Freitag, 13. Februar 2026

Was verbirgt sich hinter den Ursprüngen der Kinzigtäler Fasnacht?

Eintrittskarte Bürgerball 1835

Die Kinzigtäler Fasnacht ist für 1483 verbürgt, denn der Pfalzgraf Philipp hielt vom 7.- 9. Februar in Offenburg eine Herrenfasnacht ab.   Anlässlich dieser Fasnacht gab er ein großes Turnier. Die Gengenbacher Ratsprotokolle berichten 1499 von einem allgemeinen Fasnachtsverbot. 1543 erlässt Wilhelm von Fürstenberg mit seiner Kinzigtäler Landesordnung ein Fasnachtsverbot: „Fassnacht als ein heidnische Onsinnigkeit ist hiervor und soll auch yetzt von neuem gar verpoten sin und abgestellt“. Denn immer wenn die Fasnacht aus den Fugen geriet und die Exzesse mit oder ohne Alkohol sich nicht mehr mit den Moralvorstellungen der Obrigkeiten vereinbaren ließen, kamen die Verbote.

 

1600 wurde der Wolfacher Michael Knoller bestraft, weil er „in der Fasnacht in Mumerey Scheltung gegen jung Jacob Duppelin getrieben“. In Gegenbach wurde 1620 die Fasnacht gänzlich verboten: „Des männlins und des weiblins umbführen in der Faßnacht solle hiermit bei ernstlicher Straff verbotten sein“. 1660 wird in Zell a.H. „der Jung Hosenstrickeler wegen Fasnacht Narrendey straff 5 Schilling“ bestraft.

 

Aber mit der Zeit musste die Obrigkeit einsehen, dass die Fasnacht konnte nicht gänzlich verboten werden konnte. Sie versuchte nur die Auswüchse zu bekämpfen. 1751 wurden zwei Biberacher bestraft, weil sie am Aschermittwoch noch maskiert „im Dorf herumloffen“. Im gleichen Jahr wurden vier Wolfacher Bürgersöhne „wegen dem verbottenen Narroo Gassenlaufen über letztverstrichene 3 Fasnachts Täg im Schloß in ein Zimmer in Arrest gesetzt worden“.

 

Die Fasnachtsbräuche waren aber zu sehr bei der Bevölkerung verwurzelt. So überstanden sie Pest, Kriege und Verbote. Das Begräbnis der Fasnacht wurde versucht auf den Aschermittwoch auszudehnen. Von 1788 war an Fasnacht „das Gassenlaufen den Jungen und Alten verwilligt“. Und an 1804 ist das Maskenlaufen an 3 Fasnachtstagen Donnerstag, Montag und Dienstag unter Bedingungen erlaubt. 1789 hatte sich eine Komödianten Companie in Wolfach gebildet. Dieser hatte der Fürstenbergische Schulvisitator Georg Anton Bredelin aus Hausach wohl sein Singspiel „Die Weibermühle von Tripstrill“ übergeben, die es dann auch zur Aufführung brachte.

 

1808 wurde die Narrensteuer abgeschafft, die Narren erlangten immer mehr Freiheit, so dass aus der damaligen Komödianten Companie 1816 die heutige Narrenzunft von Wolfach entstanden ist.  Zur gleichen Zeit wurde der Wolfacher Wohlauf aufgeführt. Eine Parodie auf das Lied eines Nachtwächters, das er noch um 1800 im Advent sang. Der Wohlauf dürfte wie das Elzacher Taganrufen und der Katzenmusik vieler Narrenorte auf altheidnisches Winter- und Dämonaustreiben zurückgehen.  In dieser Zeit dürften auch die verschiedenen Hansel im Kinzigtal mit ihren Masken entstanden sein. In einigen Städten sind noch alte Holzlarven aus Ende des 18. Jahrhundert und Anfang 19. Jahrhunderts vorhanden. Die Larven gab es später auch aus Papier und Blech. Aber auch in den anderen Hochburgen des Kinzigtales –wie in Offenburg, Haslach, Gengenbach, Zell a. H. - hatten sich Narrenzünfte mit ihren verschiedenen Fasnachtsfiguren gebildet.

 

Hansjakob erzählt uns im Buch Waldleute vom Theodor dem Seifensieder aus Mitte des 19. Jahrhunderts, dass „am Aschermittwoch Nachmittag begruben die Wolfacher die Fasnacht. Ein Strohmann wurde von 4 Mann durch die Straßen getragen, und die Narren gingen hintennach. Vor dem Tore war er auf einem Acker beerdigt. Hierauf begab sich der Zug zum Stadtbrunnen zurück, allwo die leeren Geldbeutel gewaschen wurden“.

Damit war das Tor zur heutigen Fasnacht geöffnet, und es gab kein Halten mehr.

Freitag, 6. Februar 2026

Was verbirgt sich hinter St Maria Magdalena in Tiefenbronn?


Tiefenbronn südlich von Pforzheim am Übergang des Schwarzwalds zum Oberen Gäu gelegen mit seinem gut 6.000 Einwohnern im Enzkreis ist bekannt für seine Kirche.

Die eher unscheinbar wirkende gotische katholische Pfarrkirche St Maria Magdalena in Tiefenbronn beherbergt bedeutende Kunstschätze.

St Maria Magdalena ist eine Schenkungskirche, die in der 1. Hälfte des 12. Jahrhunderts erstmalig mit dem Ort erwähnt wird. Fromme Stiftungen in den Jahren 1347 und 1395 bezeugen das alte Marienpatrozinium der Tiefenbronner Kirche mit ihren Wallfahrten. 1621 wird erstmals statt der Jungfrau Maria das Patrozinium der hl Maria Magdalena (Patrozinium 22.7.) genannt, das 1683 päpstlich bestätigt wurde.

Die Kirche beherbergt fünf spätgotische Altäre: Der Hochaltar von Hans Schüchlin (1469) ist eine der bedeutendsten Flügelaltären Südwestdeutschlands. Der geöffnete Altar zeigt alle wichtigen Szenen aus der Passions- und Ostergeschichte. Das große Retabel mit beidseitig bemalten Flügel, Predella und Gesprenge ist ikonographisch ein Marien- und Passionsaltar. Der Magdalenenaltar von Lucas Moser (1431/32) an der Stirnseite des rechten Seitenschiffes ist dem Thema Reue-, Buße-Umkehr gewidmet, exemplarisch dargelegt am Schicksal der hl Maria Magdalena. Die Tafelbilder zeigen im oberen Bereich das Gastmahl und die schöne Sünderin, links die Irrfahrt auf dem Meer, mittig die Rettung und Mission in der Heidenstadt, rechts die letzte Kommunion und unten die fünf klugen und die fünf törichten Jungfrauen. Der Altar ist ein Hauptwerk der deutschen Tafelmalerei des 15. Jahrhunderts von europäischem Rang. Daneben gib es den Muttergottes-Altar (1517) im nördlichen, den Kreuzaltar (1524) im südlichen Seitenschiff und den Familien-Altar (1520) unter der Orgelempore.

Drei Altärewand-Gemälde (1400) an der Stirnseite des Langhauses. Daneben gibt es in der Kirche wunderschön erhaltene Glasfenster (um 1370 in Straßburg entstanden) mit Szenen aus dem Marienleben, Maria und Maria Magdalena, die Patroninnen dieser Kirche sind als zwei Stein-Skulpturen von etwa 1350 vertreten, einer wertvollen Turmmonstranz (um 1500) im Chorraum, einem eindrucksvollen Chorgestühl (um 1500) und einen wertvollen Sakristeischrank von 1464.

In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs wurde die Kirche schwer beschädigt. Von 1947 – 1951 wurde das Kircheninnere umfassend renoviert.

Magdalenenaltar