Freitag, 5. April 2019

Was verbirgt sich hinter der Eisenbahnlinie nach Bonndorf?


Enweihung der Bahnlinie 1907
Die Erschließung gewerbetreibender Gemeinden und die Zunahme im Hochschwarzwald riefen seit 1845 nach einer Eisenbahnverbindung von Neustadt nach Bonndorf. Wie St Blasien, so bemühte sich auch Bonndorf und Lenzkirch um eine Eisenbahnanbindung. Die Pläne für eine Weiterführung nach Schaffhausen lagen vor, aber der damalige Reichstagsabgeordnete Friedrich Faller als Posthalter in Bonndorf konnte diese großzügige Planung der Weiterführung  verhindern. Er fürchtete um sein Geschäft.



1905 wurde in Neustadt mit dem Bau der Bahnlinie begonnen und 1907 eingeweiht. Bei Neustadt-Kappel Gutachbrücke zweigt die Bahnlinie von der Höllentalbahn ab und führte 20 km über Lenzkirch, Gündelwangen nach Bonndorf. Da Lenzkirch unbedingt auf einem eigenen Bahnhof in der Stadt bestand, wurden aus Kostengründen für Lenzkirch eine Spitzkehre und ein Kopfbahnhof gebaut und damit zur schlechtesten trassierten Strecke der Badischen Staatsbahnen.



Bis zum 2. Weltkrieg war die Strecke für den Holztransport stark frequentiert. 1966 wurde der Personenverkehr eingestellt und zehn Jahre später der Güterverkehr. Zwischen 2003 und 2008 wurde auf der Trasse der Bähnle-Radweg eingerichtet. Am ehemaligen alten Bahnhof in Bonndorf, der heute anderweitig genutzt wird, endet dieser Radweg.



Kuriosum beim Bau der Bahnlinie war: Der geschäftstüchtige und weitblickende Adolf Vogt, Besitzer des Hotels Waldeck und der Vogtssäge im Steinatal, plante dem Geschehene etwas voraus. Er baute das Bahnhofhotel in Bonndorf dorthin, wo er den Bahnhof vermutete. Sein imposantes Hotelgebäude stand schon vor Beginn der Arbeiten. Der Bahnhof aber kam schließlich einige hundert Meter von seinem „Bahnhofhotel“ entfernt zu liegen.



Auch das Gasthaus „Lindenbuck“  wurde in Erwartung gebaut, dass bei der ursprünglichen Planung der Eisenbahnverbindung über Schleitheim nach Schaffhausen der Bahnhof am Lindenbuck westlich von Bonndorf liegen sollte. Doch die Verlängerung nach Schaffhausen wurde nie gebaut.

Bonndorf Schloss


Freitag, 29. März 2019

Was verbirgt sich hinter den Zahnwehkapellen?


Zahnwehkapellen sind Kapellen, die der heiligen Apolonia geweiht sind. (Patrozinium 9.2.) Apolonia, eine hochbetagte Christin, wurde um 248 mit anderen Christen von Ungläubigen gefangengenommen und grausam gefoltert. Der Legende nach soll ihr sämtliche Zähne ausgeschlagen und die Kinnlade zertrümmert worden sein. Eine andere Legende berichtet ihr seien alle Zähne mit einer Zange herausgerissen worden sein. Deswegen wird die Heilige mit einer Zange, die einen Zahn hält, abgebildet. Sie wird bei Zahnschmerzen angerufen und ist Schutzheilige der Zahnärzte und Barbiere.



Bekannt sind noch vier Zahnwehwehkapellen im Schwarzwald: auf dem Rappeneck bei Oberried, Grafenhausen, Waldshut und Weilheim-Nöggenschwiel im Südschwarzwald.



Am Ortsende von Oberried zweigt talaufwärts eine Fahrstraße über die Landstraße insgesamt 6 km zur Rappenecker Hütte hinauf zur „Zahnwehkapelle“.



Aus einem Visitationsbericht 1808 geht hervor, dass diese Kapelle der hl Apollonia geweiht sei, wohin Weiber mit Zahnschmerzen pilgerten. Viele Leute aus Oberried und Kirchzarten, Geroldstal, Kappel und Hofsgrund seien bei Zahnweh den steilen Aufstieg zur „Zahnkapelle“ Rosenkranz betend gegangen. „Gang nuff zur Zahnwehkapelle“ hieß das Medikament, das die Mutter bei Zahnweh ihren Kindern gab. Bis zu Beginn des Zweiten Weltkrieges sollen Zahnwehleidende ihren Löffel durch das Gitterfenster hindurch zu Ehren der hl Appollonia geschoben und damit geopfert haben. Apollonia soll dem Bittsteller von den lästigen Zahnschmerzen befreien und zum Dank schenkt er der Heiligen seinen Löffel, ihr Berufssymbol. Der Zahnarzt braucht einen Löffelstiel oder Spatel, um die Zunge niederzuhalten.



Die Alten, die anstatt den Zahnarzt die Zahnwehkapelle aufgesucht haben, mussten bekennen: „Eigentlich ischs’s immer weg gsi, des Zahnweh, wenn mer obe bi de Abollone a kumme gsi sin.“



Die Kapelle wurde 1750 infolge eines Gelöbnisses gebaut. Bei schwerem Gewitter verlief sich tagelang die Viehherde. Der Bauer gelobte, wenn er seine Herde unversehens finde, würde er an dem Ort des Wiederfindens eine Kapelle bauen.



Eine weitere Zahnwehkapelle ist die Löffelkapelle bei Gafenhausen südlich des Ortsteiles Staufen.



Die vielen Löffel zeigen von den Stoßgebeten zur heiligen Schmerzensmutter. Früher wurde auch mit Hilfe eines Löffels bei Ohrenschmerzen heißes Öl mit einem Löffel ins Ohr geträufelt.



Die dritte Zahnwehkapelle ist über Waldshut zu finden.



Vom Chilbi Platz in Waldshut führt der Weg über die Bergstraße zum Zahnkäpelle Weg. Am Wolfsackerweg liegt rechts am Weg bei Waldrand das Zahnkäpelle.



Es ist zur Ehre der heiligen  Apollonia geweiht, ein kleines Bethäuschen ohne Turm und Glocke, ohne Sakristei und Altar. Sie stammt noch aus dem 15. Jahrhundert.


Auch hier wurden die Kinder mit Zahnweh von ihren geplagten Müttern zur Kapelle der heiligen Apollonia geschickt, um sie für Beistand bei ihrem irdischen Schmerz zu bitten. Darüber soll so manches Zahnweh verflogen sein. Daher der Name Zahnkäppele.

Die vierte Zahnwehkapelle liegt bei Weilheim-Nöggenschwiel
Von Nöggenschwiel führen die K 6557 nach Süden und ebenso der Mittelweg Richtung Heubach. Nach ca 500 m liegt auf einer kleinen Anhöhe das Zahnkäppele.

Das Zahnkäppele soll auf dem Fundament eines römischen Wachtturmes gebaut sein. 1788 sollte die Flurkapelle abgebrochen werden, was die Gemeinde verhinderte. Sie sei ein Schirmhäusle und Wegweiser. Die Kapelle wurde 1886 und 1907 sowie vor kurzem renoviert.

Die Kapelle ist der heiligen Apollonia geweiht. Hier suchten die Zahnwehgeplagten Bewohner Hilfe von ihrer Plage.

Vor der Kapelle stehen zwei Gedenksteine von zwei Menschen denen Kälte und Schnee zum Verhängnis wurde.
 



Freitag, 22. März 2019

Was verbirgt sich hinter dem Brendturm bei Furtwangen?


Der Brendturm liegt am Westweg von der Martinskapelle, Brend (1149 m) und Neueck oberhalb Furtwangen. Der Brend ist der Hausberg von Furtwangen. Auch der Europäische Fernwanderweg 1 führt ebenfalls hier durch. Die Katzensteigstraße von Furtwangen führt mit 5 km direkt zu ihm.



Hier oben geht die Europäische Wasserscheide zwischen Donau und Rhein durch. Gleichzeitig ist das Gebiet zwischen Brend und Rohrhardsberg die größte zusammenhängende Hochfläche auf 1.100 m im Schwarzwald. Damit ist hier auch ein ideales Gelände für Langlauf. Der Schwarzwälder Skimarathon führt hier durch.



Der Brendturm (17 m) wurde 1870 als hölzerner  Aussichtsturm 1870 gebaut. 1901 hatte ein Sturm den Aussichtsturm und die Schutzhütte zerstört. Der Schwarzwaldverein beschloss einen Rundturm aus Granitstein (8m) zu errichten, der dann 1905 eingeweiht wurde. Der untere Raum des zweistöckigen Turmes wurde als Schankraum benutzt. Im Zweiten Weltkrieg diente der Turm als Flugwachtstützpunkt.



In Zusammenarbeit mit der EGT und Badenwerk war der Brendturm auf 17 m erhöht worden.  EGT und Badenwerk haben eine flächendeckende Betriebsfunkstelle und die Turmbesucher haben einen besseren Blick.  Die Aussichtsplattform wird durch eine Außenwendeltreppe erreicht. Seit 2014 gibt es auf dem Turm eine Super-Panorama-Webcam, deren Bilder sich jeder auf seinen Computer runter laden kann.



1927 ist neben dem Turm der Berggasthof & Hotel Brend erbaut worden (Dienstag Ruhetag Tel 07723/50487-0). Zusätzlich wurde noch das Naturfreundehaus errichtet (Montag Ruhetag Tel 07723/803)



Keine 100 m entfernt entspringt die Elz und nicht weit davon die Wilde Gutach, die bei Bleibach in die Elz mündet.



Von der Aussichtsplattform hat der Besucher einen herrlichen Blick auf den Feldberg, Belchen, Kandel und Schauinsland, zur Rheinebene und Vogesen nach Westen, zur Schwäbischen Alb nach Osten. Bei guter Sicht gibt es das Alpenpanaroma  mit Eiger, Mönche und Jungfrau nach Süden.