 

Heute ziert ein Bürstenhändler den Dorfbrunnen von Todtnauberg und erinnert an das untergegangene Gewerbe.