Freitag, 25. September 2026

Was verbirgt sich hinter dem frühen Bau des Feldbergerhofs?

Feldbergerhof 1864

Wer heute auf den Feldberg wandert oder fährt, findet ein herrliches Naturschutzgebiet durch Wege, Straßen, Lifte und Lokale erschlossen, Die Besucherströme werden durch Ranger gelenkt, um die Natur zu erhalten. Das war nicht immer so…

1848/49 wurde ein Karrenweg von Todtnau, Zeiger, Bärental, Altglashütten nach Lenzkirch gebaut. Davor gab es nur Trampelpfade. Die heutige Trasse war erst 1885 gebaut worden und erhielt 1934 eine Teerdecke. Ein größere Aufmerksamkeit erhielt der Feldberggipfel erst durch den Bau des 12m hohen Friedrich-Luise-Turms anläßlich der Vermählung des Großherzogpaars. Ansonsten gab es nur die verschiedenen Viehhüten, die teilweise den einsamen Wanderer Trank und Vesper boten. Die Gemeinde Feldberg wurde erst 1939 von der Reichsregierung gegründet, ohne die beteiligten Gemeinden zu fragen.

Verschieden Bürger -genau 14 Einwohner aus Menzenschwand- gründeten 1860 eine Aktiengesellschaft mit dem Ziel ein Gast- und Kurhaus auf dem Feldberg zu bauen. Aber die Gemeinde Menzenschwand gab kein Gelände ab. Darauf wandten sich die Aktionäre an die Fürstlich Fürstenbergische Verwaltung, die ihnen an der Menzenschwander Gemarkungsgrenze, aber auf Gemarkung Bärental, zwei Morgen Grasweide mit etwas Wald überließ. So wurde 1863 mit dem Bau des Feldbergerhof für 13000 Gulden begonnen. Spätere etliche Erweiterungsbauten wurden auf Menzenschwander Gemarkung ausgeführt, so dass bei der Gründung der Gemeinde Feldberg 1939 die Gemarkungsgrenze zwischen Bärental und Menzenschwand durch den Hotelkomplex verlief.

In der lokalen Zeitung wurde zur Eröffnung 1824 über den neu errichteten Feldbergerhof berichtet: “Das Kurhaus steht vor Zuglüften geschützt, an einem Tannenforst angelehnt, der schattige Spaziergänge darbietet. Der Gasthof hat außer Speisesaal und Wirtshauszimmer, 18 Gastzimmer mit 21 Betten. Während sich die Luftkur von selber darbietet, kann auch Mineralwasser und Molkenkur gebracht werden. Die Bedienung ist eine prompte, die Preise mäßig und die Gefälligkeit des Wirtes unerschöpflich”.

Schon 1864 werden 800 Übernachtungen gezählt, darunter 58 Schweizer, 44 Franzosen und 40 Engländer. Aber im Kriegsjahr 1870 hat sich der Zahl der Übernachtungen schon halbiert. Zu verzeichnen waren laut Gästebuch natürlich die bekannten Maler in jener Zeit, aber auch die Professoren der Universitäten Freiburg und Heidelberg kamen auf den Feldberg. 1866 trafen sich bekannte Uhrenfabrikanten und Kaufleute jener Zeit aus Lenzkirch darunter Albert und Nikolaus Tritscheller sowie Franz-Josel Faller, um ein Zeichen zu setzen.

Aber all die positive Eintragungen im Gästebuch konnten nicht das große Problem überdecken – das Hotel rentierte sich für den Pächter kaum, da die langen Wintermonate das im Sommer Verdiente wieder auffraßen. Es wurde berichtet, dass Augustin Mayer in Fellkleidung, Schneereifen und Bergstock öfters in den einsamen Wintermonaten mit seinen beiden Bernhardiner Hunden unterwegs war, um nach Verirrten oder Vermissten zu suchen. So gab Maier Ende 1868 das Pachtverhältnis resigniert auf. Sein Nachfolger Reinhold Beckert hielt es 8 Jahre auf dem Feldbergerhof aus. Emil Hiss, der nächste Pächter schaffte es drei Jahre bis 1879. Hiss hatte aber einen jungen Gehilfen, Carl Mayer, eingestellt, der dann den Feldbergerhof pachtete und 1885 käuflich erwarb (siehe: Was verbirgt sich hinter Fanny Maier)

Eine Besserung auf dem Feldberg trat langsam erst 1891 ein, als mit dem französischen Diplomaten, Dr Pilet, der erste Schneeschuhläufer auf dem Feldberg auftauchte und eine Wintersaison langfristig einläutete.

Dienstag, 22. September 2026

Was verbirgt sich hinter der Begehrlichkeit, den Schliffkopf zu bauen?

Schliffkopf-Hotel

Der Schliffkopf ist ein 1055 hoher flacher Bergrücken an der B 500 zwischen der Zuflucht und dem Ruhestein. Er ist mit seiner hochmoorartigen Gipfelregion seit 1938 Naturschutzgebiet. Außerdem liegt er im FFH- und Vogelschutzgebiet. Aber er bietet auch einen herrlichen Ausblick über den Schwarzwald, Vorbergzone, Rheinebene und Vogesen sowie die Pfälzer Berge. An Tagen mit guter Sicht –oftmals im November- lieg Straßburg mit seinem Münster zum Greifen nahe. Die Schweizer und Österreichischen Alpen erscheinen am Horizont, der Bodensee ist als spiegelnde Wasserfläche zu sehen.

 

Es ist verständlich, dass solch ein Bergrücken zum Bebauen einlädt. Vom Württembergischen Schwarzwaldverein wurde 1891 mit Hilfe eines badischen Pionierbataillons der Pionierturm aus Holz (15 m) errichtet, um die Aussicht zu erhöhen. Doch 1909 musste der vorhandene Turm wegen Baufälligkeit gesperrt werden.

 

1911 wurde von Baiersbronner Schneeschuhläufer auf dem Schliffkopf die Schliffkopfhütte (Schindler Hütte) errichtet. Nach dem Ersten Weltkrieg kam der Wunsch auf, einen Gedenkstein für die gefallenen Mitglieder des Schwäbischen Schneeschuhvereins aufzustellen. 1920 konnte der 3 t schwere Sandsteinfindling eingeweiht werden.

 

Auf dem Gebiet Ruhestein nahe beim Schliffkopf wurde 1924 eine K 65 Sprungschanze gebaut. Nach Streitereien zwischen dem Schwäbischen Schneeschuhverein und der Forstdirektion wurde die Vogelskopfschanze wieder abgerissen.

 

Auch gestaltete es sich äußerst schwierig, dem Wunsch des Schwäbischen Schneeschuhvereins zu entsprechen, ein Gedächtnishaus für die gefallenen Kameraden zu bauen. Die Streitereien mit der Forstdirektion zogen sich bis 1931 hin. Erst eine Ministerbewilligung, die sich über alle Bedenken hinwegsetzte, ermöglichte 1932 den Bau des Schliffkopfgedächtnishauses. Pächter waren Berta und Christian Fahrner aus Baiersbronn.

 

Nur wenige Tage nach der Eintragung des Naturschutzgebietes wurde von der Reichsregierung entschieden, dass die Organisation Todt die schon 1932 abgesteckte fehlende Straßenverbindung vom Ruhestein zur Zuflucht aus Gründen der Landesverteidigung zu bauen habe. Die Straße sollte durch das Naturschutzgebiet über die Höhe des Schliffkopfes hinweg gebaut werden. Nur dem energischen Einspruch des Landesamtes für Denkmalpflege war es zu verdanken, dass die Straße nicht über den Gipfel sondern an den Rand der Freiflächen gedrückt und 1942 fertiggestellt wurde.

 

Einschneidender als die Straße waren aber die militärischen Anlagen, die im Zuge der Westwallbefestigung 1938 auf dem Schliffkopf erstellt worden waren. Die großkalibrigen Flakstellungen auf dem Gipfel sollten die feindlichen Bomber in noch größere Höhen zwingen, um mehr Treibstoff zu verbrauchen. 1950 sollte auf dem Schliffkopf trotz des energischen Einspruchs des Naturschutzes ein 46 m hoher Kurzwellensender der französischen Armee gebaut werden, der dann später auf der Hornisgrinde erstellt wurde.

1973 entschied der Schwäbische Schneeschuhverein, das Gedächtnishaus an die Pächterfamilie Fahner zu verkaufen. Bettenhaus und Restaurant wurden angebaut. Schon 1980 wurde das Hotel um Hallenbad- und Freizeitbereich erweitert. 1991 brannte das Hotel bis auf die Grundmauern nieder. Von 1993 – 1995 wurde das Hotel unter vielen Schwierigkeiten mit großen finanziellem Aufwand mit Hilfe der Sparkasse Freudenstadt als modernes Wellenesshotel der Familie Fahrner wieder aufgebaut und bis heute von der Familie Fahner mit viel Erfolg betrieben wird.

1990 und 1999 pfiffen die Orkane Wiebke und Lothar mit ihren zerstörenden Kraft über die Schwarzwaldhöhen und legte viele Gipfel frei. 2003 wurde am Schliffkopf der Lotharpfad eingerichtet, um das Ausmaß zu dokumentieren.

Lotharpfad



 

 


Freitag, 11. September 2026

Was verbirgt sich hinter dem Poppelsee im Nordschwarzwald?


Wer die Bundesstrasse B 294 von Freudenstadt Richtung Pforzheim fährt, kann schon nach wenigen Kilometern die K4772 ins Enztal hinabfahren. Das Tal der Großen Enz, ein Tal voll geschichtlicher Hinweise auf die frühere wichtige Flößerei. Schon nach zwei, drei Kilometern liegt linker Hand ein geheimnisvoller See, der Poppelsee. Dieser wird vom Poppelbach, einem der Quellflüsse der Großen Enz, gespeist. Ebenso wie der seitliche Kaltenbach, der den “kleinen Bruder” des Poppelsees, den Kaltenbachsee, speist.

Bedeutend war für dieses abgelegene Gebiet der Vertrag 1342 zwischen dem Markgrafen von Baden und dem Grafen von Württemberg, in dem die Flößerei auf Würm, Nagold, Enz und Neckar geregelt wurde. Spätestens 1613 wurde die oberste Enz oberhalb der heutigen Petersmühle floßbar gemacht. 1750 wurde der Poppelsee und 1782 der Kaltenbachsee als Schwellweiher angelegt.

Der Poppelsee, zu dem früher ursprünglich die damals rechtsliegenden “Seewiesen” gehörten, soll eine Fläche von 21.000 m² mit einem Wasservorrat von 500.000 m³ umfasst haben. Nachweislich ist in einer alten Beschreibung des Kirchspiels Göttelfingen nachzulesen, dass 1750 der Poppelsee neu eingedämmt wurde. Er soll gegen 500 Schritt lang, 200 Schritt breit und an der tiefsten Stelle 9 m betragen haben. Das waren sicherlich um die 2 Mio m³ Wasservorrat. Auf einem 80 Fuß dicken Damm stand ein kleines Seehaus mit einer Haspel, mit der der Ausfluss des Sees für 6 Tage zur Flößerei gesteuert werden konnte. Während vom Kaltenbachsee der Wasservorrat nur für einen halben Tag zum Flößen reichte.

Aus den riesigen Wäldern der Umgebung, ja sogar aus dem württembergischen oberen Murgtal wurden mit Pferdewagen das Scheitholz auf die “Besenfelder Schwenke” gezogen und gelagert. Im Winter wurde das Holz mit Hornschlitten zum Spielberg gezogen und dort über ein Holzriese zum Kaltenbachsee gebracht. Durch enge Schleusen wurde dann das im Winter und Sommer aufgestaute Wasser mit der Holzfracht im Frühjahr und Herbst abgelassen. Dieses Wasser trug das Scheiterholz flußabwärts. Teilweise wurde das Holz bis Bietigheim-Bisingen geflößt. Als die Flößerei dann Mitte des 18. Jahrhunderts auch auf das Stammholz ausgedehnt wurde, mussten die Stauvorrichtungen vergrößert und dauerhaft umgebaut werden. Damals wurde von den Sägemühlen das geschnittenen Dielenholz auf Ochsenkarren hierher gezogen, um es auf Flößen Enz abwärts als Oblast transportiert werden zu können.

Im November 1944 brach der Damm nach sehr starken und lang anhaltenden Regenfällen aus, wobei der Damm restlos zerstört wurde. Die mächtigen Wassermassen des Popelsees, in einem mächtigen Schub frei und losgelassen, überschwemmten das ganze Enztal und erschreckten die Bewohner. So schnell wie das Wasser kam, so schnell war es auch wieder weg, deswegen hielten sich die Schäden in Grenzen und nicht wie bei einem verheerenden Hochwasser. Seit jener Zeit war der Poppelsee nahezu 30 Jahre ein vergessener stinkender Tümpel. Erst im Jahre 1969 wurde die Idee aufgegriffen, den Poppelsee durch Aufstauung des Poppelbaches wieder herzustellen. Es dauerte aber bis Anfang der 70er Jahre bis das Projekt nach vielfachen Auflagen realisiert werden konnte.

Heute ist er ein Idyll, der mit dem Kaltenbachsee zusammen zum Rundwandern einlädt, die Stille dieser Landschaft zu genießen.

Dienstag, 8. September 2026

Was verbirgt sich hinter dem Naturschutzgebiet Kaltenbronn - damals?

Kaltenbronn Wildsee Moor 1920er Jahre

Das Naturschutzgebiet Kaltenbronn liegt im Nordschwarzwald zwischen dem Murg und Enztal bzw den Städten Gernsbach und Bad Wildbad. Es erstreckt sich nordöstlich und südwestlich der Landstraße L 76 b aus dem Enztal kommend. Das Gebiet umfasst 1750 ha und die zwei Kilometer voneinander entfernten Naturschutzgebiete um den Wildsee, den Holohsee und die umgebenden Moore sowie die verbindenden Bann- und Schonwälder beim Gernsbacher Ortsteil Kaltenbronn.

Die Kaltenbronner Waldungen sind wahrscheinlich ursprünglich königliches Eigentum gewesen und dürfte um 1000 n. Chr. den Grafen Eberstein als Lehen gegeben worden sein. Der Ebersteiner Besitz verminderte sich in der Folgezeit durch Schenkungen, Erbteilungen und schlechte Wirtschaften immer mehr, so dass sie immer mehr Anteile des Waldbesitzes an die Grafen von Württemberg und die Markgrafen verkaufen mussten. Im Staatsvertrag von 1807 wurde dann die endgültige Grenze zwischen Baden und Württemberg festgelegt.

Der Zustand der Waldungen war in früheren Jahrhunderten sehr schlecht und mit heutigen Verhältnissen nicht zu vergleichen. Die Belastung des Waldgebietes mit zahlreichen Weide- und anderen Berechtigungen und der Mangel an Aufsichtspersonal machten eine Pflege des Waldes und die Wahrung einer nachhaltigen Nutzung fast unmöglich. Die erlassene Wald- und Forstordnungen beschäftigten sich mehr mit der Jagd als mit dem Forst. Bis Mitte des 18. Jahrhunderts waren die Kaltenbronner Waldungen verwüstet und von großen Weidefeldern unterbrochen. Eine Besserung ergab es erst nach dem Verbot der Waldweide. Zahlreiche Köhler gewannen ihre Holzkohle, die damals für die Verhüttung der Erze unentbehrlich waren. Dazu kamen Pottaschesieder, Harzer, Pechsieder und Zundelschneider. Gleichzeitig fingen diese das Wildern an, stahlen das gute Holz und verkauften es. “Weiß ein Forstmann im Wald keinen Bescheid, der Zundelschneider kann ihn gewiß geben”, soweit der Volksmund.

Dazu kamen die Flößer, die schlagweise die Altbestände an Bäumen fällen ließen, um Floßholz zu gewinnen. Die Forstverwaltung ließ noch 1780 zusätzlich einen Seegraben anlegen, um das Wasser als Schwallwasser zum Flößen für das Scheitholz über die Eyach in die Enz zu benutzen. Durch das alljährliche Absenken des Wildsee entwickelte sich in der Umgebung ein Latschenurwald. Ein wilder See in einer scheußlichen Gegend wurde die Gegend um den Wildsee 1820 an der badisch württembergischen Grenze bezeichnet. Die Forstverwaltung wollte die kahlen Hochflächen mit Fichten anpflanzen und obendrein hat man das Torf abgestochen, um dies zum Heizen oder als Torfziegel zu verwenden. Da das Torf einen niederen Brennwert hat, wurde das Torfstechen bald wieder eingestellt. Ebenfalls hat das Trocknen der Torfstücke beim häufigen Regen unüberwindliche Probleme bereitet. Trotzdem tauchten immer wieder neue Pläne zur Torfgewinnung auf. Noch 1889 sollte eine Torfstreufabrik auf dem Holoh gebaut werden. 1902 wurde im Landtag ernsthaft die Idee einer Drahtseilbahn vom Murgtal auf den Holoh diskutiert, um das Torf kostengünstig ins Tal zu transportieren. 1919 wurde infolge der Kohleknappheit durch die Besetzung des Ruhrgebietes der Torfabbau auf der württembergischen Seite nochmals versucht. Baden hatte dies abgelehnt. Erst ab 1924 hat man das Moor sich selbst überlassen.

1856 wurde in Kaltenbronn ein 15 m hoher hölzerner Aussichtsturm gebaut, der 1897 diesen als 22 m hohen runden Steinturm, Kaiser-Wilhelm-Turm, ersetzte. Dieser wurde 1968 auf 27 m Höhe aufgestockt und bietet als Holoh-Turm heute einen herrlichen Ausblick auf das Naturschutzgebiet.

1927 wurde der badische Teil des Wildseemoors zum Naturschutzgebiet erklärt. Ein Jahr später folgte auch der württembergische Teil und 1940 wurde auch noch das Holohgebiet integriert. 1970 wurde das gesamte Wildseemoor zum Bannwald, 2000 zum Natur- und Waldschutzgebiet Kaltenbronn. Seit 2008 informiert im Ort Kaltenbronn das Infozentrum Kaltenbronn mit einem Naturmuseum über das 5760 ha große Natur- und Schutzgebiet Kaltenbronn.