
Eintrittskarte Bürgerball 1835
Die Kinzigtäler Fasnacht ist für
1483 verbürgt, denn der Pfalzgraf Philipp hielt vom 7.- 9. Februar in Offenburg
eine Herrenfasnacht ab. Anlässlich dieser Fasnacht gab er ein großes
Turnier. Die Gengenbacher Ratsprotokolle berichten 1499 von einem allgemeinen
Fasnachtsverbot. 1543 erlässt Wilhelm von Fürstenberg mit seiner Kinzigtäler
Landesordnung ein Fasnachtsverbot: „Fassnacht als ein heidnische Onsinnigkeit
ist hiervor und soll auch yetzt von neuem gar verpoten sin und abgestellt“. Denn
immer wenn die Fasnacht aus den Fugen geriet und die Exzesse mit oder ohne
Alkohol sich nicht mehr mit den Moralvorstellungen der Obrigkeiten vereinbaren
ließen, kamen die Verbote.
1600 wurde der Wolfacher Michael
Knoller bestraft, weil er „in der Fasnacht in Mumerey Scheltung gegen jung
Jacob Duppelin getrieben“. In Gegenbach wurde 1620 die Fasnacht gänzlich
verboten: „Des männlins und des weiblins umbführen in der Faßnacht solle
hiermit bei ernstlicher Straff verbotten sein“. 1660 wird in Zell a.H. „der
Jung Hosenstrickeler wegen Fasnacht Narrendey straff 5 Schilling“ bestraft.
Aber mit der Zeit musste die
Obrigkeit einsehen, dass die Fasnacht konnte nicht gänzlich verboten werden
konnte. Sie versuchte nur die Auswüchse zu bekämpfen. 1751 wurden zwei
Biberacher bestraft, weil sie am Aschermittwoch noch maskiert „im Dorf
herumloffen“. Im gleichen Jahr wurden vier Wolfacher Bürgersöhne „wegen dem
verbottenen Narroo Gassenlaufen über letztverstrichene 3 Fasnachts Täg im
Schloß in ein Zimmer in Arrest gesetzt worden“.
Die Fasnachtsbräuche waren aber
zu sehr bei der Bevölkerung verwurzelt. So überstanden sie Pest, Kriege und
Verbote. Das Begräbnis der Fasnacht wurde versucht auf den Aschermittwoch
auszudehnen. Von 1788 war an Fasnacht „das Gassenlaufen den Jungen und Alten
verwilligt“. Und an 1804 ist das Maskenlaufen an 3 Fasnachtstagen Donnerstag,
Montag und Dienstag unter Bedingungen erlaubt. 1789 hatte sich eine Komödianten
Companie in Wolfach gebildet. Dieser hatte der Fürstenbergische Schulvisitator
Georg Anton Bredelin aus Hausach wohl sein Singspiel „Die Weibermühle von
Tripstrill“ übergeben, die es dann auch zur Aufführung brachte.
1808 wurde die Narrensteuer
abgeschafft, die Narren erlangten immer mehr Freiheit, so dass aus der
damaligen Komödianten Companie 1816 die heutige Narrenzunft von Wolfach
entstanden ist. Zur gleichen Zeit wurde
der Wolfacher Wohlauf aufgeführt. Eine Parodie auf das Lied eines
Nachtwächters, das er noch um 1800 im Advent sang. Der Wohlauf dürfte wie das
Elzacher Taganrufen und der Katzenmusik vieler Narrenorte auf altheidnisches
Winter- und Dämonaustreiben zurückgehen. In dieser Zeit dürften auch die verschiedenen
Hansel im Kinzigtal mit ihren Masken entstanden sein. In einigen Städten sind
noch alte Holzlarven aus Ende des 18. Jahrhundert und Anfang 19. Jahrhunderts
vorhanden. Die Larven gab es später auch aus Papier und Blech. Aber auch in den
anderen Hochburgen des Kinzigtales –wie in Offenburg, Haslach, Gengenbach, Zell
a. H. - hatten sich Narrenzünfte mit ihren verschiedenen Fasnachtsfiguren
gebildet.
Hansjakob erzählt uns im Buch
Waldleute vom Theodor dem Seifensieder aus Mitte des 19. Jahrhunderts, dass „am
Aschermittwoch Nachmittag begruben die Wolfacher die Fasnacht. Ein Strohmann
wurde von 4 Mann durch die Straßen getragen, und die Narren gingen hintennach. Vor
dem Tore war er auf einem Acker beerdigt. Hierauf begab sich der Zug zum
Stadtbrunnen zurück, allwo die leeren Geldbeutel gewaschen wurden“.
Damit war das Tor zur heutigen
Fasnacht geöffnet, und es gab kein Halten mehr.